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Die zahlreichen Sensoren in Autos sammeln Informationen auch übers Verkehrsgeschehen. Werden die Daten aus vielen Autos vernetzt, können sie andere Fahrer und Assistenzsysteme sichere r durchs Verkehrsgewühl leiten.

Verkehr

Sensoren sammeln Navigationsdaten: Das Autofahren von morgen

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München – Der Kartendienst Here vernetzt künftig Sensoren ganzer Autoflotten. Damit zeichnet sich ab, wie Elektronik das Autofahren weiter verändert.

Es gibt Tomtom, Garmin und Navigon, aber auch Google und Apple. Die einen bieten eigenständige kleine Bildschirme als Navigationsgeräte fürs Auto an. Die anderen spielen ihre Daten aufs jeweilige Smartphone. Auch Autohersteller bieten – meist deutlich teurer – Navigationsgeräte als Ausstattungsoption an. Sie arbeiten dabei mehr oder weniger offiziell ebenfalls mit den Spezialisten für Navigation zusammen. Warum um alles in der Welt haben sich die Rivalen BMW, Mercedes und Audi in diesem Bereich zusammengetan, um gemeinsam den Platzhirschen Paroli zu bieten? Das fragten sich viele, als das Premium-Trio vor einem Jahr den Nokia-Kartendienst „Here“ von der Resterampe des ehemaligen Mobiltelefon-Riesen für 2,5 Milliarden Euro kaufte.

Die Antwort liefert Here auf der Paris Motor Show mit vier neuen Diensten für seine „Open Location Plattform“: Künftig werden die Daten, die die Sensoren der beteiligten Fahrzeuge liefern, ausgewertet und in das virtuelle Kartenwerk eingefügt. Und das gibt ein sehr viel genaueres Bild als es bisher möglich ist.

Bereits heute nutzen die entsprechenden Dienstleister die Schwarmintelligenz der angeschlossenen Geräte. Für das Echtzeit-Verkehrinformationssystem RTTI werden Bewegungsprofile aus dem Mobilfunknetz, GPS-Daten von Fahrzeugen, Smartphone Apps, aber auch die Verkehrsinformationen der Polizei zusammengeführt. Das Ergebnis sind schon Staumeldungen, mit denen auch die aktuellsten Informationen aus dem Radio längst nicht mehr mithalten können.

Freie Parkplätze finden - dank Schwarmintelligenz

Doch wenn dazu noch die Information einfließt, dass ein Auto gerade scharf bremst oder ein anderes das Warnblicklicht am Stauende eingeschaltet hat oder gar ein Notbremsassistent aktiviert wird, ergibt das ein noch viel genaueres Abbild der Wirklichkeit. Damit können andere Autofahrer in Echtzeit gewarnt werden, wenn gerade ein Unfall passiert. Und sie wissen sehr viel genauer, wo ein Stau beginnt – aber auch wo er dann wieder zu Ende sein wird – wenn’s zum Ausweichen einmal nicht mehr gereicht hat. Auch das Antiblockiersystem ABS, die Stabilitätskontrolle ESP und der Regensensor der Scheibenwaschanlage liefern nun Daten etwa über Glätte oder Starkregen, die andere Autofahrer frühzeitig auf diese möglichen Gefahren hinweisen.

Dauerhafte Geschwindigkeitsbeschränkungen sind auch in herkömmlichen Navis zuverlässig angegeben. Doch die Kameras von Fahrzeugen können auch zeitweise Beschränkungen etwa an einer Wanderbaustelle oder variable Limits an den Autobahnen zuverlässig dem System melden, das diese Informationen an die Fahrzeuge in der Nähe weiterreicht.

Und dann geht es auch um Komfort. Etwa bei der Parkplatzsuche. Über die Schwarmintelligenz der Fahrzeuge erfahren andere Fahrer auch, wo Parkplätze zur Verfügung stehen oder wo man besser gar nicht danach sucht. Das System ermittelt anhand von Erfahrungswerten sogar, wie lang man für die Parkplatzsuche braucht und was der erreichbare Abstellplatz gegebenenfalls kostet.

Daten sollen anonymisiert werden

Doch damit ist das System noch nicht an seine Grenzen gelangt. Auch Städte, Gemeinden oder Straßenverkehrsbehörden, können daran teilnehmen – um beispielsweise die richtige Geschwindigkeit für eine Grüne Welle auf einer großen Ausfallstraße zu ermitteln.

Zunächst starten die neuen Dienste aber ausschließlich auf Grundlage der Daten von Mercedes, BMW und Audi. Um diese Datenbasis schnell zu vergrößern, sollen vor allem möglichst viele andere Autohersteller zusätzlich an Bord. Auch für die Anbieter von Apps und Smartphones ist das System offen.

Zunächst werden von den Informationen die Fahrer angesprochen, die sie dann nutzen können. Doch auch Fahrerassistenzsysteme können und sollen eingebunden werden. So erfährt der Abstandstempomat eher von einem Stau in Fahrtrichtung und kann frühzeitig und nicht erst mit einer Notbremsung reagieren. Langfristig geht es auch ums autonome Fahren. „Unsere Plattform ist darauf ausgerichtet, das zukünftige Nervenzentrum für das autonome Fahren und intelligente Verkehrssysteme zu werden“, sagt Here-Chef Edzard Overbeek.

Bleibt die Frage nach der Sicherheit der Daten. Sie werden, verspricht Here, „anonymisiert und ohne persönliche Kennung sein“.

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