IKB sieht Ursachen der Krise behoben - Neuer Vorstand gesucht

Düsseldorf - Nach den milliardenschweren Rettungsaktionen für die angeschlagene Mittelstandsbank IKB und ihrem Verkauf an den US-Finanzinvestor Lone Star sieht der IKB-Vorstand die Bank auf einem guten Weg in die Zukunft. Die Stabilisierung und Neuausrichtung der IKB sei eine Basis für die weitere Entwicklung der Bank, sagte Vorstandschef Günther Bräunig am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Düsseldorf.

Die Ursachen der Krisen seien dauerhaft bewältigt. "Der erfolgreiche Abschluss des Verkaufs gibt der IKB als Mittelstandsbank in Deutschland eine zweite Chance", betonte Bräunig. Die IKB war durch Engagements im großen Stil in den Strudel der US- Immobilienkrise gerissen worden.

Durch das umfangreiche Maßnahmenpaket seien die außerbilanziellen wie auch die bilanziellen Ausfallrisiken komplett abgesichert worden, sagte der IKB-Chef weiter. Hierzu gehört vor allem die Kapitalerhöhung um 1,25 Milliarden Euro, die der traditionsreichen Bank durch die Zeichnung von Aktien durch ihren Noch- Hauptanteilseigner KfW zufließen werden. Die staatseigene Bankengruppe hatte in der vergangenen Woche ihren Anteil von gut 90 Prozent an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft.

Die Hauptversammlung billigte die Kapitalmaßnahmen mit Mehrheiten zwischen von 97 bis 98 Prozent. Auch die Entlastung Bräunigs und seiner amtierenden Vorstandskollegen erfolgte mit Mehrheiten von 99 Prozent. Der frühere Bankchef Stefan Ortseifen und weitere ehemalige Vorstandsmitglieder wurden nicht entlastet. Mit ihnen befindet sich die IKB in einem Rechtsstreit unter anderem über die fristlose Kündigung, die nach dem Debakel durch die Immobilienkrise ausgesprochen worden war. Die Entlastung des Aufsichtrats wurde vertagt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann hatte in einer früheren Hauptversammlung jede Verantwortung des Kontrollgremiums für das Milliardendesaster der Mittelstandsbank zurückgewiesen.

Voraussichtlich im Oktober soll die Transaktion nach Zustimmung durch die EU-Kommission und der Finanzaufsicht BaFin abgeschlossen werden. Bräunig erwartet eine positive Bewertung durch die Brüsseler Wettbewerbshüter. Zu möglichen Ausgleichsmaßnahmen wolle er keine Angaben machen. Theoretisch könnten dies der Verkauf von Tochterfirmen, die Veräußerung von Kreditportfolien oder anderer Aktiva sein. "Der erfolgreiche Abschluss des Verkaufs gibt der IKB als Mittelstandsbank in Deutschland eine zweite Chance", sagte Bräunig.

Der Vorstandschef, der im vergangenen Jahr nach der fristlosen Entlassung seines Vorgängers von der KfW zur IKB gekommen war, wird noch bis Mitte Oktober im Amt bleiben. Eine Personalagentur sei beauftragt worden, einen geeigneten Vorstand für die Bank zu finden, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Werner Oerter. Im vergangenen Jahr war die traditionsreiche Düsseldorfer Bank durch riskante Engagements auf dem US-Hypothekenmarkt in eine schwere Schieflage geraten. Nur durch eine konzertierte Rettungsaktion von KfW, Bund und Bankenwirtschaft wurde die Mittelstandsbank vor dem Zusammenbruch gerettet. Die Hilfsmaßnahmen zugunsten der IKB und die Absicherung von Risiken sollen ein Volumen von 9,8 Milliarden Euro betragen haben.

Die Übernahme der angeschlagenen Mittelstandsbank sei kein Schnäppchen gewesen, sagte der Deutschland-Chef von Lone Star Karsten von Köller dem "Handelsblatt" (Donnerstag). "Ich gestehe zu, das ist ein Widerspruch: Man steckt als KfW acht Milliarden Euro in die Bank, rettet sie damit, und dann bekommt man nur einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag." Die Vertragspartner hatten über die Höhe des Verkaufspreises Stillschweigen vereinbart. In Branchenkreisen wurde eine Summe zwischen 100 Millionen und 150 Millionen Euro genannt.

Man müsse sehen, dass diese Bank mit den Milliardenbeträgen gerade einmal notdürftig stabilisiert worden sei und in der IKB immer noch Risiken steckten, die Lone Star übernehme, sagte Köller weiter. Die Zukunft dieser Bank sei auch mit den Rettungsmaßnahmen nicht per se gesichert. Köller: "Das ist kein Schnäppchen, sonst würden wir doch nicht sagen, wir brauchen wahrscheinlich noch zwei Jahre, um die Bank nachhaltig in die Gewinnzone zu bringen."

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