+
Noch immer müssten Kunden viel Geld für teure Warteschleifen bezahlen, informierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Verbraucherschützer kritisieren Abzocke mit teuren Warteschleifen – Ruf nach neuem Gesetz

Service-Telefon als Kostenfalle

München – Verbraucherschützer warnen vor Abzocke mit teuren Telefon-Hotlines. Der Ruf nach einem neuen Gesetz wird laut.

Noch immer müssten Kunden viel Geld für teure Warteschleifen bezahlen, obwohl sich die Telekommunikationsbranche auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung vor zwei Jahren dazu verpflichtet habe, die Wartezeiten nicht zu berechnen und möglichst auf 30 Sekunden zu begrenzen, informierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Laut dem Sprecher des Verbands, Steffen Küßner, handelt es sich keineswegs nur um wenige Einzelfälle. „Bei den allermeisten Anbietern hat die Selbstverpflichtung keine Früchte getragen“, sagte er.

Diese Einschätzung bestätigt ein Test der Grünen-Bundestagsfraktion. Anrufe bei 50 Service-Nummern mit 0900-Vorwahl und Minutenpreisen bis zu 1,99 Euro ergaben, dass die Wartezeit bei einem Drittel der Hotlines mehr als eine Minute betrug. Beim Telekommunikationsunternehmen 1&1 (24 Cent pro Minute) waren es in einem Fall sogar 23 Minuten, bei einer Technik-Hotline des Mobilfunk-Anbieters O2 (89 Cent) immerhin noch elf und bei der Fluggesellschaft Ryanair (62 Cent) sieben Minuten.

„Bei vielen Anbietern scheinen die teuren Warteschleifen zum Geschäftsmodell zu gehören. Da werden ohne Gegenleistung viele Millionen Euro verdient“, kritisierte Bärbel Höhn, die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion.

Abhilfe erhofft sich Verbraucherschützer Küßner von Seiten der Bundesnetzagentur. Diese weitet 2010 die Möglichkeit, Warteschleife und Beratungszeit getrennt zu berechnen, deutlich aus. Derzeit ist dies nicht bei allen Vorwahlen möglich. Wenn die Unternehmen auch dann nicht auf die Berechnung der Wartezeit verzichten, müsse die Selbstverpflichtung endgültig als gescheitert angesehen werden, so Küßner. „Dann sollte man über gesetzgeberische Maßnahmen nachdenken.“

az

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Eschborn (dpa) - Wegen der kühlen Witterung in den Wintermonaten des Jahres 2016 mussten viele Haushalte in Mehrfamilienhäusern laut einer Analyse mehr heizen als im …
Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Der Bund erwartet eine EU-Quote für Elektroautos - doch das ächzende deutsche Stromnetz ist auf eine massenhafte Verbreitung von E-Mobilen gar nicht vorbereitet. Eng …
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer
Damit die Luft in Städten besser wird, sollen alte Diesel runter von der Straße - das war ein Ergebnis des Dieselgipfels. Autobauer bieten Prämien für Kunden, die sich …
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer
Machnig zu Wöhrl-Angebot: Air Berlin braucht mehrere Partner
Der Bund hält nichts von einer Komplett-Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch den Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl.
Machnig zu Wöhrl-Angebot: Air Berlin braucht mehrere Partner

Kommentare