Wer sich zur Rente ein Zubrot verdient, wird künftig bestraft

- München - Rentner müssen künftig ihre Altersbezüge versteuern. Dafür werden die Rentenbeiträge ab 2005 schrittweise von der Steuer befreit. Dies hat der Bundesrat nach zähen Verhandlungen beschlossen. Doch was bedeutet das neue Alterseinkünftegesetz für Rentner und Arbeitnehmer?

<P>Mit dem Gesetz reagiert die Bundesregierung auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Die Karlsruher Richter hatten im März 2002 entschieden, dass Pensionäre steuerlich nicht schlechter gestellt werden dürfen als Rentner. Pensionäre müssen ihre Altersbezüge bereits jetzt voll versteuern, Rentner dagegen nur den so genannten Ertragsanteil. Dieser hängt vom Renteneintrittsalter ab. Geht jemand mit 60 Jahren in den Ruhestand, liegt der Anteil bei 32 Prozent, bei 65 Jahren bei 27 Prozent. Meist war der abgabenpflichtige Teil allerdings so gering, dass nur wenige Rentner Steuern zahlen mussten.<BR><BR>Übergangsfrist bis 2040</P><P>Mit dem neuen Alterseinkünftegesetz vollzieht die Regierung einen radikalen Systemwechsel. Künftig gilt die so genannte "nachgelagerte Besteuerung". Das bedeutet: Geld, das für das Alter gespart wird, ist steuerfrei - Geld, das im Alter ausgezahlt wird, ist steuerpflichtig. Um soziale Härten zu vermeiden, wird das neue System schrittweise über einen Zeitraum von 35 Jahren eingeführt.<BR><BR>Änderungen für Rentner</P><P>Neu ist, dass alle gesetzlichen Renten ab 2005 zu 50 Prozent der Besteuerung unterliegen. Das gilt sowohl für alle heutigen Rentner als auch für diejenigen, die 2005 aufhören zu arbeiten. Der steuerpflichtige Anteil steigt jedes Jahr um zwei Prozentpunkte, ab 2020 um einen. 2040 unterliegen alle Renten schließlich der vollen Steuerpflicht. Wichtig: Der nach den neuen Vorschriften ermittelte steuerfreie Teil der Rente bleibt für die gesamte Rentenzeit konstant. Wer also derzeit 1500 Euro Rente bekommt, hat künftig 50 Prozent, also 750 Euro, steuerfrei. Erhöht sich die Rente im Jahr 2020 auf beispielsweise 2500 Euro, sind dann 1750 Euro steuerpflichtig (2500 minus 750 Euro). Grundsätzlich sind Renten bis etwa 18 900 Euro im Jahr für Alleinstehende steuerfrei. Bei Verheirateten gilt der doppelte Betrag.<BR><BR>Arbeitnehmer</P><P>Beitragszahler dürfen nach der Neuregelung immer stärker ihre Rücklagen für das Alter von der Steuer absetzen. Maximal können 20 000 Euro im Jahr geltend gemacht werden. Dies gilt zunächst jedoch nur für 60 Prozent der Rentenbeiträge (im Jahr 2005 also maximal 12 000 Euro). Der Prozentsatz steigt allerdings ab 2006 jährlich um zwei Prozentpunkte bis 2025 die Beiträge komplett steuerfrei sind.<BR><BR>Lebensversicherung</P><P>Das Steuerprivileg für Kapital-Lebensversicherungen (Sonderausgabenabzug, Steuerfreiheit der Erträge bei längerer Laufzeit) wird für Neuverträge abgeschafft. Erträge von Kapital-Lebensversicherungen werden künftig zur Hälfte besteuert. Dieses Rest-Privileg betrifft Verträge ab 12 Jahren Laufzeit und bei Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr.<BR><BR>Nachteile</P><P>Aufgrund der Freibeträge sind nach Angaben des Bundesfinanzministeriums drei Viertel der Rentner auch weiterhin steuerfrei. Was Hans Eichel jedoch gerne verschweigt: Bisher mussten rund 80 Prozent der Rentner nichts an den Fiskus überweisen. Trotzdem spricht das Finanzministerium insgesamt von einem Steuersenkungsprogramm, das die Bürger im nächsten Jahr um etwa eine Milliarde Euro entlastet.<BR><BR>Teurer wird es vor allem für Rentner, die sich ihre Altersbezüge durch Mieteinnahmen, Betriebsrente und Nebenjobs aufbessern. Außerdem: Der Freibetrag, den jeder Rentnerjahrgang bekommt, ist kein Prozentsatz, sondern ein fixer Betrag. Durch künftige Rentenerhöhungen müssen also künftig immer mehr Ruheständler Steuern zahlen.</P><P><BR> </P>

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