Sentiment-Indizes: Gefühl für die Zukunft

- München - Haben die Einkäufer von Unternehmen in Chicago schlechte Laune, sacken an der Börse München die Kurse ab _ und nicht nur da. Einkaufsmanager-Index und Verbrauchervertrauen der USA zählen zu den Konjunktur-Daten, deren Veröffentlichung weltweit die Börsennotierungen und Währungskurse bewegt. "Sentiments" - englisch für "Gefühle" - werden die Indizes genannt, die ein Stimmungsbild der Weltwirtschaft geben sollen und von denen sich Volkswirte den Blick in die Zukunft versprechen.

<P>Will man wissen, wie die Lage der Unternehmen ist, fragt man am besten diejenigen, die es als erste wissen, nämlich die so genannten Einkaufsmanager. Sie bestellen die Rohstoffe, die ihr Unternehmen für die Produktion benötigt. Dafür schätzen sie den künftigen Bedarf ein - also die wirtschaftliche Lage. Das amerikanische "Institute for Supply Management" (ISM) befragt monatlich über 400 Einkaufsmanager des verarbeitenden Gewerbes in den USA nach Auftragseingängen, Produktion, Lagerbeständen und weiteren Faktoren. Aus den Einschätzungen errechnen die Forscher den ISM-Index. Liegt er über 50 Punkten, wachsen Industrie und Gesamtwirtschaft. Unter 45 Zählern wird von den meisten Experten eine Rezession unterstellt.</P><P>Der Index wird seit 1931 errechnet und hat "einen hohen Informationsgehalt", wie Thomas Hueck, Volkswirt der HypoVereinsbank, urteilt. "Den Bewegungen des Index folgt die Industrie-Produktion tatsächlich." Und weil es die Forscher gerne noch ein bisschen früher wissen, achten sie auch auf den Einkaufsmanagerindex für Chicago (PMI). Der wird einen Tag früher bekannt gegeben und gilt als Gradmesser für den ISM.</P><P>Diese Zahlen aus den USA gelten als Leitwerte für die Weltkonjunktur. Zusätzlich gibt es aber auch nationale und europäische Einkaufsmanagerindizes. Der BME-Reuters-Index für Deutschland etwa wird nach der selben Methode erfasst wie das Vorbild in den USA und gibt Auskunft über die Lage in der Bundesrepublik. "Der Vorteil liegt darin, dass es sich um sehr zeitnahe Indizes handelt. Die Sentiments für Dezember sind jetzt bekannt, die Angaben über die tatsächliche Produktion im Dezember kommen erst im Februar."</P><P>Das gilt auch für das Verbrauchervertrauen. In den USA ermitteln das private Institut "Conference Board" sowie die Universität Michigan jeweils einen solchen Index. Beide befragen Verbraucher unter anderem nach der finanziellen Situation ihres Haushalts und ihren Kaufabsichten. Daraus sollen sich Rückschlüsse auf die private Nachfrage ziehen lassen. "Langfristig zeigt sich, dass diese Indizes die Realität widerspiegeln", sagt Thomas Hueck. "Man sollte aber nicht nur auf die Gesamtzahl, sondern auch auf die Unterkategorien wie die Einschätzung des Arbeitsmarktes achten." Wie für alle Indizes gilt: "Man sollte sich niemals nur auf einen konzentrieren. Sonst verzichtet man auf zu viele Informationen."</P>

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