Die EU hatte eine dauerhafte Ausnahme von den Strafzöllen gefordert - vergeblich. Foto: Jochen Lübke
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Die EU hatte eine dauerhafte Ausnahme von den Strafzöllen gefordert - vergeblich. Foto: Jochen Lübke
Ein Arbeiter prüft in Duisburg die Stahlqualität nach dem Abstich. Foto: Roland Weihrauch
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Ein Arbeiter prüft in Duisburg die Stahlqualität nach dem Abstich. Foto: Roland Weihrauch
Hafen in Oakland: Unternehmen aus den EU-Ländern müssen künftig Strafzölle auf Exporte von Stahl und Aluminium in die USA zahlen. Foto: Ben Margot/AP
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Hafen in Oakland: Unternehmen aus den EU-Ländern müssen künftig Strafzölle auf Exporte von Stahl und Aluminium in die USA zahlen. Foto: Ben Margot/AP
In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass die US-Regierung auch die Verhängung von Einfuhrzöllen auf Autos prüft. Foto: Ingo Wagner
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In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass die US-Regierung auch die Verhängung von Einfuhrzöllen auf Autos prüft. Foto: Ingo Wagner
Auch die Motorräder von Harley Davidson könnten von der EU mit Strafzöllen belegt werden. Foto: Daniel Reinhardt
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Auch die Motorräder von Harley Davidson könnten von der EU mit Strafzöllen belegt werden. Foto: Daniel Reinhardt
Die Brennerei von Jack Daniel&#39s in Lynchburg: Amerikanischer Whiskey steht auch auf der Strafzoll-Liste der EU. Foto: Kyle Dean Reinford
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Die Brennerei von Jack Daniel's in Lynchburg: Amerikanischer Whiskey steht auch auf der Strafzoll-Liste der EU. Foto: Kyle Dean Reinford
Der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa geht in die entscheidende Phase: Am 1. Juni läuft die Frist für die Europäer aus, danach drohen Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Foto: Tannen Maury/EPA/Archiv
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Der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa geht in die entscheidende Phase: Am 1. Juni läuft die Frist für die Europäer aus, danach drohen Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Foto: Tannen Maury/EPA/Archiv

Brüssel kündigt Vergeltung an

US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus EU-Ländern kommen

Der Handelsstreit zwischen den USA und den Europäern droht trotz monatelanger Verhandlungen zu eskalieren. Die Trump-Regierung macht ernst und brummt Unternehmen aus der EU Strafzölle auf. Gleiches gilt für Mexiko und Kanada. Brüssel kündigt eine baldige Antwort an.

Washington (dpa) - Nach zwei Schonfristen macht Donald Trump im Handelskonflikt mit Europa ernst: Die USA verhängen Strafzölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium aus der Europäischen Union sowie aus Mexiko und Kanada.

Trump veröffentlichte am Donnerstag eine entsprechende Proklamation. Die Zölle gelten ab Freitag, 1. Juni.

Die EU wird darauf mit Vergeltungszöllen reagieren. Wie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker umgehend angekündigte, wird zudem Klage bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht. "Die USA lassen uns keine andere Wahl", kommentierte er. "Das ist ein schlechter Tag für den Welthandel." Die Bundesregierung nannte die Entscheidung der USA rechtswidrig und warnte vor einer Eskalation.

US-Handelsminister Wilbur Ross schlug die Tür für weitere Verhandlungen jedoch nicht völlig zu. "Wir freuen uns darauf, die Verhandlungen mit Mexiko und Kanada einerseits, und mit der Europäischen Kommission auf der anderen Seite fortzuführen", sagte Ross. Es gebe weitere Probleme zu lösen.

Die Europäer hatten seit Monaten mit Washington über die angekündigten Zölle von 25 Prozent auf Einfuhren von Stahlprodukten und zehn Prozent auf Aluminium gestritten. Die EU wollte sich nicht erpressen lassen und verlangte, von den Zöllen bedingungslos und unbefristet ausgenommen zu werden. Erst dann sollte über mögliche Handelserleichterungen für die US-Wirtschaft gesprochen werden. Dazu sagte Ross: "Wir waren nicht bereit, diese Bedingung zu erfüllen."

