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Ein Crash-Test ist nach wenigen Sekunden vorbei. Die Vor- und Nachbereitung dagegen kann Wochen dauern.

Sicherheitstechnik: Neue Dummies vereinfachen den Crashtest

Neue Technik aus München erleichtert die Crashtests der Autoindustrie. Wo bisher Puppen mit bis zu 100 Kabeln aufwändig an Messeinrichtungen angestöpselt werden mussten, reicht künftig ein Kabel, wie es in jedem Computer eingesetzt wird.

Der ganze Vorgang dauert nur wenige Sekunden: Das auf den Schlitten befestigte Auto wird auf ein vorher festgelegtes Tempo beschleunigt und kracht dann mit ohrenbetäubendem Lärm gegen ein Hindernis. Das aber ist nur der spektakuläre Teil eines Crashtests. Denn unmittelbar nach dem Aufprall beginnt die langwierige und akribische Auswertung der Unfallschäden, die zu besseren und vor allem sichereren Autos führen soll.

Auch vor dem Unfall ist der Aufwand hoch. Da muss das Fahrzeug vorbereitet werden. Und oft dauert es allein einen Tag, bis die wichtigsten Akteure beim Test im Auto angeschnallt sind. Bis zu fünf „Crashtest-Dummies“ – so heißen die Figuren, die bei den simulierten Unfällen eingesetzt werden – müssen ihren Platz finden. Jede ist mit bis zu 100 Sensoren bestückt. Von jedem dieser Sensoren führt ein fünf Meter langes Kabel in den Kofferraum, der randvoll mit elektronischen Messgeräten bepackt ist. Das ist gewissermaßen das Zentralnervensystem der Dummies.

Und genau dieses soll nun in den Körper der Dummies wandern. Denn Miniaturisierung macht es möglich, die gesamten Messeinrichtungen um den Faktor 10 zu verkleinern. Und so wird auch das Einsteigen ins vorbereitete Unfallauto zu einer leichten Übung. Nur noch ein handelsübliches Computer-Datenkabel führt von jedem Dummy in den Kofferraum.

Die Dummies mit eingebautem Elektronengehirn sind eine Münchner Entwicklung – und gewissermaßen ein Nebenprodukt der Weltraumforschung. Aus entsprechenden Raketentests hat das Münchner Raumfahrtunternehmen Kayser-Threde mit den Dummies ein zweites Geschäftsfeld aufgebaut, das 2008 als KT Automotive zur eigenständigen Tochter wurde und nun mit 65 Prozent Anteil Weltmarktführer für das Innenleben der Puppen wurde, wie sie in der Auto-Unfallforschung eingesetzt werden.

Deren Technik ist in den vergangenen Jahrzehnten immer komplexer geworden. Ging es in den ersten Jahren der Unfallforschung mit Puppen noch darum, lebensgefährlichen Verletzungen vorzubeugen – also an Kopf, Nacken und Brustbereich –, rückten nach den Erfolgen in diesem Bereich auch mittelschwere und leichtere Verletzungen in den Mittelpunkt des Interesses. Sogar in den Zehen der Dummies befinden sich heute Sensoren, um festzustellen, was passiert, wenn der Fuß beim Unfall gegen ein Pedal geschleudert wird.

Aber das hat die Dummy-Technik immer aufwändiger gemacht und – weil die Verkleinerung der Elektronik mit der Ausweitung der Aufgaben nicht Schritt hielt – auch den Mess- und Verkabelungsaufwand. Hier macht Kayser-Threde jetzt einen großen Sprung nach vorn. Das spart nicht nur Zeit und Kosten, es macht die Tests auch zuverlässiger. Immer wieder kam es vor, dass der Kabelsalat für Verwirrung sorgte und am Ende zwei oder mehr Stecker in der falschen Buchse landeten – wodurch zumindest Teile des Crashtests nicht mehr sinnvoll ausgewertet werden konnten und wiederholt werden mussten.

Erstmals rüsten die Münchner nun bei Audi alle Puppen mit „Indummy-Messtechnik“ aus. Audi ist nun einer der ersten Autohersteller, die die neue, einfacher handhabbare Dummy-Generation zum Einsatz bringen. Die Ingolstädter haben, so KT Automotive-Chef Gerhard Haas, erkannt, dass die Umrüstung einen wesentlichen Beitrag für Effizienzsteigerungen bei Crashtests bringt. Haas ist sich sicher, dass die neuen Dummies sich auch bei anderen Herstellern nach und nach durchsetzen werden.

Von Martin Prem

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