Für die Sender viel zu scharf: Flachmänner im Fernsehschrank

- Klobige, klassische Röhren-Fernseher, die die Regalbretter durchbiegen und beim Umzug fast eine Garantie für Bandscheibenvorfälle sind, geraten in den Wohnzimmern ins Hintertreffen. Abgelöst werden sie von den eleganten Flachbild-Fernsehern, die nicht nur leichter und formschöner sind, sondern auch noch andere Vorteile bieten sollen: Schärfere Bilder, größere Darstellung und Zukunftssicherheit bei dem neuen TV-Format "HD-TV" ("High-Definition-TV"). Das versprechen Hersteller. Doch stimmt es auch?

Plasma oder LCD?

Die Flachmänner stellen die Bilder im Wesentlichen auf zwei verschiedene Arten dar: Mit Plasma- oder mit LCD-Technik. Plasma-TVs arbeiten mit winzigen, leuchtstarken Gaskammern bei der Bild-Darstellung, LCDs mit einem Flüssigkeitskristall-Display, das von hinten beleuchtet wird.

 Die Plasma-Technik ist leuchtstärker und kann schnell bewegte Bilder besser darstellen als LCD-Technik. Da deren Bildaufbau langsamer ist, neigen sie bei schnellen Szenen zu Schlierenbildung. Auch der relativ enge Blickwinkel, in dem LCD-Displays ein gutes Bild liefern, kann problematisch sein.

 Außerdem sind bei Plasma-TV technisch bedingt größere Bildschirme möglich.

 Dafür ist LCD-Technik tendenziell preiswerter und verbraucht sehr viel weniger Strom als Plasma-Bildschirme, die zudem viel Wärme abgeben.

Prinzipiell gilt: Beide Gerät-Arten vor dem Kauf testen, am besten mit der Lieblings-DVD, und dann entscheiden, welche Technik den eigenen Augen zusagt.

Verschärfter Bildgenuss

Ein Standard-Röhrenfernseher setzt das Bild im so genannten PAL-Format aus 720 mal 576 Bildpunkten zusammen. Da bietet jeder konventionelle PC-Monitor mit seinen mindestens 1024 zu 768 Bildpunkten bereits mehr. Flachfernseher ebenfalls: Sie können im besten Fall mit fast doppelt so vielen Bildzeilen gegenhalten. Die meisten Flachbild-Geräte werden momentan in den beiden Auflösungen angeboten, die das künftige High-Definition-TV hat, das das PAL-Format langfristig ablösen soll. Bereits jetzt werden ausgewählte Sendungen von Premiere oder einigen Privatsendern über Satellit in HD-TV ausgestrahlt. High-Definition-TV gibt es in zwei Formaten:

  HDTV 720p bietet 1280 mal 720 Bildpunkte.

 HDTV 1080i bietet sogar 1920 mal 1080.

Welches der beiden Formate sich durchsetzen wird, ist jedoch noch nicht klar.

HD-Ready oder nicht?

Um für die Zukunft auf der sicheren Seite zu sein, sollte man deshalb vor dem Kauf eines Flachbildschirmes prüfen, ob das Gerät seiner Wahl beide HDTV-Signale verarbeiten kann. Die Hersteller haben dafür das Logo "HD-Ready" eingeführt. Geräte, die es tragen, können sowohl HDTV 720p als auch 1080i darstellen. Vorsicht bei günstigen Geräten mit Angaben wie "HD-kompatibel" "HD-perfect" oder dergleichen! Solche Bezeichnungen bedeuten gar nichts, warnen Verbraucherschützer. Allerdings: Auch "HD-Ready" sagt nichts darüber aus, wie gut Geräte die hoch auflösenden Bilder darstellen. Das Logo garantiert lediglich die Fähigkeit des TV-Geräts, beide HDTV-Signale darzustellen, es garantiert aber keine definierte Qualität. Bei der Umrechnung der beiden verschiedenen Auflösungen kann es leicht zu Bildrauschen oder Zeilenflimmern kommen. Man sollte Geräte mit beiden Bildauflösungen testen.

Überqualifiziert

LCD- und Plasma-Geräte sind Standard-Fernsehern in Sachen Bildschärfe prinzipiell überlegen. Das nützt beim "normalen" Fernsehen jedoch nicht viel, da dessen Bilder nur in der althergebrachten geringen Auflösung ausgestrahlt werden. Um beispielsweise ein bildschirmfüllendes Bild der "Lindenstraße" zu erhalten, wird es auf einem Flachfernseher künstlich hochgerechnet. Folgen können bei genauer Betrachtung leichtes Bildrauschen, Schatten oder Unschärfen sein. Diesen Mängeln versuchen die Hersteller mit unterschiedlichen Maßnahmen beizukommen. Sharp bietet zum Beispiel die Aquos-Serie an, deren Auflösung für den PAL-Empfang optimiert ist.

Vor dem Kauf im Geschäft unbedingt auf dem Flach-Fernseher mit einem normalen Fernsehprogramm ansehen und feststellen, ob einen die Bildqualität befriedigt.

Flach oder Röhre?

Wer zur Kategorie der reinen Fernsehgucker gehört, sollte sich die Anschaffung eines teuren Flachbildschirmes ohne Not genau überlegen. Die Geräte sind sicher schick.

 Um ein niedrig auflösendes Fernsehbild darzustellen, reicht ein günstiger, herkömmlicher Röhren-Fernseher völlig aus. Eine Verbesserung des Tatort-Genusses wird mit neuem Gerät kaum festzustellen sein.

 Wer einen neuen Fernseher braucht, weil der alte kaputt ist, kann sich die Investition in die neue Technik eher überlegen. Solange nicht feststeht, ob sich HDTV 720p oder HDTV 1080i durchsetzt, ist der optimale Kauf schwierig.

 Begeisterte Film-Fans, die sich kalte Winterabende mit DVD-Schauen im möglichst perfekten Heimkino verschönern wollen, können schon jetzt Freude an den flachen Bildausgebern haben. DVDs im hochauflösenden HD-Format gibt es bereits.

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