Serie Geldanlage: Wetten mit Wissen ums Risiko

München - Der Schlüssel zur optimalen Geldanlage liegt in der Vermögensaufteilung. Dazu stehen dem Anleger je nach Risikobereitschaft und Anlagebetrag mehrere verschiedene Anlageklassen zur Auswahl. Hier geht es um Zertifikate.

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Obwohl die Finanzmarktkrise - vor allem nach der Lehman-Pleite - wie ein Orkan über die Welt der Zertifikate fegte, ist in dieser Anlageklasse wieder Ruhe eingekehrt. Viele Arten von Zertifikaten erlebten in den letzten Monaten ein großes Comeback. Mit Zertifikaten kann man als Anleger entweder auf einzelne Indizes, Preisentwicklungen - zum Beispiel Gold, US-Dollar, Öl - oder auf spezielle Ereignisse setzen. Rechtlich gesehen sind Zertifikate Schuldverschreibungen. Der Anleger leiht dem Emittenten (der Bank) Geld, die Rückzahlung selbst erfolgt aber nicht wie bei klassischen Anleihen zum Nennwert, sondern ist an ein Ereignis gekoppelt. Wer sich beispielsweise ein Indexzertifikat auf den Dax kauft, erhält bei einem Indexanstieg um zehn Prozent bei Laufzeitende sein eingesetztes Kapital plus zehn Prozent zurück.

Arten von Zertifikaten

Das Universum der Zertifikate ist groß. Die bekanntesten Arten lassen sich wie folgt einteilen:

-Indexzertifikate bilden einen Index eins zu eins nach. Um die Papiere auch für Privatanleger preislich attraktiv zu machen, wird der Index zumeist 1:100 abgebildet. Ein Indexzertifikat auf den Dax kostet also nicht 6800 Euro sondern nur 68 Euro. Indexzertifikate gibt es auf alle bekannten weltweiten Aktien-, Renten- und Rohstoffindizes. Eine Sonderform sind Basket-Zertifikate, bei denen ein vorab zusammengestellter „Korb“ mehrerer Papiere zugrunde liegt.

-Wer Discountzertifikate kauft, erhält auf eine Aktie (oder Index) einen Preisabschlag. Für diesen Rabatt ist jedoch bei starkem Kursplus der zugrunde liegenden Aktien der Anstieg des Papiers nach oben gedeckelt.

-Mit einem Bonuszertifikat erhält der Anleger die Chance auf einen Bonus, sofern die zugrunde liegende Aktie (Index) während des Beobachtungszeitraums nicht auf oder unter einen bestimmten Kurs fällt.

-Bei Garantiezertifikaten garantiert der Emittent zum Laufzeitende eine Rückzahlung des eingesetzten Kapitals zu 100 Prozent. Wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt - beispielsweise vorab definierte Werte sich positiv entwickeln - hat er die Chance einer zusätzlichen Ausschüttung.

-Auch Aktienanleihen gehören zur Gattung der „strukturierten Finanzprodukte“. Diese haben eine deutlich über dem Marktniveau liegende Nominalverzinsung. Der Emittent hat aber das Recht, bei Fälligkeit in Aktien einer vorab bestimmten Gesellschaft zu tilgen.

Bewertung von Zertifikaten

Mit Zertifikaten können die Anleger auf nahezu alle Anlageklassen setzen. Egal ob Einzelaktien, Ölpreis, Aktienindizes, Edelmetalle, Währungen oder Rentenmärkte - für viele Anlageinstrumente gibt es mittlerweile entsprechende Zertifikate. Die verschiedenen Ausstattungen von Zertifikaten ermöglichen es auch beispielsweise auf Seitwärts-Trends zu setzen oder sich eine Kapitalgarantie zu sichern.

Zertifikate werden an der Börse gehandelt und können jederzeit gekauft oder verkauft werden. Im Vergleich zu Investmentfonds sind die Kosten deutlich geringer, da weder ein Ausgabeaufschlag noch laufende Verwaltungsgebühren anfallen. Der Anleger zahlt lediglich die Börsenspesen und einen zumeist geringfügigen Auf- beziehungsweise Abschlag.

Risiken von Zertifikaten

Die Risiken sind je nach Papier unterschiedlich. Während zum Beispiel bei einem Zertifikat auf Aktien ein Totalverlust theoretisch möglich ist (analog der Aktie), gehen die Anleger bei einer Garantieanleihe kein Risiko ein, wenn das Papier bis zum Ende der Laufzeit gehalten wird. Da Zertifikate rechtlich Schuldverschreibungen sind, besteht außerdem ein Emittentenrisiko. Bis zum Jahr 2008 wurde dieses Risiko vernachlässigt, seit der Finanzmarktkrise steht aber fest: Man sollte nur Zertifikate von Emittenten mit einer sehr guten Bonität kaufen.

Steuerliche Behandlung

Kursgewinne und Erträge aller Zertifikate unterliegen der 25-prozentigen Abgeltungsteuer (+ 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag). Ein noch vorhandenes Freistellungsvolumen kann angerechnet werden. Eine Besonderheit gibt es bei Zertifikaten, die noch vor dem 15. März 2007 gekauft wurden: Diese bleiben steuerfrei, egal wann sie verkauft werden.

Fazit und aktuelle Strategie

Zertifikate eignen sich zur Depotbeimischung gut für erfahrene und (begrenzt) risikobereite Anleger, Garantiezertifikate können auch konservative Anleger kaufen. Mit Index-Zertifikaten lässt sich ein breit gestreutes Depot auch mit einem geringeren Kapitaleinsatz gut realisieren. Wer einen Teil seines Vermögens beispielsweise in Aktien, Edelmetalle und Rohstoffe anlegen möchte, kann mit einem Zertifikat auf den Dax, einen Edelmetall-Index und dem CRB-Rohstoffindex eine breite Streuung sicherstellen. Einen Sicherheitspuffer bieten Discount- und Bonuszertifikate, Garantiezertifikate bieten eine Rückzahlungsgarantie. Wer Zertifikate kauft, sollte sich im Vorfeld ausführlich informieren und nur auf sehr gute Emittenten setzen. Da die Auswahl an solchen Papieren sehr groß ist, sollte man vor dem Kauf auch die Ausstattungsmerkmale genau prüfen.

Florian Öhnbeck

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