Finanzen

Was sich durch die Hochzeit ändert

München - Wenn die Hochzeitsglocken läuten, ist es für viele der schönste Moment im Leben. An Geld denkt erst einmal niemand. Doch ist die Torte aufgegessen und der Smoking wieder im Schrank verstaut, sollte sich das frischgebackene Ehepaar bald auch den Finanzen widmen.

Ob Steuer, Versicherungen oder Altersvorsorge – Verheiratete können in Deutschland einiges sparen. Menschen, die in einer Lebenspartnerschaft zusammenleben, haben es schwerer. Für sie gibt es zum Beispiel keinen Anspruch auf steuerliche Vorteile. Versicherungsgesellschaften behandeln Lebenspartnerschaften aber im Regelfall genauso wie eine Ehe.

Eine Police wird überflüssig

Zieht ein Paar – verheiratet oder nicht – in eine gemeinsame Wohnung und beide haben eine private Haftpflichtversicherung, können sie diese zusammenlegen. Gemäß Versicherungsvertragsgesetz (VVG) kann der Partner, der seinen Vertrag zuletzt abgeschlossen hat, diesen wegen Doppelversicherung ohne Kündigungsfrist auflösen. Ein formloses Schreiben mit einer Kopie des älteren Versicherungsscheins genügt.

Bei der Hausratversicherung dagegen ändert sich erst einmal nichts. Denn ziehen sie und er zusammen, bringt ja jeder seine eigene Habe mit. Der Versicherung muss die neue Anschrift mitgeteilt werden. Eine gemeinsame Police ist laut Hajo Köster vom Bund der Versicherten aus Gründen der Übersicht aber einfacher. „Man sollte in jedem Fall alle zwei Jahre einen Versicherungs-Check machen, nicht nur bei der Hausrat-, sondern auch bei allen anderen Versicherungen“, empfiehlt Köster. Denn liegt eine Unterversicherung vor, zahlt die Gesellschaft im Schadensfall unter Umständen weniger. Und: „Eine Quadratmeterpauschale ist eine Notlösung, von der meist nur die Versicherer profitieren“, so der Experte.

Familienpolice lohnt sich oft nicht

Der Abschluss einer Risiko-Lebensversicherung kann sinnvoll sein, um den Partner finanziell abzusichern. Umso mehr gilt das, wenn Kinder geplant sind oder ein Kredit für eine gemeinsame Immobilie aufgenommen wurde.

Eine Familienpolice bei der Unfallversicherung lohnt sich laut dem Versicherungsexperten übrigens nicht – im Gegenteil. „Ein Familientarif ist meist sogar teurer als Einzelpolicen“, sagt Köster.

Im Fall der Rechtsschutzversicherung gelten die gleichen Bedingungen wie bei der Privathaftpflicht. Der jeweils jüngere Vertrag kann sofort aufgelöst werden.

Achtung beim Kinderwunsch

Sind Kinder geplant, rät der Bund der Versicherten zur Vorsicht bei der Wahl der Krankenkasse. „Lieber gesetzlich versichern und bei Bedarf Zusatzversicherungen abschließen“, sagt der Experte. Denn hört ein Partner nach der Geburt eines Kindes zu arbeiten auf, wird er – im Unterschied zur gesetzlichen Krankenversicherung – nicht automatisch in der privaten Krankenversicherung des Ehegatten mitversichert. Der nicht-arbeitende Partner muss sich dann selbst entweder privat oder freiwillig in der gesetzlichen Kasse versichern – auch die Kinder. Und das kann richtig teuer werden. „Wir hatten schon Paare, die zusammen 1600 Euro im Monat allein für die Krankenversicherung zahlen mussten – eine Riesen-Belastung“, sagt Köster.

Die richtige Steuerklasse

Verheiratete Paare profitieren in Deutschland vom sogenannten Ehegatten-Splitting. Dabei wird das zu versteuernde Einkommen des Ehepaares bei der Steuerberechnung addiert und zu gleichen Teilen auf beide Partner verteilt. Verdienen beide zusammen also 60 000 Euro im Jahr, wird zunächst die Steuer für ein Einkommen von 30 000 Euro berechnet. Diese wird dann verdoppelt und ergibt die ans Finanzamt zu zahlende Summe. Am meisten profitieren Paare, bei denen der Verdienst eines Partners deutlich höher ist als der des anderen. Übrigens: Wer sich bis zum 31. Dezember standesamtlich trauen lässt, kann noch für das ganze Kalenderjahr Ehegattensplitting in Anspruch nehmen. Eine kirchliche Trauung genügt allerdings nicht.

Wichtig ist auch die Wahl der Steuerklasse. Unternehmen die Frischvermählten nichts, landen sie erst einmal beide in Steuerklasse IV (entspricht der Steuerklasse I bei Alleinstehenden). Möglich ist auch die Kombination IV/IV mit Faktor. Dabei wird die Besteuerung vom jeweiligen Anteil am Familieneinkommen abhängig gemacht. Wer also nur 20 Prozent zum gemeinsamen Einkommen beiträgt, muss auch nur 20 Prozent der anfallenden Lohnsteuer zahlen. Welcher Faktor in einem bestimmten Fall gilt, weiß das jeweilige Finanzamt. Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere – die Faustregel gilt ab 60:40 –, kann es sich lohnen, für den einen die Steuerklasse III, für den anderen die „schlechtere“ Steuerklasse V zu wählen. In diesem Fall ist eine Einkommenssteuererklärung im nächsten Jahr verpflichtend. Die Wahl der Steuerklassen wirkt sich jedoch nur auf das monatliche Nettoeinkommen aus. Verheiratete bekommen die zu viel gezahlte Lohnsteuer in jedem Fall spätestens mit der Steuererklärung zurück. Aber Vorsicht: Viele Lohnersatzleistungen werden über das Nettoeinkommen berechnet. Wer also in absehbarer Zeit Elterngeld beantragen möchte, sollte sich mindestens sieben Monate vor der Geburt über einen Wechsel der Steuerklasse Gedanken machen. Die Steuerklasse kann nur einmal im Jahr geändert werden. Bis zum 30. November muss der Antrag für das Folgejahr gestellt werden.

Gemeinsam riestern

Auch für die private Altersvorsorge eröffnet die Ehe zusätzliche Möglichkeiten. War einer der Ehepartner bisher nicht zulageberechtigt, weil er keine Sozialversicherungsbeiträge zahlt, kann er durch die Heirat einen Anspruch auf Riester-Förderung erwerben. Voraussetzung ist aber, dass mindestens ein Partner bereits einen Riester-Vertrag hat. Heiratet also eine Studentin einen Angestellten, der bereits riestert, darf sie die Förderung beantragen. Sie muss aber mindestens 60 Euro pro Jahr investieren. Im Falle der Scheidung entfällt der Anspruch wieder. Zulageberechtigte Sparer können zwei Jahre lang rückwirkend einen Antrag auf Riester-Förderung stellen. Wer für das Jahr 2010 also noch keine Förderung beantragt hat, sollte dies bis zum 31. Dezember unbedingt noch nachholen.

Von Daniela Beer

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