Siemens-Aufsichtsrat beschließt Radikal-Umbau

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München (dpa) - Der Siemens-Aufsichtsrat hat angesichts des Schmiergeldskandals einen radikalen Konzernumbau beschlossen. Künftig steht das Unternehmen auf den Säulen Industrie, Energie und Medizintechnik.

Der Vorstand wird zum 1. Januar 2008 von elf auf acht Mitglieder verkleinert. Dabei scheiden fünf teils langjährige Zentralvorstände aus. "Nach einem Jahr umfassender Veränderungen sind mit der künftigen Führungsmannschaft und der neuen Organisationsstruktur die Fundamente für ein nächstes erfolgreiches Kapitel in der 160-jährigen Firmengeschichte gelegt", sagte der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme am Mittwoch in München.

Der Siemens-Konzern wird seit rund einem Jahr vom größten Schmiergeldskandal in der deutschen Wirtschaft erschüttert. Rund 1,3 Milliarden Euro sind nach bisherigen Informationen in den vergangenen Jahren in dunklen Kanälen verschwunden und vermutlich zum größten Teil im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. Im Zuge des Skandals mussten bereits Vorstandschef Klaus Kleinfeld und der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer ihren Hut nehmen.

Als Konsequenz aus der Affäre und um noch besser mit den international aktiven Wettbewerbern konkurrieren zu können, werden nun die Strukturen deutlich verschlankt. Der Konzern steht künftig nur noch auf den drei Säulen Industrie, Energie und Medizintechnik. Darunter gibt es 15 Divisionen.

Die drei Kern-Sparten werden von jeweils einem Chef geführt, der auch im Zentralvorstand sitzt. Das größte Arbeitsgebiet Industrie verantwortet künftig Heinrich Hiesinger. Der 47-Jährige war zuletzt im obersten Führungsgremium für die Gebäudetechniksparte SBT zuständig und sollte eigentlich Personalvorstand werden. Diesen Posten übernimmt nun Siegfried Russwurm (44), bisher Bereichsvorstand in der Siemens-Medizintechnik.

Die Medizintechnik-Sparte wird weiterhin von Vorstandsmitglied Erich Reinhardt (61) geführt. Das dritte verbliebene Arbeitsgebiet - die Energiesparte - verantwortet künftig Wolfgang Dehen. Die Berufung des 53-Jährigen in den Vorstand gilt als Überraschung. Er hatte zuletzt den Autozulieferer VDO geführt, der im Sommer an Conti verkauft wurde. Bei allen Kandidaten wurde in den vergangenen Wochen intensiv überprüft, ob sie in den Schmiergeldskandal verwickelt sein könnten. "Jedes Vorstandsmitglied wie auch das Gremium insgesamt sind unserem Anspruch nach Spitzenleistung auf höchstem ethischen Niveau verpflichtet", sagte Konzernchef Löscher. An die Spitze der drei Geschäftssparten seien "bestens qualifizierte und im Unternehmen erfahrene" Manager berufen worden.

Im Gegenzug müssen langjährige Vorstandsmitglieder ihren Posten abgeben. So scheidet Rudi Lamprecht aus dem Vorstand aus. Der 59- Jährige hatte einst das Handygeschäft geführt und war zuletzt unter anderem noch für die Betreuung der Siemens-Gemeinschaftsunternehmen zuständig. Den Vorstand verlassen zum Jahreswechsel auch Eduardo Montes (56), Uriel Sharef (63), Klaus Wucherer (63) und Jürgen Radomski (66). Radomskis Vertrag läuft ohnehin aus, die übrigen vier sollen vorerst beratend für den Konzern tätig sein.

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