Serie Geldanlage: Zucker fürs Depot

München - Der Schlüssel zur optimalen Geldanlage liegt in der Vermögensaufteilung. Dazu stehen dem Anleger je nach Risikobereitschaft und Anlagebetrag mehrere verschiedene Anlageklassen zur Auswahl.

Heute stellen wir die Anlageform Rohstoffe vor.

Lesen Sie auch:

Staatliche Sicherheit im Depot

Rendite steigt mit dem Risiko

So retten Sie sich vor der Inflation

Gold und Silber als Inflationsschutz

Serie Geldanlage: Betongold als Vermögensbaustein

Rohstoffe kann man grob in Energie-Rohstoffe wie Öl oder Gas, Industrie-Metalle wie Kupfer, Zink, Aluminium oder Blei und Agrar-Rohstoffe - auch „Soft Commodities“ genannt - wie Weizen, Zucker, Kakao, Baumwolle oder Orangensaft einteilen. Die Notierungen vieler dieser Rohstoffe haussieren seit Monaten. Sie sind also in einer Aufwärts-Bewegung - und auf diesen hohen Stand wird vermehrt spekuliert.

Kupfer kostet ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr, Weizen legte im gleichen Zeitraum knapp 50 Prozent zu und der Preis für Zucker explodierte in den letzten drei Monaten um knapp 80 Prozent (Angaben jeweils in US-Dollar). Auch die Notierungen für Öl, Heizöl und Benzin befinden sich im Aufwärtstrend. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl kostet derzeit 88 US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie Anfang 2009. Die Zeiten niedriger Rohstoffpreise sind wohl vorbei. Wer bei der Geldanlage auf Rohstoffe setzt, kann davon profitieren.

Gründe für steigende Preise

Lange Zeit waren die Preise vieler Rohstoffe im Abwärtstrend. Ein Barrel Rohöl beispielsweise kostete im Jahr 1998 weniger als zehn US-Dollar. Kein Wunder, dass damals kaum jemand auf Rohstoffe setzte. Außerdem gab es kaum Anlageprodukte, mit denen man auf Öl, Gas, Kupfer oder Kakao setzen konnte. Heute sind die höheren Rohstoffpreise beispielsweise an der Tankstelle oder beim Kauf von Baumaterialien für alle Verbraucher deutlich spürbar geworden.

Hauptgrund für den Aufwärtstrend ist die dritte Globalisierungswelle verbunden mit Industrialisierung, Urbanisierung und steigendem Wohlstand. Doch nicht nur die hohe Nachfrage aus China, Indien und Osteuropa beflügelte die Preise, auch Investoren und Spekulanten setzten zunehmend auf Rohstoffe.

So funktioniert das Investment

Der direkte Kauf von Rohstoffen ist grundsätzlich möglich. Doch handelt es sich oft um verderbliche Waren, außerdem ist die Lieferung sowie die Aufbewahrung problematisch. Gute Möglichkeiten bieten heute Rohstoffaktien - also Titel von Firmen, die Rohstoffe fördern oder verarbeiten, sowie entsprechende Rohstoff-Fonds. Wer Direktinvestitionen in Rohstoffe sucht, findet heute eine Vielzahl von Zertifikaten.

-Rohstoffaktien: Wer Rohstoffaktien kauft, setzt auf Firmen, die diese fördern oder weiterverarbeiten. Dies können zum Beispiel Bergbaukonzerne, Mineralölgesellschaften oder Metallhersteller sein. Neben der Nachfrage nach den entsprechenden Rohstoffen spielt bei der Kursentwicklung der Aktien auch die wirtschaftliche Situation der Firma eine große Rolle. Dies kann eine zusätzliche Chance, aber auch ein Risiko sein. Nur erfahrene Anleger sollten deshalb auf einzelne Rohstoffaktien setzen und die Bestände grundsätzlich mit Stop-Loss-Limits absichern. Dadurch wird, sobald der persönlich festgesetzte Kurs unterschritten wird, eine Verkaufsorder ausgelöst.

-Rohstoff-Fonds: Besser geeignet sind da schon Rohstofffonds. Bei dieser Anlageform kauft eine Fondsgesellschaft beispielsweise aussichtsreiche, börsennotierte Rohstoff-Aktien. Sollte ein Wert wirtschaftliche Probleme haben, so wird dies durch eine breite Streuung abgefangen.

