Sicherheit ist allein Verhandlungssache

Paare ohne Trauschein: - Warum heiraten? fragen sich viele. Verheiratete werden rechtlich oftmals anders behandelt als ein Paar ohne Trauschein: Wir haben zusammengetragen, was man als nicht verheiratetes Paar beachten muss.

Eine Wohnung

Die gemeinsame Mietwohnung ist mittlerweile kein Problem mehr. Anders als früher wird ein Mietvertrag mit einem unverheirateten Paar nicht mehr als sittenwidrig angesehen. Hat ein Vermieter trotzdem etwas dagegen, dass die Freundin oder der Freund mit in die Wohnung zieht, so ist die Erlaubnis gerichtlich einklagbar.

Sucht sich ein Paar eine gemeinsame Wohnung, ist es sinnvoll, den Mietvertrag gemeinsam abzuschließen. Somit haben beide ein eigenes Besitzrecht an der Wohnung. Ist dagegen nur einer als Mieter eingetragen, so kann er bei einer Trennung seinen Partner einfach vor die Tür setzen. Zieht ein Partner aus, so bleibt er dem Mietvertrag zwar verpflichtet und müsste weiter jeden Monat zahlen. Er kann aber von seinem ehemaligen Partner eine Kündigung des Vertrages verlangen.

Zusammen arbeiten

Oftmals wohnt man nicht nur zusammen, sondern arbeitet auch gemeinsam. Oft kümmert sich der finanziell schwächer Gestellte, um den Haushalt. Derjenige, der dem Partner "den Rücken frei hält", sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese Leistung nach einer Trennung nicht berücksichtigt wird. Hilfe beim Weg zurück ins Berufsleben oder eine angemessene Altersversorgung gibt es nicht automatisch.

Arbeitet ein Partner im Betrieb des anderen mit, existiert ein Arbeitsverhältnis. Doch auch dabei gilt: Der sicherste Weg, eigene Interessen zu wahren, ist ein ausdrücklicher Arbeitsvertrag mit allen arbeits-, sozial- und steuerrechtlichen Folgen.

Gemeinsame Kinder

Bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften wird nicht von Gesetz wegen davon ausgegangen, dass der Partner der Mutter auch gleich der Vater des Kindes ist. Erst durch eine Vaterschaftsanerkennung wird dieses unterhalts- und erbberechtigt. Gerade wenn die Beziehung der Eltern kriselt, ist es für die Mutter sinnvoll, sich die Vaterschaft formell bescheinigen zu lassen. Dies kann beim Jugendamt, Standesamt oder beim Notar geschehen. Ist der Vater erst einmal über alle Berge, muss sie die Kosten für das gemeinsame Kind alleine tragen.

Die Sorgeerklärung dagegen ist vor allem für den Vater wichtig. Gibt er sie nicht ab, entscheidet die Mutter. Nur sie ist berechtigt, das Kind zu vertreten und in den Angelegenheiten des Kindes zu entscheiden. Will ein Vater auch seine Rolle dauerhaft absichern, sollte er beim Standesamt die Sorgeerklärung anerkennen lassen.

Nach dem Bruch

Hat ein Paar keine gemeinsamen Kinder, so bestehen zwischen den Partnern keine Unterhaltsansprüche. Kommt es zur Trennung, so sind selbst langjährige Krankenpflege oder Haushaltsführung ohne Bedeutung. Deshalb sollten unverheiratete Paare für die Zeit danach durch einen entsprechenden Vertrag vorsorgen.

Das Recht zu erben

Partner einer Lebensgemeinschaft sind keine gesetzlichen Erben. Nur über ein Testament oder einen Erbvertrag kann ein Partner eingesetzt werden, der dann aber den Pflichtteil von 50 Prozent an die gesetzlichen Erben auszahlen muss. Kaum Möglichkeiten gibt es, der Erbschafts- oder Schenkungssteuer zu entkommen. Während zwischen Eheleuten (im Privatvermögen) ein Freibetrag von 307 000 Euro in den meisten Fällen für steuerliche Verschonung sorgt, schlägt der Fiskus bei nicht verheirateten Paaren schon ab 5200 Euro zu. Bei 307 000 Euro will der Staat von Unverheirateten im Schenkungs- oder Erbfall bereits fast 30 Prozent. Zehn Jahre nach einer Schenkung kann der Freibetrag erneut in Anspruch genommen werden. Steuervorteile bei der Übergabe für Betriebsvermögen können auch von nicht verheirateten Paaren genutzt werden.

Risiken absichern

Nur wenn ein Ring am Finger steckt, kann man von der Hinterbliebenenversorgung der gesetzlichen Rentenversicherung profitieren, in einer gesetzlichen Krankenversicherung umfasst die "Familienversicherung" nur Ehegatten, nicht aber Partner. Es gibt jedoch die Möglichkeit, den Partner durch eine Risiko-Lebensversicherung abzusichern. Die Summe wird, wenn dies vereinbart wurde, an den Partner ausbezahlt.

Bei der Privathaftpflicht- als auch bei der Rechtsschutzversicherung kann der Partner kostenlos mitversichert werden, wenn beide in einer gemeinsamen Wohnung leben.

Vollmachten

In vielen Bereichen ist es wichtig, sich gegenseitig Vollmachten zu übertragen. Liegt der Lebenspartner etwa nach einem Unfall im Krankenhaus, so werden Ehegatten informiert, Nicht-Verheiratete erhalten keine Auskunft und sind nicht berechtigt, Entscheidungen zu treffen. Deshalb ist es sinnvoll, beim Notar eine Vorsorgevollmacht errichten zu lassen. Wer im Auftrag des Partners Rechtsgeschäfte abschließen will, braucht dazu eine Einzel- oder Generalvollmacht.

Wem gehört was?

Liegt kein Trauschein vor, so existiert rechtlich auch kein gemeinschaftliches Eigentum. Bei jedem Gegenstand muss im Fall einer Trennung der Eigentümer ausfindig gemacht werden. Die Beweisführung fällt äußerst schwierig aus. Es ist daher sinnvoll, die in einer Partnerschaft erworbenen Gegenstände danach aufzulisten, wem sie gehören. Bei gemeinsamen Autos oder Immobilien hat nur der eingeschriebene Eigentümer Anspruch darauf.

Wo es Hilfen gibt

Wer ein böses Erwachen vermeiden will, sollte bei einer Lebenspartnerschaft ohne Trauschein vor einem Berg von Formularen nicht zurückschrecken. Unter www.vertrag.de kann kostenlos ein Muster für einen Partnerschaftsvertrag heruntergeladen werden.

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