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Der Schriftzug SEPA ist in auf einem Überweisungsvordruck zu sehen.

Zahlungssystem verschoben

Sepa: Notbremse soll Chaos verhindern

Frankfurt – Die EU will die Frist für die Sepa-Umstellung kassieren. Unternehmen und Vereine haben sich nicht schnell genug vorbereitet. Um ein Zahlungschaos zu vermeiden, sollen sie mehr Zeit bekommen.

Bundesbank und Bankenverbände haben es kommen sehen: Unternehmen und Vereine haben sich zu zögerlich auf das neue europäische Zahlungssystem Sepa mit den internationalen Kontonummern IBAN vorbereitet. Jetzt zieht die EU die Notbremse: Die bisherigen Überweisungswege sollen noch sechs Monate länger funktionieren. Eigentlich sollten sie zum 1. Februar eingestellt werden.

Einheitlicher Zahlungsraum: Sepa = Single Euro Payments Area

Das Kürzel Sepa steht für Single Euro Payments Area – einen einheitlichen Zahlungsraum für Transaktionen in Euro. Dort werden Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen standardisiert und gleich abgewickelt – egal ob sie ins Inland oder über Grenzen gehen. Zu Sepa gehören 33 Länder: Die 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz.

Hier geht's zur offiziellen Sepa-Seite der Bundesbank

Dank Sepa drohen bei Unternehmen Engpässe

Unternehmen und Vereine, die sich nicht rechtzeitig vorbereitet haben, hätten ihre Zahlungen – etwa an Lieferanten oder Mitarbeiter – nicht mehr abwickeln können. Damit hätten Liquiditätsengpässe gedroht. Nach einer Umfrage der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Auftrag der Commerzbank können Mittelständler die Engpässe im Schnitt 37 Tage lang überbrücken – 14 Prozent sind aber schon nach fünf Tagen nicht mehr flüssig, weitere 19 Prozent nach 15 Tagen.

Erst jede dritte Überweisung mit Sepa-Verfahren

Nach Angaben der Bundesbank erfolgte im November erst knapp jede dritte Überweisung im neuen Sepa-Datenformat. Noch schlechter sah es bei den Lastschriften aus, bei denen das deutsche Volumen fast die Hälfte des kompletten Euroraums ausmacht. Von werktäglich 35 Millionen Lastschriften im Wert von 52 Milliarden Euro wurden im November nur 10 Prozent mit Sepa abgewickelt. Aktuellere Daten liegen derzeit nicht vor.

Kennen Sie sich aus mit Sepa? Hier geht's zum Quiz der Bundesbank

Verbraucher aus dem Schneider

Verbraucher können die alte Kontonummer und Bankleitzahl ohnehin bis zum 1. Februar 2016 noch nutzen. Daueraufträge werden von Banken automatisch umgestellt. Einzugsermächtigungen behalten ihre Gültigkeit. Verbraucher werden von ihnen über die Umstellung informiert.

Die Vorteile des Sepa-Systems

Eine Überweisung ins europäische Ausland soll beim Sepa-Verfahren schneller gehen und nur noch einen Bankgeschäftstag dauern (derzeit bis zu einer Woche). Auslandsüberweisungen sollen außerdem nicht mehr teurer sein als Geldtransfers im Inland.

von Friederike Marx und Harald Schmidt

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