Selbst Allianz-Chef über Prämie überrascht

- Düsseldorf - Mit einer Flut neuer Beweisanträge ist die Staatsanwaltschaft im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess in die Offensive gegangen. Staatsanwalt Johannes Puls warf dem früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser in einer zweistündigen Erklärung vor, seine Einlassungen im Prozess zielten auf "eine Täuschung des Gerichts" ab. Seine Aussagen in früheren Vernehmungen belegten, dass es ihm zu keinem Zeitpunkt an Unrechtseinsicht gefehlt habe.

<P>Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und der frühere Mannesmann-Mitarbeiter Dietmar Droste seien sich bei ihrer Mitwirkung an der Millionenprämie für Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk über das Unrecht ihres Tuns im Klaren gewesen. Für den vom Gericht den Angeklagten zugute gehaltenen Verbotsirrtum gebe es keinen Raum. Schließlich habe der mitangeklagte Betriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg in der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums der Prämie heftig widersprochen.<BR><BR>Als Beweis für ihre Darstellung beantragte die Staatsanwaltschaft, die Einlassungen Essers und Ladbergs bei ihrer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft zu verlesen. Mit ihrer Antragsflut reagierte die Staatsanwaltschaft auf die sich abzeichnenden Freisprüche für die sechs Angeklagten im Mannesmann-Prozess. Das Gericht hatte in einem Rechtsgespräch betont, es sehe zwar Verstöße gegen das Aktienrecht, aber keine strafrechtlich relevanten Taten.<BR><BR>Die Höhe der Prämie für Mannesmann-Chef Esser hatte allerdings sogar in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft Verwunderung ausgelöst. Das berichtete der Aufsichtsratschef des größten deutschen Versicherungskonzerns Allianz, Henning Schulte-Noelle. Der Manager, der als Allianz-Chef im Jahr 2000 auch dem Mannesmann-Aufsichtsrat angehörte, sagte vor dem Landgericht: "Ich war überrascht, als ich davon in der Presse las." Die Summe von 15,9 Millionen Euro sei ihm - gemessen an dem in Deutschland Üblichen - als ungewöhnlich hoch erschienen. Im Aufsichtsrat selbst sei das Thema aber kaum zur Sprache gekommen, erklärte der 61-jährige Manager. Die Allianz habe durch die Wertsteigerung der Mannesmann-Aktie freilich einen "sehr schönen Gewinn" realisiert.<BR><BR></P>

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