Siemens - Abbaupläne: "Uns hat es umgehauen"

München - Bislang konnte sich Siemens-Chef Peter Löscher des Wohlwollens der Arbeitnehmervertreter erfreuen. Jetzt wird das Verhältnis auf die Probe gestellt. Der Konzern wird heute den Abbau von 7000 Arbeitsplätzen bekannt geben.

Seit seinem Antritt im Sommer betont Peter Löscher gegenüber den Siemens-Beschäftigten: "Veränderungen werden in offenem, fairem, direktem Dialog mit der Arbeitnehmerseite erfolgen." Im Fall des Tochterunternehmens Siemens Enterprise Networks (SEN) - dem Rest der zerschlagenen Telekommunikationssparte des Konzerns - beginnt dieser heute. Was auf dem Spiel steht, ist allerdings schon durchgesickert: mindestens 7000 Arbeitsplätze.

Seit fast zwei Jahren besteht der Entschluss bei Siemens, SEN entweder ganz an einen Partner zu verkaufen oder das Geschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen einzubringen, an dem die Münchner nur einen Minderheitsanteil halten. Seit vergangenem Juli taucht SEN in der Bilanz als "nicht fortgeführte Aktivität" auf. Doch bis heute hat sich kein Partner gefunden, der das Geschäft übernimmt - auch wenn es im Unternehmen heißt, dass man mit mehreren Interessenten spreche. Nun plant Siemens einen massiven Abbau in der Sparte, wie Unternehmenskreise dieser Zeitung bestätigten. Dabei sollen weit mehr Arbeitsplätze gestrichen werden als bislang bekannt. In Deutschland sollen 2000 Stellen wegfallen, im Ausland weitere 2000, und zusätzlich 3000 sollen an Partner oder innerhalb des Siemens-Konzerns verschoben werden.

"Uns hat es alle umgehauen", sagte Michael Leppek, Siemens-Betreuer der IG Metall in München. Bislang habe man über 600 Arbeitsplätze in Deutschland gesprochen. Am vergangenen Donnerstag seien auf einer Betriebsversammlung am Münchner Standort Hofmannstraße ebenfalls noch keine derartigen Stellenabbau-Zahlen genannt worden. Neben etwa 1600 Beschäftigten dort seien rund 500 Mitarbeiter in Vertrieb und Service in Südbayern für SEN tätig. Bislang war vermutet worden, dass jeder dritte Beschäftigte von dem Abbau betroffen sein wird. "Es wird eher noch mehr Stellen treffen", befürchtet Leppek jetzt.

Die Sparte mit weltweit 17 500 Beschäftigten leidet unter strukturellen Problemen. Zu spät stellte sich Siemens auf den Markt ein, der weniger die Produktion von Geräten und mehr das Erstellen von Software fordert. Mit dem Stellenabbau könnte SEN nun für einen Partner attraktiver werden. "Siemens könnte die Reorganisation übernehmen und eine gesunde Einheit abgeben, statt eine kränkelnde Einheit in Hände zu geben, bei denen man nicht weiß, was sie damit machen", sagte Roland Pitz, Analyst der Unicredit. Als mögliche Partner sieht er weniger andere große Industrie-Unternehmen. Er hält es für wahrscheinlicher, dass SEN zunächst an einen Finanzinvestor abgegeben würde, der das Geschäft aufteilt und die Teile an mehrere mittlere Unternehmen weiterreicht.

Siemens will die Arbeitnehmervertreter heute über die Pläne informieren. Dort dürften diese unter die Lupe genommen werden. Dieter Scheitor, IG-Metall-Vertreter im Siemens-Aufsichtsrat, erklärte: "Wenn Siemens eine Lösung präsentiert, werden wir prüfen, ob sie der Maßgabe gerecht wird, dass es keinen zweiten Fall BenQ geben darf."

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