Mit Fonds kann man auch direkt auf Rohstoffe setzen. Investmentgesellschaften ist es zwar rechtlich verboten, Rohstoffe physisch zu kaufen, mittlerweile gibt es aber Fonds, welche die Preise über den Kauf von Rohstoffindizes abbilden. Da bei Investmentfonds grundsätzlich ein Sondervermögen gebildet wird, besteht kein Risiko, wenn die Fondsgesellschaft in Schieflage gerät.

-Rohstoff-Zertifikate: Mit Zertifikaten hat man einerseits die Möglichkeit, auf einzelne Rohstoffe zu setzen, andererseits kann man an der Entwicklung breit gefasster Rohstoff-Indizes partizipieren. Ein bekannter Index ist der CRB-Index („Commodity Research Bureau“), der 19 verschiedene Rohstoff-Futures beinhaltet und seit 1957 berechnet wird.

Zertifikate werden von Banken herausgegeben und sind rechtlich den Anleihen gleichzusetzen. Wer Zertifikate kauft, sollte nur auf sehr gute Emittenten setzen. Da die Auswahl an solchen Papieren sehr groß ist, sollte man vor dem Kauf auch die Ausstattungsmerkmale genau prüfen.

Weitere Aussichten am Rohstoffmarkt

Obwohl die Finanzkrise auch an den Rohstoffmärkten nicht spurlos vorüberging, haben sich die meisten Preise wieder erholt und der mittelfristige Aufwärtstrend ist intakt. Der weltweite Rohstoffhunger insbesondere aus China und Indien wird wohl auch in den nächsten Jahren nicht abnehmen. Hält der aktuelle Konjunkturaufschwung an, könnte dies die Preise vieler Rohstoffe zusätzlich beflügeln. Dennoch sollte man bedenken, dass die Preise mittlerweile sehr hoch und vorübergehende Gewinnmitnahmen die Notierungen unter Druck bringen können.

Fazit und aktuelle Strategie

Risikobereiten Anlegern bieten Rohstoffe eine interessante Chance, die Rendite im Depot zu optimieren. Aufgrund der starken Preisschwankungen ist es aber ratsam, nicht auf einzelne, sondern auf mehrere Rohstoffe gleichzeitig zu setzen.

Rohstoff-Fonds oder Zertifikate auf breit gefasste Indizes (zum Beispiel CRB-Index) sind hierfür gut geeignet. Gerade in konjunkturellen Hochphasen steigen die Nachfrage und somit auch die Preise von Energie-Rohstoffen, Industrie-Metallen und „Soft-Commodities“.

Aufgrund der hohen Preisausschläge und weil keine laufenden Erträge bezahlt werden, eignen sich Rohstoffe nur zur Depotbeimischung, nicht aber zur Basisanlage. Da nahezu alle Rohstoffe in US-Dollar abgerechnet werden, ist zusätzlich das Währungsrisiko zu berücksichtigen.

Florian Öhnbeck

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Machtübernahme von Hastor bei Grammer
Seit fünf Monaten machten Vorstand und Belegschaft des Autozulieferers Grammer Front gegen den unbeliebten Großaktionär Hastor. Jetzt fällte die Hauptversammlung eine …
Keine Machtübernahme von Hastor bei Grammer
Dax fehlt vorm Feiertag weiter der Schwung
Frankfurt/Main (dpa) - Trotz guter Konjunkturdaten aus Deutschland hat der Dax am Mittwoch etwas schwächer geschlossen. Mit einem kleinen Abschlag von 0,13 Prozent auf …
Dax fehlt vorm Feiertag weiter der Schwung
Komitee empfiehlt Opec-Förderlimit bis Frühjahr 2018
Es war ein historischer Schulterschluss: Die Opec hatte mit anderen wichtigen Förderländern eine Öl-Drosselung beschlossen. Die Vereinbarung soll nun wohl um neun Monate …
Komitee empfiehlt Opec-Förderlimit bis Frühjahr 2018
Linde und Praxair wollen "Zusammenschluss unter Gleichen"
Zu einem Weltkonzern will Linde-Aufsichtsratschef Reitzle sein Unternehmen machen und dafür mit dem Konkurrenten Praxair zusammengehen. Das ruft Gewerkschafter und …
Linde und Praxair wollen "Zusammenschluss unter Gleichen"

Kommentare