Siemens-Affären: Neue Ermittlungen gegen Ex-Finanzchef Neubürger

München - Der ehemalige Finanzvorstand von Siemens, Heinz-Joachim Neubürger, ist in einer weiteren Affäre des Siemens-Konzerns ins Visier der Staatsanwälte geraten. Neben dem Skandal um schwarze Kassen und Korruption, in dem die Staatsanwaltschaft München unter anderem gegen Neubürger ermittelt, prüft jetzt auch die Staatsanwaltschaft Nürnberg eine mögliche Verwicklung des ehemaligen Spitzenmanagers in die Affäre um die Betriebsräteorganisation AUB.

Siemens soll mit Millionenzahlungen versucht haben, die arbeitgeberfreundliche AUB als Gegenorganisation zur IG Metall aufzubauen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Nürnberg erklärte gegenüber dieser Zeitung, dass die Ermittlungen im Fall AUB auf einen weiteren Verdächtigen ausgeweitet worden seien.

In der vergangenen Woche habe man deshalb eine Durchsuchung durchgeführt. Die betroffene Person stehe im Verdacht, "von Zahlungen von Siemens an die AUB gewusst und sie nicht verhindert zu haben". Wie aus Justizkreisen zu erfahren war, handelt es sich bei dem Verdächtigten um Neubürger. Sein Anwalt äußerte sich gegenüber dieser Zeitung nicht zu den Vorwürfen.

Der ehemalige Finanzvorstand hatte sein Amt "aus persönlichen Gründen" zum 1. Mai vergangenen Jahres niedergelegt. Damals waren die Siemens-Affären nicht öffentlich bekannt. Neubürger galt als enger Vertrauter des langjährigen Vorstandsvorsitzenden und ehemaligen Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer. Ihm wurden Differenzen mit von Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld unterstellt, der selbst vor dem Hintergrund der Affären vor wenigen Monaten abtrat.

Derzeit sind weder Hinweise auf eine direkte Verwicklung Kleinfelds noch von Pierers in die Affären bekannt. Damit ist Neubürger der prominenteste Ex-Manager des Konzerns, gegen den Ermittlungen laufen. Der 54-Jährige ist bei der Investorengruppe KKR als Berater tätig.

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