Sieben-Meilen-Schritt zur Sanierung

- Essen - Aufatmen bei Karstadt-Quelle nach rund 29-stündigem Verhandlungsmarathon: Kurz nach 15 Uhr kann Unternehmenssprecher Jörg Howe endlich den Durchbruch bei den Gesprächen zwischen Management, Gewerkschaft und Arbeitnehmervertretern für ein Sanierungspaket zur Rettung des angeschlagenen Kaufhausriesen verkünden. Doch das nach zähem Ringen und durchwachten Nächten erzielte Ergebnis ist nur der Startpunkt auf einem langen Weg zur Gesundung des angeschlagenen Konzerns.

<P>"Wir haben mit Abschluss der Verhandlungen einen Sieben-Meilen-Schritt geschafft. Aber das ist nur der erste Schritt auf dem Weg zur Sanierung", sagte Konzernchef Christoph Achenbach. Immer noch fehlen wichtige Bausteine, um den von Achenbach geforderten "historischen Solidarpakt" zwischen Management, Belegschaft, Anteilseignern und Banken endgültig zu schmieden. Mit grünem Licht des Karstadt-Quelle-Aufsichtsrats können die Vorbereitungen für eine außerordentliche Hauptversammlung Ende November anlaufen, bei der die Anteilseigner ihre Zustimmung zu der geplanten Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro geben sollen.</P><P>Mit der nun erzielten Einigung steht jedoch nach Informationen aus Branchenkreisen auch die Einigung mit den Banken. Durch eine Verlängerung der auf 1,75 Milliarden Euro aufgestockten Kreditlinie auf drei Jahre soll der angeschlagene Konzern auch finanziell wieder in sicheres Fahrwasser gelangen.</P><P>Doch die Zeit drängt: Der ehrgeizige Plan des erst seit rund vier Monaten amtierenden Konzernchefs Achenbach soll noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Mit ihrem von der Konzernleitung offenbar nicht vorgesehenen, unerwartet heftigen Widerstand gegen das vor rund zwei Wochen vorgelegte größte Sanierungskonzept in der Konzerngeschichte hatten die Betriebsräte und die Gewerkschaft Verdi den ehrgeizigen Zeitplan in den vergangenen Tagen ins Wanken gebracht.</P><P>Mit Einsparungen von 760 Millionen Euro sollen die Arbeitnehmer nun einen kräftigen Beitrag zu der Sanierung leisten. In den kommenden drei Jahren sollen 5500 Stellen in dem Konzern wegfallen, wenn auch auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden soll. "Wir haben sehr schmerzhafte Einschnitte hinnehmen müssen", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Franziska Wiethold.</P><P>Neben der Belegschaft sollen auch Management und Führungskräfte ihren Beitrag durch Verzicht auf Gehaltsteile und sonstige Vergünstigungen leisten. Für die Jahre 2004 und 2005 sollen die Aktionäre bei der Dividende leer ausgehen.</P><P>Schon im kommenden Jahr will der Essener Handelsriese nach einem erwarteten Verlust vor Steuern von 160 bis 200 Millionen Euro wieder schwarze Zahlen schreiben. 2005 soll das Ergebnis auf 110 Millionen Euro ansteigen. Für das Folgejahr 2006 ist sogar ein kräftiges Plus auf 255 Millionen Euro vorgesehen. Neben den von Achenbach nicht zuletzt mit Blick auf seine Vorgänger beklagten "internen Problemen und Fehlentwicklungen" muss Karstadt-Quelle nun auch auf ein Wiederanziehen der Einzelhandelskonjunktur setzen.</P><P>Die Aktionäre des Handels-Konzerns zeigten sich schockiert: Nachdem das Papier im Laufe des gestrigen Nachmittags fast sieben Prozent auf 12,99 Euro gestiegen war, stürzte der Kurs nach Bekanntgabe der Einigung um fast sieben Prozent ab. Am Schluss notierte die Aktie bei 11,68 Euro und damit 3,87 Prozent im Minus.<BR></P>

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