"Es hat sich etwas getan": Weltbank verteilt an Deutschland gute Noten

- München - Platz 19, Deutschland also abgeschlagen. Das war der erste Eindruck, den die Weltbank-Studie "Doing Business in 2006" vermittelte. Sieht man genauer hin, wird Deutschland diesmal ein erstaunlich gutes Zeugnis ausgestellt.

Denn erstmals hat es die Bundesrepublik in der Rangfolge unter die ersten 20 Länder gebracht und angebliche Musterländer wie Österreich (Platz 32) oder die Niederlande (Platz 24) deutlich hinter sich gelassen. Auf den ersten drei Plätzen liegen Neuseeland, Singapur und die Vereinigten Staaten.

Von den großen Ländern Europas liegt nur noch Großbritannien (Platz 9) vor Deutschland. Wie bereits in den letzten Jahren sind die skandinavischen Länder Norwegen (Platz 5), Dänemark (Platz 8), Island (Platz 12), Finnland (Platz 13) und Schweden (Platz 14) sowie Irland (Platz 11), Litauen (Platz 15), Estland (Platz 16), die Schweiz (Platz 17) und Belgien (Platz 18) besser positioniert. Frankreich (Platz 44) und Italien (Platz 70) sind abgeschlagen.

"Es hat sich einfach etwas getan in Deutschland - insbesondere auf dem Arbeitsmarkt", sagte Weltbank-Vizepräsident Michael Klein dem "Handelsblatt".

Wenn es um Reformfreudigkeit geht, kommt Deutschland auf Platz 5, hinter Serbien-Montenegro, Georgien, Vietnam und der Slowakei, also Ländern, bei denen der Aufholbedarf nach langjähriger kommunistischer Herrschaft ungleich größer ist. Deutschland habe in mehr Bereichen tief greifende Reformen durchgeführt als die meisten anderen Länder, lobte Klein.

In der Disziplin "Grenzüberschreitende Geschäfte" liegt Deutschland sogar auf Platz 3 hinter Dänemark und Schweden.

Schlechte Noten allerdings gibt es nach wie vor im Fach "Hiring and Firing" (Einstellen und Entlassen). Hier liegt Deutschland unter anderem wegen des strengen Kündigungsschutzes auf Platz 131. In der Unterrubrik "Arbeitszeitvorschriften" führten die Beschränkung von Nacht- und Sonntagsarbeit, das Verbot von Arbeitszeiten von mehr als zwölf Stunden am Tag und über 21 Tage bezahlter Urlaub zur zweitschlechtesten möglichen Note. In diesen Bereichen mahnte Klein weitere Reformschritte an. Deutschland dürfe sich nicht mit Platz 19 zufrieden geben. Auch dass ein Unternehmen im Durchschnitt 68,8 Wochenlöhne zahlen muss, wenn es einen Mitarbeiter nach 20 Jahren loswerden will, findet vor den Augen der Weltbank-Jury keine Gnade.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement empfand die Untersuchung als "Bestätigung und Ansporn zugleich". Das mit dem Ansporn allerdings könnte ein zweischneidiges Schwert sein. Denn die Forderungen der Weltbank etwa im Bereich von Kündigungsschutz und Arbeitszeiten gehen selbst weit über die Forderungen der Opposition hinaus.

Noch in einer zweiten Studie der Weltbank kommt Deutschland überraschend gut weg: In "Wo ist der Reichtum der Nationen" liegt Deutschland mit einem Pro-Kopf-Reichtum von 404 447 Euro auf dem fünften Platz.

Nur die Schweiz (527 000 Euro), Dänemark, Schweden und die USA sind reicher als Deutschland. Auf den Plätzen folgen Japan, Österreich, Norwegen, Frankreich, Belgien und Luxemburg. Bei dieser Studie ist Geld nur ein Teil des Reichtums. Eingerechnet sind auch Naturressourcen wie Fischbestände, Wälder, Bodenschätze und Energievorkommen, die allerdings bei der Schweiz und Deutschland nur ein Prozent des Reichtums ausmachen. Außerdem werden eingerechnet: Bildung, Regierungsführung und Behördenqualität. Dieses immaterielle Kapital stellt in den reichen Ländern mehr als 80 Prozent des Reichtums.

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