Seniorenresidenzen: Hoher Preis allein noch kein Gütesiegel

- Ältere Menschen und ihre Angehörigen sollten bei der Wahl einer Seniorenresidenz sorgfältig Preise und Leistungen vergleichen. Bei den Angeboten für betreutes Wohnen im Appartement seien hohe Preise allein noch kein Gütesiegel, schreibt die Stiftung Warentest in der Zeitschrift "Finanztest".

Stiftung Warentest schickte in zwölf Seniorenresidenzen jeweils zwei Tester für einige Tage zum Probewohnen. In den besten Seniorenresidenzen leben die Bewohner "wie in einem guten Hotel". Oft sind es komfortabel ausgestattete Häuser in bevorzugten Lagen. Allerdings hat der Komfort auch seinen Preis: Die besten Bewertungen erzielten nur Häuser, die auch die höchsten Preise verlangten.

So verlange das Augustinum in Kleinmachnow bei Berlin 1711 Euro im Monat für ein 32 Quadratmeter großes Einzimmerappartement und ein Darlehen von 18 000 Euro, schreibt "Finanztest". Dafür würden erstklassige Gastronomie, sehr gute Gemeinschaftseinrichtungen und ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Konzerten, Theater und Sportkursen geboten. Auch das Parkwohnstift in Bad Kissingen, wo das Beispielappartement 1476 Euro monatlich kostet, erhielt überwiegend gute Noten.

Ein kleines Appartement ohne Verpflegung und Reinigung gab es im Carré´ am Niederwall in Bielefeld schon für 575 Euro im Monat. Welche Leistungen im monatlichen Fixpreis enthalten sind und welche nicht, legen die Häuser aber jeweils einzeln fest. Das erschwere den Preisvergleich, so die Warentester.

Grundservice

Zum Grundservice gehören in der Regel eine 24-Stunden-Notrufbereitschaft sowie Rezeptions- und kleinere Hausmeisterdienste. Meistens sind die Wohnungen seniorengerecht ausgestattet und es steht eine Fülle von Betreuungs-, Pflege- und sonstigen Dienstleistungen zur Verfügung. Dazu kommen Leistungen, die teils im Preis enthalten sind, teils zusätzlich bezahlt werden müssen: Mahlzeiten im hauseigenen Restaurant, die Zimmerreinigung, Pflege bei Krankheit und eine mehr oder weniger große Anzahl an Extras, zum Beispiel Fahr- und Einkaufsdienste. Viele Häuser haben ein Schwimmbad, Gymnastik- und Clubräume, eine Bücherei und ein Café´, manche sogar ein Kaminzimmer und einen eigenen Theatersaal.

"Wer nicht so viel Geld ausgeben kann oder will, muss sich mit weniger Service begnügen", stellen die Warentester fest. Ab 575 oder 700 Euro im Monat bieten Häuser kleine Appartements an, deren Ausstattung wesentlich bescheidener und deren Freizeitangebot kleiner ist als das der Spitzenhäuser im Test.

Atmosphäre testen

Sehr wichtig sei die Atmosphäre im Haus. Sie hängt von den Mitbewohnern, dem Personal und dem Umgang miteinander ab. Um diese Atmosphäre zu spüren, reicht der Blick in einen Prospekt nicht aus. Daher empfiehlt "Finanztest", ein mehrtägiges Probewohnen zu nutzen, wenn die Möglichkeit dazu besteht.

Ungültige Verträge

Einiges hatten die Tester an den Verträgen auszusetzen. Viele Verträge verstießen gegen Gesetze, wie etwa das Heimgesetz und andere Vorschriften. Viele Anbieter schränken das Nutzungsrecht an der Wohnung zu stark ein: Oft seien selbst kleinere Um- und Einbauten nur mit Zustimmung des Trägers erlaubt. In einem Haus sollte nicht einmal eine Waschmaschine oder ein Geschirrspüler ohne Erlaubnis aufgestellt werden dürfen.

Verbreitet sind auch Klauseln, mit denen die Träger der Residenzen ihre Haftung einschränken, die Haftung des Bewohners dagegen ausdehnen. Die Liste der unzulässigen Vertragsklauseln ist lang. Doch die Folgen für die Bewohner seien letztlich nicht so schlimm. "Denn unzulässige Bedingungen sind unwirksam und an ihre Stelle treten die für den Kunden günstigeren gesetzlichen Regelungen", so "Finanztest".

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