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Joe Kaeser erklärte den Siemens-Konzernumbau in New York.

Kaeser: Stellen sollen nicht wegfallen

Siemens: 11.600 Stellen von Konzern-Umbau betroffen

München - Siemens-Chef Joe Kaeser baut seinen Konzern mächtig um. Weltweit rund 11.600 Stellen sind davon betroffen. Einfach wegfallen sollen sie nicht, sagt Kaeser.

Siemens-Chef Joe Kaeser verpasst dem schwerfälligen Giganten derzeit den radikalsten Umbau seit Jahren. Siemens soll schlanker und effizienter werden. Das wird Tausende Arbeitsplätze kosten. Darüber, wie viele am Ende wegfallen werden, herrscht noch keine Klarheit. Wohl aber darüber, wie viele Stellen vom Umbau betroffen sind. Weltweit sind es rund 11.600, sagt Kaeser nun - also gut 3 Prozent der rund 366.000 Arbeitsplätze im Elektrokonzern. Die Pläne für die neue Struktur hatte Kaeser Anfang Mai vorgestellt.

Der Manager will vor allem die Führungsstruktur ändern. Unterhalb des mächtigen Vorstands soll es künftig statt vier Sektoren mit insgesamt 16 Divisionen nur noch 9 Divisionen geben. Das von seinem glücklosen Vorgänger Peter Löscher geschaffene Organigramm verschwindet damit. Kaeser will das System flexibler machen und Bürokratie abbauen, die rasche Entscheidungen bisher eher verhindert denn beschleunigt.

In New York - auf einer Investorenkonferenz - hatte der Manager am Donnerstagnachmittag deutscher Zeit über den Umbau gesprochen. Und auch zumindest zwei Zahlen genannt. In den Sektoren gehe es weltweit um 7600, in der sogenannten Cluster-Organisation um 4000 Stellen. Daraus wurde in der Nacht die Meldung, Siemens plane den Abbau von 11.600 Stellen. Viele Medien übernahmen das, der Konzern brauchte eine Weile, um sich über eine angemessene Reaktion klar zu werden.

Kaeser selbst bemerkte den Aufruhr, den er unversehens entfesselt hatte, erst nach seiner Rückkehr. „Eben aus dem Flieger von New York ausgestiegen, überschüttet mich ein Sturm von Meldungen über einen angeblichen Stellenabbau von 11.600 Mitarbeitern bei Siemens“, schrieb er in einer E-Mail, die der dpa vorliegt, an die Mitarbeiter in Deutschland am Freitagnachmittag. Unruhe verbreite das und mache ihm Sorgen. „Das Wichtigste vorweg: Die Meldungen sind so nicht richtig beziehungsweise völlig falsch ausgelegt.“

Die Zahlen würden sich keineswegs zu einem Abbau-Programm addieren lassen, betonte Kaeser. Er habe die Daten genannt und „gleichzeitig ausdrücklich davon gesprochen, dass diese dann vorzugsweise in weiten Teilen anderweitig eingesetzt werden könnten“. Klar sei auch, dass es ohne Veränderungen nicht gehen werde. Auch dass der Umbau Stellen kostet, hat Kaeser nie bestritten. „Wer Bürokratieabbau fordert, der muss wissen, dass Bürokratie auch Gesichter hat“, hatte er bei der Vorstellung der Umbaupläne Anfang Mai gesagt.

Zu konkreten Zahlen schwieg er damals. Überhaupt hat das Gezerre um den französischen Rivalen Alstom in den vergangenen Wochen bei Siemens einiges verdeckt. Wie nun wieder deutlich zu Tage tritt, ist das Ringen mit dem US-Konkurrenten General Electric (GE) um die mögliche Übernahme von Alstom nicht das einzige Großprojekt.

Kaeser hat sich viel vorgenommen

Kaeser hat sich viel vorgenommen. Schneller soll Siemens werden, wieder näher an die Kunden heranrücken und dabei Entscheidungswege verkürzen. Der Tanker soll damit eher zu einem Schnellboot werden.

Das findet auch den Applaus der Arbeitnehmervertreter, die sich seit Jahren am Verwaltungsaufwand und an zu vielen Ebenen stören. Nicht so laut klatschen die Arbeitnehmer freilich bei den Folgen, die dieser Umbau haben wird, denn etliche Stellen werden überflüssig. Gegen Entlassungen wehren sie sich ohnehin, wie die IG Metall vor einer Woche auf einem bundesweiten Aktionstag lautstark klar machte, der an die Führung ein deutliches Signal in Sachen Jobabbau senden sollte.

Von den Berichten über die angeblichen Abbauzahlen sei man überrascht worden, sagt ein Sprecher der Gewerkschaft in Bayern: „Wir sind irritiert.“ Nachvollziehen könne man die Berechnung ohnehin nicht.

Es sei nun an Siemens, rasch den zuständigen Betriebsräten zu erklären, wie man zu den Zahlen komme und was das am Ende für einen möglichen Abbauplan bedeuten würde. Kaeser bekräftigte in seinem Schreiben, genau dies tun zu wollen: Alle konkreten Schritte würden zunächst mit den verantwortlichen Gremien besprochen.

Allerdings ist den Beteiligten klar, dass der Stellenabbau am Ende recht deutlich ausfallen wird. Insgesamt könne eine Spanne von 5000 bis 15.000 Stellen „angefasst“ werden müssen, hieß es stets. Doch das sagt über die Zahl der Streichungen erst einmal gar nichts aus.

Zudem sind für den Abbau viele Lösungen denkbar. Freiwerdende Stellen könnten unbesetzt bleiben, dazu kommen Altersteilzeit, Ver- und Umsetzungen bis hin zu Abfindungen oder dem Verkauf von Geschäften.

Darin hat Siemens Übung: Zuletzt kostete das Programm „Siemens 2014“ rund 15.000 Stellen. Trotzdem ging die Mitarbeiterzahl im Konzern zwischen 2012 und 2013 nur von 366.000 auf 362.000 um rund 4000 zurück, wie das Unternehmen am Freitag vorrechnete.

dpa

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