Gefährlicher als Ever-Given-Desaster

China schließt Hafen nach Corona-Ausbruch: Mega-Stau der Frachtschiffe bedroht Welthandel - und Deutschland

  • Markus Hofstetter
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Vor dem viertgrößten Hafen der Welt stauen sich wegen eines Corona-Ausbruchs die Schiffe. Der Welthandel ist beeinträchtigt - mit gravierenden Folgen für Deutschland.  

Shenzhen/Yantian - Die tagelange Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff Ever Given führte der Welt die Verletzlichkeit der globalen Handelsströme vor Augen. Die Auswirkungen spüren die Menschen, auch in Deutschland, noch heute, wenn sie beim Einkaufen in teilweise leere Regale blicken.

Dass es noch schlimmer kommen kann, zeigt ein Corona-Ausbruch Anfang Juni in der südchinesischen Provinz Guangdong, einem der bedeutendsten Produktions- und Exportstandorte des Landes. Dieser veranlasste Chinas Regierung, zu harten Maßnahmen, die den Schiffsverkehr unerwartet trafen. „Die Chinesen haben ohne Vorwarnung, von einer Stunde auf die andere, den Hafen Yantian dichtgemacht“, so Willem van der Schalk, Vorsitzender des Komitees Deutscher Seehafenspediteure im DSLV Bundesverband Spedition und Logistik.

Mega-Stau vor chinesischem Hafen: über 80 Schiffe warten auf Abfertigung

Der Hafen Yantian der Millionenmetropole Shenzhen an der Grenze zu Hongkong gilt als der viertgrößte Containerhafen der Welt, hier wurden im vergangenen Jahr über 27 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Zum Vergleich: In Hamburg waren es knapp neun Millionen Container.

Infolge der Corona-Maßnahmen stauen sich die Containerschiffe vor Yantian. Zeitweise sollen über 80 Schiffe darauf gewartet habe, be- oder entladen zu werden. Die Anzahl der im Hafen festsitzenden Container soll sogar höher als während der sechstägigen Sperrung des Suezkanals Ende April gewesen sein. Jetzt spitzt sich die Lage zu. Bei der weltweit führenden Containerlinie Maersk steigt die ohnehin bestehende Lieferverzögerung durch den Containerstau jetzt von 14 auf 16 Tage.

Mega-Stau vor chinesischem Hafen: Lieferketten sollen bis Ende des Jahres darunter leiden

Inzwischen soll sich Lage in Guangdong zwar wieder normalisieren, doch der Rückstau dürfte noch wochenlang Auswirkungen auf die weltweiten Lieferketten haben. Van der Schalk erwartet sogar noch länger andauernde Probleme: „Wir gehen davon aus, dass die Lieferketten noch bis Ende des Jahres so angespannt bleiben. Das Prinzip Just-In-Time hat ausgedient.“ 

Das merken auch die Verbraucher in Deutschland. Denn die Container-Frachtpreise steigen stark an. Letztendlich werden die Verbraucher diese gestiegenen Kosten über höhere Preise zahlen. Oder sie müssen auf Produkte warten, vor allem auf Elektroartikel. Denn rund 90 Prozent aller Elektronikexporte aus China laufen über Shenzhen und damit den Hafen Yantian. 

Wegen eines Corona-Ausbruchs haben chinesische Behörden den Hafen von Yantian plötzlich dicht gemacht

Die sich zuspitzenden Lieferengpässe gefährden aber auch den Aufschwung der deutschen Wirtschaft. „Es muss unbedingt vermieden werden, durch künstliche Engpässe der Transportkapazitäten in den maritimen Lieferketten den Hochlauf der Industrie ins Stottern zu bringen“, heißt es in einem Brief der deutschen Industrie an die Bundesregierung.

Mega-Stau vor chinesischem Hafen: Aufschwung in den USA vergrößert Lieferengpässe

Doch der Corona-Ausbruch in Guangdong ist nicht allein für die Probleme in Deutschland und Europa verantwortlich. Denn befeuert werden die Engpässe auch durch die hohen Exportzahlen Chinas und den stark steigenden Konsum in den USA. Die Transportmöglichkeiten, die für die US-Importe aus Fernost benötigt werden, fehlen auf den Strecken zwischen China und Europa.

Auch ein hausgemachtes Problem der Reedereien spielt mit hinein. Die länger werdenden Umladezeiten in den Häfen selbst bremsen den Verkehr. Grund ist, dass die Schiffe immer größer werden. Mittlerweile sind Frachter mit knapp 24.000 Containerstellplätzen unterwegs, die innerhalb kürzester Zeit riesige Umschlagsmengen in den Häfen verursachen. Bis diese abgearbeitet sind, wird einige Zeit vergehen.

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