Siemens: Bestandsaufnahme der Problem-Sparten

- München - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat sich und seine Top-Manager unter Druck gesetzt. Zwölf Geschäfts-Sparten hat der Konzern. Für jede ist ein Renditeziel festgelegt. Und Kleinfeld will persönlich dafür geradestehen, dass alle Bereiche im Frühjahr 2007 den Vorgaben gerecht werden. Das Problem: Zuletzt haben sieben ihr Ziel verfehlt. Drei davon schrieben sogar Verlust. Die Verantwortlichen dieser Problemfelder - Kommunikation, SBS und Logistik - mussten deshalb nun zum Rapport antreten. Sie hatten Kleinfeld eine Bestandsaufnahme und Lösungsvorschläge vorzulegen. Getagt wurde bis in den späten Abend. Beschlossen wurde angeblich noch nichts. Doch alles andere als weiterer Stellenabbau bei Siemens wäre eine Überraschung.

Kommunikation

Die Kommunikationssparte Com ist das Dauerproblem des Konzerns. Im dritten Quartal des am 30. September endenden Siemens-Geschäftsjahres verursachte der Bereich einen Verlust von 70 Millionen Euro. Dabei ist das seit Jahren defizitäre Handy-Geschäft nicht mehr enthalten. Es wird zum 1. Oktober an den taiwanischen Konzern BenQ abgegeben. Zuvor sollen nach Angaben der IG Metall im Handy-Werk Kamp-Lintfort (Nordrhein-Westfalen) 340 der 2000 Stellen wegfallen. Dies ist nach Siemens-Angaben durch einen 2004 geschlossenen Ergänzungstarifvertrag gedeckt.

Das Geschäft mit schnurlosen Festnetztelefonen läuft gut, wurde aber schon in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Auch hier könnte es mittelfristig zum Verkauf kommen. Im Firmenkundengeschäft hat Siemens Umsatz verloren und leidet unter Preisdruck. Auch diese Aktivitäten könnten zur Disposition stehen.

SBS

Der Informationstechnik-Dienstleister SBS hat im dritten Quartal den höchsten Verlust aller Bereiche ausgewiesen: 109 Millionen Euro. Kleinfeld hatte bereits Maßnahmen angekündigt, "um die Kostenstruktur zu verbessern". Das wird wohl auch heißen: Stellenabbau. Ein Verkauf des Geschäfts ist nicht ausgeschlossen.

Logistik

Die Logistik-Sparte (Logistics & Assembly System) belastete den Konzern mit einem Verlust von zuletzt 49 Millionen Euro. Jetzt wird ein Teil des Geschäfts in eine neu zu gründende Tochtergesellschaft ausgegliedert. Die Sparte Produkt- und Systemgeschäft für Materialfluss-Lösungen werde in die Dematic GmbH eingebracht, teilte der Konzern am Abend mit. Die Dematic werde als eigenständige Gesellschaft geführt und soll 1. Januar 2006 mit weltweit 5000 Mitarbeitern starten.

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