Siegesfeier vor der Schlacht: A380 muss Erwartungen noch erfüllen

- Toulouse - Mit einem Feuerwerk aus Farben und Musik haben die vier Airbus-Länder in Toulouse nicht nur ein neues Verkehrsflugzeug präsentiert: Sie feierten die Eroberung des Himmels. Allerdings war es eine Siegesfeier vor der Schlacht. Denn ob der A380 die Erwartungen erfüllt, zum Arbeitspferd für die großen Fluggesellschaften und zum Goldesel für Airbus zu werden, muss sich erst noch zeigen.

Niemand weiß, wie sich der Riese wirklich in der Luft verhalten wird. "Wir haben mit den Flugtests und den Vibrationsversuchen weitere große Herausforderungen vor uns", sagte Airbus-Manager Gerard Blanc am Rande der A380-Vorstellung in Toulouse. Angesichts der Größe der Maschine lässt sich das Flugverhalten nicht völlig am Boden simulieren.<BR><BR>Auch über den Bedarf des Marktes gehen die Meinungen weit auseinander. Während Airbus in den kommenden 20 Jahren eine Nachfrage für 1250 Flugzeuge der A380-Klasse sieht, erwartet Boeing nur einen Bruchteil dieses Absatzes. Behält Airbus Recht, wird der A380 zum Goldesel, der mit einer inneren Rendite von 19 bis 20 Prozent doppelt so viel Ertrag abwirft wie der Rest der Airbus-Flotte. Trifft die Prognose des US-Konkurrenten Boeing zu, wird der Flugzeugriese ein Riesenflop, der auf die Bilanzen drückt.<BR><BR>Boeing kapitulierte vor dem Risiko und verzichtete nach jahrelanger Vorplanung auf eine Beteiligung an dem A380-Projekt. Die Entwicklung eines Konkurrenzmodells schien den Amerikanern erst recht selbstmörderisch. Doch seit mit Fed-Ex und UPS auch die beiden großen US-Logistiker den A380F zum Rückgrat ihrer Frachterflotte machen wollen, überlegt Boeing nun doch wieder, zumindest eine größere Version der 747 dagegen zu entwickeln.<BR><BR>Boeing steht stark unter Druck. Airbus hofft, mit dem A380 auch den Durchbruch in Japan zu schaffen, dem einzigen noch fast völlig von Boeing beherrschten Markt. Wenn die ersten A380 in Tokio landeten, würden die Passagiere mit ihrer Wahl die japanischen Fluggesellschaften dazu bringen, auch das Flugzeug zu bestellen, hofft man in Toulouse.<BR><BR>Bisher läuft es rund für den A380: Die Gewichtsprobleme, auf die Boeing unter der Hand gerne hinwies, sind behoben. Die Kunden kommen wie erhofft. Auch die Weltflughäfen auf allen Kontinenten werden entgegen den Unkenrufen aus Amerika rechtzeitig fit sein für den A380. "Man kann sich leicht vorstellen, wem diese falschen Gerüchte nutzen", sagte Airbus-Chef Noë¨l Forgeard der Pariser Finanzzeitung "La Tribune", bevor er siegessicher zur A380-Feier flog.<BR><BR><P> </P>

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