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Semmeln und Brot werden teurer

München - Die Deutschen sind die fleißigsten Backwaren-Esser in ganz Europa - rund 47 Kilo Brot und Backwaren kauft jeder Haushalt im Schnitt im Jahr. Der Einkauf beim Bäcker könnte jedoch bald teurer werden: "Der Trend nach oben ist nicht wegzudiskutieren", sagte der Landesinnungsmeister des bayerischen Bäckerhandwerks, Heinrich Traublinger, am Freitag in München. Als Grund nannte Traublinger, die immer höher werdenden Preise für Rohstoffe und gestiegene Energiekosten.

Schon im vergangenen Jahr hatten Bäcker und Konditoren mit dem Mehlpreis "gewaltig zu kämpfen" - die mittelmäßige Ernte ließ den Preis um bis zu 30 Prozent hochschnellen, Bio-Getreide verteuerte sich sogar um bis zu 60 Prozent. Die extrem trockenen ersten Monate könnten dies 2007 noch verschlimmern: So wird Brotgetreide an den deutschen Warenbörsen derzeit zwischen 185 und 210 Euro pro Tonne gehandelt - nach der Ernte 2006 kostete die Tonne noch 110 Euro.

Verschärft werde die Situation durch einen vermehrten Wettbewerb um die Felderträge. Traublinger rechnet mit erheblichen Konsequenzen für die Zukunft, weil immer mehr Landwirte auf ihren Feldern Pflanzen zur Energiegewinnung anbauen. "Da kommt einiges an Problemen auf uns zu", prophezeite der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Mehr als unangebracht sei es daher nach Ansicht Traublingers, wenn Bauernpräsident Gerhard Sonnleitner verkünde, die Veränderungen bei Getreide- und Mehlpreisen dürften keine Auswirkungen auf den Brotpreis haben. "Ich erlaube Herrn Sonnleitner nicht, sich in unsere Kalkulation einzumischen", ärgerte sich der CSU-Politiker. Selbstverständlich sei der Mehlpreis nicht allein ausschlaggebend für eine Teuerung, aber für viele Bäcker sei er das berühmte Tröpfchen, das das Fass zum Überlaufen bringe.

Das Handwerk schwächelt etwas. Vom derzeitigen Konjunkturaufschwung profitierten viele Betriebe nur teilweise.

"Weder bei den Umsätzen noch bei den Beschäftigtenzahlen im bayerischen Bäckerhandwerk besteht Anlass zur Euphorie", sagte Traublinger. 2006 seien die Umsätze des Bäckerhandwerks preisbereinigt um 1,4 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro gesunken, das erste Halbjahr 2007 habe sich aber etwas besser entwickelt.

Auch die Zahl der Bäckerei-Betriebe verringerte sich im vergangenen Jahr in Bayern um 64 auf 3338 zum Jahresbeginn 2007, wobei Traublinger betonte, dass der Großteil der Backwaren-Discounter nicht dazuzählt: "Das sind schon rein rechtlich keine Bäckereien, sondern Handelsbetriebe."

Während die Nachfrage 2006 vor allem bei Brot zurückging (minus 3,6 Prozent), kletterten die Zahlen für den Bereich der Snacks um acht Prozent nach oben. Das erklärt sich der Landesinnungsmeister mit einem geänderten Essverhalten der Verbraucher. Es gebe immer mehr Single-Haushalte, in denen in der Regel außer Haus gefrühstückt werde.

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