Für selbstständige Polen gibt es legale Arbeit in Deutschland

- Berlin - In der Kirche des Heiligen Kapistran in BerlinTempelhof sammeln sich jeden Sonntag tausende Polen zum Gebet. Vor dem Gotteshaus gibt es die Börse der Schwarzarbeit in Berlin: eine Tafel, behängt mit hunderten von Zetteln und Zettelchen. Die meisten Polen dort suchen irgendeinen Job. Auch Maria hat ihre ersten Kontakte mit den Arbeitgebern vor dem "Kapistran" geknüpft. Seit zehn Jahren arbeitet sie als Putzfrau und Pflegerin. Sie ist eine von tausenden polnischen Schwarzarbeitern in Berlin.

Seit dem 1. Mai, als Polen offiziell der EU beigetreten ist, hat sich für sie fast nichts geändert. Bedingt durch die Übergangsregelungen können sie in den populärsten Branchen für polnische Arbeitskräfte - dem Baugewerbe und den Reinigungsdiensten - vermutlich noch längere Zeit nicht legal arbeiten. Es gibt aber Hintertürchen.<BR><BR>Die polnischen Nachbarn können, wie Maria, ohne Kapital und bei geringen Kosten Einzelunternehmen gründen und über diese eigene Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel als Reinigungskraft oder Bauarbeiter. Sie müssen nur über Adresse und Kontonummer verfügen. Wenn sie direkt aus Polen kommen oder überhaupt nicht registriert sind, brauchen sie auch Finanzmittel für den Lebensunterhalt für bis zu sechs Monate.<BR><BR>"Für viele Leute ohne zusätzliche Qualifikationen ist die Gründung des eigenen Unternehmens die letzte Hoffnung, sich hier zu etablieren", sagt Sylwia Steinke, Beraterin im Polnischen Sozialrat Berlin. "Es kommen zu uns auch viele Leute direkt aus Polen, fragen, wie man Schritt für Schritt Unternehmen gründet, und bitten um Hilfe beim Ausfüllen der Formulare."<BR>Jerzy Idzikowski, Sekretär der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Polen, bestätigt, dass das Interesse an der selbstständigen Erwerbstätigkeit in Deutschland vom 1. Mai an bei Polen besonders im Dienstleistungssektor spürbar gestiegen sei. Zwar existierte diese Möglichkeit auch schon vorher, doch erst nach dem Beitritt Polens zur Europäischen Union sei die psychologische Barriere verschwunden. Polen suchen nun fieberhaft nach Arbeit in der EU.<BR><BR>Piotr Winiarski, spezialisiert auf die Beratung von Polen, die in Berlin arbeiten möchten, stellte fest, dass die Polen nach dem EU-Beitritt nunmehr viel mutiger und seriöser über die Gründung kleinerer und auch größerer Unternehmen in Deutschland nachdenken. Er schätzt, dass seit dem 1. Mai in Berlin rund 70 Einzelunternehmen von Polen gegründet worden sind.<BR><BR>Maria hat schon fast alle Unterlagen gesammelt. "Von der Schwarzarbeit kann man zwar ganz gut leben, aber es bleibt immer Angst und das ungute Gefühl, zu den Kriminellen zu gehören. Meine Tochter wird das nie machen müssen", sagt sie. 

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