VW sichert sich alleinige Mehrheit bei Scania

Wolfsburg/Stockholm - VW übernimmt das Steuer beim schwedischen Lastwagenkonzern Scania. Wie in Wolfsburg und Stockholm mitgeteilt wurde, zahlt der Wolfsburger Konzern den heimischen Anteilseignern aus der Wallenberg-Gruppe 2,9 Milliarden Euro für rund 30 Prozent der Stimmrechtsanteile.

Danach verfügt Volkswagen über 68,6 Prozent der Stimmrechtsanteile bei Scania. Der Kapitalanteil erhöht sich mit dem Zukauf von 20,89 auf 37,73 Prozent.

"Der Anteilserwerb unterstreicht die Bedeutung, die wir der Beteiligung an Scania zumessen", erklärte VW-Chef Martin Winterkorn. Er bekannte sich bei einer Pressekonferenz in Stockholm ausdrücklich auch zum Erhalt der schwedischen Marke: Scania solle als "eine der erfolgreichsten Marken der Welt in der Autoindustrie" ohne grundlegenden Änderungen "in absehbarer Zeit" weitergeführt werden.

Am Management von Scania und an den bisherigen Strukturen will VW zudem festhalten. Der bisherige Scania-Vorstandschef Leif Östling soll wie die gesamte Führungsspitze im Amt bleiben. Die Zentren für Forschung und Entwicklung am Stammsitz in Södertälje sollen ebenfalls erhalten werden. "Wir glauben an diese Firma und sind uns sicher, dass Scania sein profitables Wachstum fortsetzen wird", sagte der VW-Konzernchef. Und fügte hinzu: "Unsere Partnerschaft hat großes Potenzial."

Östling äußerte sich positiv zur Aufstockung des Scania-Anteils durch VW. "Ich begrüße Volkswagen jetzt als Mehrheitseigner", sagte Östling in Stockholm. Scania habe jetzt einen stabile Eignerstruktur. "Ich bin sehr erfreut darüber. Die Zeit der Spekulationen um die Scania-Eignerstruktur hat jetzt ein Ende. Das erleichtert die Arbeit des Managements." Die Zusammenarbeit mit VW wolle Scania nun ausbauen. "Wir werden gemeinsam eine gute Zukunft haben. Wir können Technologie jetzt noch offener teilen."

Eine Zusammenführung mit MAN steht nach den Worten von VW- Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch derzeit nicht auf der Tagesordnung. "Wir glauben weiter an das Potenzial einer Zusammenführung. Aber das ist jetzt nicht die Sache - weder heute oder in absehbarer Zukunft." VW strebt seit langem eine Lastwagen-Allianz mit MAN und Scania unter Einschluss des eigenen Geschäfts mit schweren LKW in Brasilien an.

Nach Angaben der Wallenberg-Finanzgesellschaft Investor hatte VW bereits seit dem vergangenen Jahr hinter den Kulissen intensiv über eine neue Struktur mit Stockholm verhandelt. Vorausgegangen war ein von der Wallenberg-Gruppe erfolgreich abgewehrter Übernahmeversuch bei Scania durch den deutschen Konkurrenten MAN. Hier ist Volkswagen ebenfalls größter Anteilseigner. MAN hält seinerseits rund 17 Prozent der Stimmrechtsanteile bei Scania.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gilt seit längerem als Befürworter einer Zusammenlegung von MAN und Scania einschließlich der brasilianischen Lkw-Sparte des eigenen Konzerns. Sowohl MAN wie Scania haben in den vergangenen Jahren mit hohen Gewinnmargen operiert und können mit weiterem massivem Wachstum auf dem Weltmarkt für Nutzfahrzeuge rechnen.

Investor erklärte, dass der Marktwert von Scania heute um 40 Prozent höher liege als das erste Übernahmeangebot durch MAN im September 2006. Aufsichtsratschef Jacob Wallenberg sagte, es sei nun "der richtige Zeitpunkt gekommen, die Eignerstruktur zu klären". VW habe sich seit dem Einstieg bei Scania vor acht Jahren als "kompetenter und verantwortungsbewusster industrieller Anteilseigner erwiesen".

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