Siemens-Affäre: Ruf nach Konsequenzen wird lauter

- München - In der Siemens-Finanzaffäre wird der Ruf nach Konsequenzen lauter. "Da muss in jeder Hinsicht vertikal und horizontal eine vollständige Aufklärung erfolgen", sagte Rechtsanwältin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Freitag in München.

Der Konzern müsse nun neben der betroffenen Kommunikationssparte auch die anderen Geschäftsbereiche nach ähnlichen Vorfällen durchleuchten und sein gesamtes Kontrollsystem auf den Prüfstand stellen. "Die Affäre schadet dem Unternehmen." Auch aus dem Unternehmen selbst kamen Forderungen nach einer umfassenden Aufklärung.

Nach einer Großrazzia bei Siemens waren fünf Verdächtige verhaftet worden. Unter den insgesamt zwölf Verdächtigen befinden sich auch zwei hochrangige Siemens-Manager. Einer von ihnen ist nicht mehr bei dem Unternehmen, der andere derzeit Geschäftsführer bei einer Siemens-Tochter. Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass rund 20 Millionen Euro veruntreut wurden. Möglicherweise floss das Geld in schwarze Kassen im Ausland, aus denen Schmiergelder für Großprojekte finanziert wurden.

Es sei selbstverständlich, dass jetzt eine schonungslose Aufklärung erfolgen müsse, hieß es in Aufsichtsratskreisen. "Daran wird der Vorstand selbst ein Interesse haben." Geklärt werden müsse vor allem, ob es sich um Einzelfälle handle oder ob es Fehler im System gebe. "Die müsste man dann abstellen." Im Umfeld des Konzerns wurde betont, dass man derzeit noch von Einzelfällen ausgehen könne. Schließlich gehe es nur um gut eine Handvoll Verdächtige.

Allerdings sorgte vor allem für Unruhe im Unternehmen, dass auch zwei durchaus namhafte Führungskräfte auf der Liste der Verdächtigen stehen, einer von ihnen ist in Haft. "Man dachte bisher, dass die Führungsriege von Siemens integer ist", sagt Aktionärsschützerin Bergdolt. "Das muss man jetzt überdenken." Die Affäre treffe den Konzern zur Unzeit. "Die Führungsriege bei Siemens steht sowieso in einem schiefen Licht." Derzeit reihe sich bei dem Elektrokonzern eine schlechte Nachricht an die nächste.

Die Staatsanwaltschaft ist derweil mit der Auswertung der Unmengen von Akten und Datenmaterial beschäftigt, die bei der Großrazzia beschlagnahmt worden waren. "Die Ermittlungen laufen auf hohen Touren", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld am Freitag. Mit neuen Erkenntnissen wird frühestens ab Dienstag gerechnet. Die Ermittler glauben aber, dass sie auf der richtigen Spur sind. Drei Verdächtige haben bereits umfassend ausgesagt. Aus Sicht der Ermittler hat sich der Tatverdacht erhärtet.

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