Die USA hatten als Alternative für die Zölle Ausfuhrobergrenzen zur Debatte gestellt. Dies hätte laut US-Handelsministerium den gleichen Effekt auf die angestrebte höhere Auslastung der US-Stahlindustrie wie die Strafzölle. Solche Regelungen seien etwa mit Australien, Südkorea sowie Argentinien und Brasilien getroffen worden, die ebenfalls von den Zöllen vorübergehend ausgenommen waren. Für den Rest der Welt gelten die Zölle bereits seit dem 23. März.

In Europa war bis zuletzt um einen Kompromiss gerungen worden. Doch auch ein Krisengespräch zwischen EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und Ross am Rande einer OECD-Konferenz in Paris brachte keinen Durchbruch.

EU-Kommissionspräsident Juncker sagte, die EU sei weiter der Auffassung, die Zölle seien nicht gerechtfertigt und verstießen gegen die Regeln der Welthandelsorganisation. "Dies ist Protektionismus, klar und einfach", sagte Juncker. Die EU habe deutlich gemacht, dass sie nicht verhandeln wird, solange sie bedroht wird. Die USA spielten in die Hände derer, die für die Überkapazitäten auf den weltweiten Stahlmärkten verantwortlich sind, sagte Juncker, ohne China namentlich zu erwähnen. Ross hatte erklärt, China sei nicht der einzige Verantwortliche für Überkapazitäten. Die USA kaufen den meisten Stahl vom Nachbarn Kanada.

Brüssel hatte zugleich angekündigt, auf die US-Entscheidung zu reagieren und ihrerseits Zölle auf US-Produkte wie Motorräder, Whiskey oder Jeans zu erheben. Trump brachte daraufhin Einfuhrzölle von bis zu 25 Prozent auf Autos ins Spiel. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hatte noch am Donnerstag bekräftigt, es werde eine starke Antwort der EU geben. Ross warnte die Europäer dagegen vor einer Eskalation, falls sie mit Vergeltungszöllen antworten.

"Die Bundesregierung lehnt die von den USA verhängten Zölle auf Stahl und Aluminium ab", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. "Wir halten diese einseitige Maßnahme für rechtswidrig, die angeführten Gründe der nationalen Sicherheit tragen nicht. Die Maßnahme birgt vielmehr die Gefahr von Eskalationsspiralen, die im Ergebnis allen schaden."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kündigte eine deutliche Reaktion an. Die Europäische Union werde nun gemeinsam und entschlossen handeln, dies schließe mögliche Gegenmaßnahmen mit ein, sagte der CDU-Politiker. "Wir hoffen, dass die klare und deutliche Reaktion der Europäischen Union auf allen Seiten dazu führt, dass sich Vernunft und Sachlichkeit durchsetzen."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat nach der Zoll-Entscheidung eine geschlossene Reaktion der Europäer gefordert. "Jetzt gilt es, den Schaden in Grenzen zu halten - und europäische Geschlossenheit zu zeigen. Im Zweifel sind Gegenmaßnahmen nötig, um die EU-Position zu stärken", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Beim Bundesverband der Deutschen Industrie hieß es, Trump riskiere einen Rückschlag der transatlantischen Partnerschaft um viele Jahrzehnte. "Sein kompromissloses Vorgehen ist kurzsichtig und selbstzerstörerisch", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf.

Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Zollentscheidung hatte auch Mexiko mit der Ankündigung von Vergeltungszöllen reagiert. Diese sollen unter anderem für Flachstahl, Leuchten, diverse Fleisch- und Käseprodukte sowie Äpfel, Trauben und Blaubeeren gelten. Dass die USA die nationale Sicherheit für ihre Zollpolitik ins Feld führten, sei nicht angemessen, hieß es vom mexikanischen Wirtschaftsministerium.

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