Siemens-Affäre - Pierer und Kleinfeld belastet

Zeugenaussage: - München -­ Ein Beschuldigter im Schmiergeld-Skandal bei Siemens hat offenbar Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und den Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld belastet. Beide sollen 2004 von einem Bestechungsfall in Saudi-Arabien informiert worden sein. Das habe der ehemalige Bereichsvorstand Michael Kutschenreuter ausgesagt, berichtet das "Wall Street Journal".

Darüber hinaus werden Details des Bestechungssystems genannt, in dem Schmiergelder als Buchstaben-Kombination verschlüsselt worden sein sollen.

In Zeugenaussagen und anderen juristischen Unterlagen wird Siemens nach Darstellung der Zeitung als ein Unternehmen charakterisiert, in dem "Schmiergeldzahlungen üblich und hochgradig organisiert" waren. Demnach wird beschrieben, dass Top-Manager des Konzerns sich Verschlüsselungssystemen bedienten, um einer Aufdeckung zu entkommen.

Kutschenreuter soll ausgesagt haben, dass er Anfang 2004 von einem Vertreter der saudischen Beratungsfirma Beit Al Etisallat angerufen wurde, zu der Siemens bis 2000 eine Geschäftsbeziehung unterhielt. Der Mann habe für das Unternehmen 910 Millionen Dollar gefordert. Andernfalls werde man der US-Börsenaufsicht Dokumente zuspielen, die belegen, dass Siemens in Saudi-Arabien Schmiergeld gezahlt habe, um Aufträge zu erhalten. Daraufhin habe Kutschenreuter seine Vorgesetzten informiert ­ darunter Klaus Kleinfeld und Heinrich von Pierer, der zu dieser Zeit Vorstandschef war. Mit Rückendeckung des Vorstands habe er eine Einigung mit der saudi-arabischen Firma ausgehandelt: Das Unternehmen habe 50 Millionen Dollar erhalten -­ 17 Millionen für ausstehende Zahlungen, der Rest als Schweigegeld.

Siemens wies die Vorwürfe zurück. Bei den Zahlungen an Beit Al Etisallat habe es sich um eine Kompensationszahlung dafür gehandelt, dass der bis 2003 laufende Vertrag mit der Firma schon im Jahr 2000 gekündigt worden war, erklärte ein Sprecher. Die Staatsanwaltschaft München verweigerte erneut, zu Details Stellung zu nehmen. In der Vergangenheit hatte sie erklärt, Kleinfeld sei Zeuge, nicht Beschuldigter.

Nach Angaben des "Wall Street Journal" ist Kutschenreuter Hauptzeuge der Ermittler. Er soll gestanden haben, persönlich in zahlreiche Bestechungen verwickelt gewesen zu sein, nachdem er im April 2001 Finanzchef des Bereichs ICN geworden war. Viele seiner Kollegen hätten Schmiergelder als Kavaliersdelikte angesehen, weil sie zum Wohle des Unternehmens gewesen seien. Um nicht aufzufliegen, hätte man sich unter anderem eines Verschlüsselungscodes bedient. Dabei seien den zehn Buchstaben im Begriff "Make Profit" (Mach Gewinn) die Ziffern 0 bis 9 zugeordnet gewesen. M stand für 1, a für 2, k für 3 usw. Der Hinweis "Heften Sie das im APP-Ordner ab", hätte bedeutet, dass Schmiergeld in Höhe von 2,55 Prozent des Umsatzes genehmigt sei.

Damit wurden in dem Schmiergeld-Skandal Vorwürfe gegen alle wichtigen Funktionsträger des Konzerns erhoben. Neben Pierer und Kleinfeld wurde nach Berichten über Zeugenaussagen auch Finanzchef Joe Kaeser sowie Vorstandsmitglied Rudi Lamprecht eine Verwicklung unterstellt. Auch diese beiden Manager haben jede Schuld bestritten.

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