+
Mit dem Alter steigt für Senioren die Kfz-Versicherung: Manche Versicherer verlangen von einem 80-Jährigen bereits doppelt so viel Jahresprämie wie von einem 60-jährigen Versicherten.

Kfz-Versicherung

Für Senioren wird es teurer

Für viele Senioren wird die Kfz-Versicherung mit dem Alter immer teurer. Ein 80-jähriger Versicherter zahlt zum Teil doppelt so viel Prämie wie ein 60-Jähriger.

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft berücksichtigt neuerdings das Alter in seinen Berechnungen – der Fairness wegen.

Bei der Berechnung der Kfz-Prämie zählen Fakten: Wie viele Jahre ist der Versicherte unfallfrei? Wie sieht die Schadens- und Unfallbilanz des Modells aus (Typklasse)? Wo wohnt der Versicherte (Regionalklasse)? Garage? Viel- oder Wenigfahrer? Firmenwagen oder private Nutzung? Alter?

Das Alter ist ein entscheidender Faktor, wenn es um die Höhe der jährlichen Versicherungsprämie geht. Eine Berechnung der Unternehmensberatung Nafi zeigt, dass die Prämie eines 80-Jährigen zum Teil doppelt so hoch ist wie die eines 60-Jährigen. In dem Vergleich, den Nafi für unsere Zeitung angestellt hat, leben zwei Versicherte in München und fahren einen Mercedes A-Klasse, Baujahr 2006. Die Autos werden ausschließlich privat genutzt – im Schnitt 15 000 Kilometer pro Jahr. Beide Fahrer sind 30 Jahre unfallfrei und haben eine Garage. Der einzige Unterschied: einer ist 60 Jahre alt, der andere 80. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Versicherungsprämie (Haftpflicht und Vollkasko).

Senioren zahlen bis zu doppelt so viel

Nafi hat 265 Tarife, die in Deutschland angeboten werden, verglichen. Das Resultat: Im Schnitt zahlt der 80-jährige Versicherte 48 Prozent mehr als der 60-Jährige. Bei der Huk (HCA) zum Beispiel gibt der 60-Jährige im Tarif Classic Select 346,62 Euro jährlich aus; der 80-Jährige muss 481,56 Euro Jahresprämie berappen – 38 Prozent Differenz. Die Allianz nimmt 525,78 Euro pro Jahr von dem 60-Jährigen – 20 Jahre mehr und im Nafi-Vergleich liegt die Prämie bei 920,39 Euro. Bei einigen der rund 120 deutschen Versicherern müsste ein 80-Jähriger sogar das Doppelte bezahlen. „Das Alter spielt eine Rolle bei der Prämienermittlung“, bestätigt Allianz-Sprecherin Claudia Herrmann. Allerdings gebe es keinen Zuschlag ab einem bestimmten Alter. Das Alter sei ein Merkmal von vielen bei der Berechnung der Prämie, erklärt Holger Bredel, Sprecher bei der Huk-Coburg.

Weniger Unfälle bei 40- bis 50-Jährigen

Allerdings ein wichtiges Merkmal – das zeigen die Zahlen. Die Begründung: Ältere Fahrer verursachen im Schnitt öfter Unfälle mit Personenschaden. Das belegt eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Danach sind mehr als 85 Prozent der über 75-jährigen Autofahrer, die in einen Verkehrsunfall verwickelt sind, die Hauptverursacher. Die zweite Risikogruppe sind die 18- bis 21-Jährigen. Sie sind in mehr als 70 Prozent Hauptunfallverursacher. Am niedrigsten ist der Schnitt (40 Prozent) bei Autofahrern zwischen 40 und 50.

Faktor Alter wird oft bereits einkalkuliert

Viele Versicherer kalkulieren den Faktor Alter deshalb schon lange in die Berechnung der Versicherungsprämie ein. Die Huk-Coburg, die seit 2005 so rechnet, war eine der ersten. Dem trage nun auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Rechnung, sagt GDV-Sprecherin Katrin Rüter de Escobar.

Bisher war es so, dass ein Modell, das bevorzugt von jungen Versicherten oder Senioren gefahren wurde, automatisch teurer in der Versicherung war. Der Grund: Die Typklasse richtet sich nach der Schadensbilanz. Ein Modell, bei dem vor allem Risikogruppen hinter dem Steuer sitzen, wird hoch eingestuft. Die hohe Prämie zahlen alle – auch der 40-Jährige, der zu keiner Risikogruppe zählt, aber dasselbe Modell fährt. „Das wollten wir fairer gestalten“, sagt Rüter de Escobar. Deshalb hat der GDV bei der Berechnung der Typklassen den Altersfaktor herausgerechnet. Danach sinken die Typklassen für einige Modelle. Die Konsequenz: Der 40-jährige Fahrer bezahlt weniger Prämie als bisher. Ist der Versicherte allerdings besonders jung oder alt, empfiehlt der DGV den Versicherern, einen Zuschlag zu verlangen.

„Malus-System“ für alte und junge Fahrer

Rüter de Escobar nennt das „Malus-System“. Das heißt: Senioren und junge Autofahrer müssen mit höheren Prämien rechnen. Wer dabei als „jung“ und wer als „alt“ eingestuft wird, entscheidet jede Versicherung für sich. Bei der Huk-Coburg gelten laut Sprecher Holger Bredel Fahrer bis zum 25. Lebensjahr in diesem Sinne als jung. Ab 70 steige das Unfallrisiko enorm an. Das drückt sich in der Höhe der Prämien aus.

Neue Typklassen für viele Fahrzeuge

Die neuen Typklassen, die der DGV kürzlich herausgegeben hat, gelten für Neuverträge ab Oktober, für bereits bestehende ab Januar 2013. Außerdem hat der DGV neue Regionalklassen festgelegt. Allerdings sind die Empfehlungen nicht bindend. Die Versicherer entscheiden selbst, wie sie Prämien errechnen.

Fest steht, dass mit den neuen Typ- und Regionalklassen viele Modelle anders eingestuft werden. Laut GDV landen rund die Hälfte aller zugelassenen Fahrzeuge in einer neuen Typklasse – rauf oder runter. Ein 3er BMW steigt beispielsweise in der Haftpflichtversicherung um drei Klassen, wird also teurer. Ein Opel Astra-J Sportstourer 1.4 T steigt in der Vollkaskoversicherung um acht Klassen. Es gibt aber auch Gewinner; ein VW Touareg 5.0 TDI beispielsweise sinkt in der Teilkasko um drei Klassen.

Zusätzlich gelten ab Januar 2013 bei den Versicherern Unisex-Tarife. Das heißt: Der Tarif darf nicht abhängig vom Geschlecht sein. Bisher zahlten Frauen tendenziell weniger für ihre Kfz-Versicherung. Inwieweit sich die Änderungen in den Jahresprämien niederschlagen, entscheiden die einzelnen Versicherer. Angebote zu vergleichen, macht besonders jetzt Sinn.

Manuela Dollinger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Leverkusen/New York - Bayer und Monsanto wollen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Investitionen und US-Arbeitsplätzen von ihrer Fusion überzeugen.
Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank könnte Medienberichten zufolge schon bald drastische Einschnitte bei den Boni ihrer Mitarbeiter verkünden.
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
London - Theresa May kündigte am Dienstag den klaren Bruch mit der EU an. In unserer Zeitung erklärt der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, wie teuer …
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren
New York - Bis 2050 wird einer Studie zufolge mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fische - wenn nicht schnell gehandelt wird. Genau das tun jetzt 40 große …
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren

Kommentare