Selbstbedienung von 368 288 Bankkonten

- München -­ Einer europaweit agierenden Bande von Lastschriftbetrügern hat die Münchner Polizei das Handwerk gelegt. Gegen fünf deutsche Hauptbeschuldigte, vier Männer und eine Frau, wurde Anklage wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges erhoben, teilte Tobias Molnar vom Kommissariat für Wirtschaftskriminalität mit.

Der 41-jährige Österreicher Christian J. aus Seefeld, der eine Wohnung in München hatte, hat seiner Auslieferung nach Deutschland widersprochen. Er ist aus österreichischer Haft gegen Kaution entlassen und soll in seinem Heimatland vor Gericht kommen.

Begonnen hatte die Fahndung Ende 2005, nachdem bundesweit bei knapp 368 288 Kontoinhabern per Lastschrift jeweils 39 Euro eingezogen worden waren -­ insgesamt mehr als 14 Millionen Euro. Die Kontodaten entnahmen die Betrüger großteils aus Datenbeständen von Tippgemeinschaften, darunter zwei in Grünwald ansässige Firmen. Alle Firmen haben ihren Betrieb unter neuer Geschäftsführung wieder aufgenommen. Um die Abbuchungen zumindest im Ansatz begründen zu können, so Molnar, hatten die Täter den Kontoinhabern bereits im November 2004 unaufgefordert eine "Travel Card" übersandt, eine Art Reiseversicherung, die laut Molnar rechtlich nicht zu beanstanden ist. Im Begleitschreiben hieß es, die Karte sei kostenlos und ohne Vertragsbindung. In einem späteren Schreiben sei dann auf eine Kostenpflicht hingewiesen worden, so Molnar. Auch die hätte jedoch nur gegolten, wenn Leistungen der Karte beansprucht worden wären. Die Abbuchungen seien somit ohne rechtliche Grundlage erfolgt. Der Postbank, bei deren Münchner Filiale das Buchungs-Konto eingerichtet wurde, habe man Lastschrift-Ermächtigungen vorgespiegelt.

Lastschriften können vom Eigentümer des belasteten Kontos binnen sechs Wochen widerrufen werden. Dies taten die Geschädigten massenhaft: Zur Jahreswende lag die Widerrufsquote bei 50 Prozent, später stieg sie auf 80 Prozent. Um die Rückbuchungen geräuschlos zu ermöglichen, holten die Täter sogar Geld, das sie bereits ins Ausland transferiert hatten, wieder zurück. Laut Molnar spekulierten sie darauf, dass sich die Gaunerei dennoch rentiert, weil genügend Kontoinhaber auf ihren Kontoauszügen die Lastschriften übersehen oder sich nicht dagegen wehren würden. Die 20 Prozent nicht rückgebuchter Lastschriften -­ noch sind nicht alle Opfer informiert -­ summieren sich immerhin zu einem Betrag von rund 3 Millionen Euro. Doch die Postbank, misstrauisch geworden durch die hohe Rückbuchungs-Quote, und zahlreiche Opfer erstatteten Anzeige. Einschließlich nachgewiesener Steuerbetrügereien in anderen Fällen legt die Staatsanwaltschaft der Betrügerbande einen Schaden von 25 bis 30 Millionen Euro zur Last.

Um sich vor Betrug durch Lastschriften zu schützen, rät die Polizei allen Bürgern, Kontoauszüge regelmäßig zu überprüfen. Außerdem solle man sorgfältig abwägen, wem man seine Kontodaten anvertraut. Das Problem dabei, so Molnar: "Auch Firmen, die zunächst seriös sind, können in falsche Hände geraten."

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