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Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG Joe Kaeser (Mitte) beantwortet nach der Jahrespressekonferenz in Berlin die Fragen von Journalisten

Konzernumbau trägt erste Früchte

Siemens vor der Bewährungsprobe

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München - Der Konzernumbau bei Siemens ist weitgehend abgehakt – und trägt erste Früchte. Der Gewinn ist im Geschäftsjahr 2015 um 34 Prozent gestiegen. Davon profitieren Aktionäre und Mitarbeiter.

Seinen Vorgänger Peter Löscher haben gebrochene Versprechen am Ende den Job gekostet. Zwölf Prozent Marge wollte er liefern – und versagte. Joe Kaeser, der seit 2013 Siemens führt, hat seine Renditeversprechen bisher gehalten. Die versprochene Marge im industriellen Geschäft wurde erreicht – wenn auch nur knapp mit 10,1 Prozent. Angepeilt waren zehn bis elf Prozent. Der Gewinn stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr kräftig um 34 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Allerdings stammen hier rund 3,0 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Hörgeräte-Sparte und der Anteile am Hausgerätehersteller BSH an Bosch. Der Umsatz ging dagegen bereinigt um Währungseffekte um ein Prozent zurück (75,6 Milliarden Euro). Gleiches galt für den Auftragseingang (82,3 Milliarden Euro).

Siemens will die Flaute hinter sich lassen

„Wir haben geliefert, was wir versprochen haben und sind gut gerüstet für das kommende Jahr“, erklärte Joe Kaeser am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Berlin. Gut gerüstet bedeutet: Siemens will die Flaute hinter sich lassen und nach Jahren der Stagnation wieder beim Umsatz wachsen. Trotz „schwieriger gesamtwirtschaftlicher Lage“ und einem „komplexen geopolitischen Umfeld“ gehe er von einem Umsatzplus von fünf Prozent für 2016 aus, so Kaeser. Der Auftragseingang soll noch darüber liegen und der Gewinn je Aktie um mindestens 14 Prozent steigen. Bei der Marge für das industrielle Geschäft peilt Kaeser erneut zehn bis elf Prozent an.

"Chancen in China sind nach wie vor gewaltig“

Möglichkeiten, aber auch Risiken sieht Kaeser vor allem am chinesischen Markt. „Die Chancen in China sind nach wie vor gewaltig.“ Auch wenn die Zeiten mit zweistelligen Wachstumsraten vorbei seien. Für 2016 geht Kaeser davon aus, dass die Industrieproduktion in China im zweiten Halbjahr wieder anziehen wird. Hier liegt allerdings auch das Risiko für die Münchner. „Wenn das nicht passiert, beeinträchtigt das die Margen-Qualität bei Siemens erheblich“, räumte Kaeser ein. „Jeder Euro weniger Umsatz schlägt sich mit 60 Cent weniger im Ergebnis nieder.“

Zuletzt hatten sich bei Siemens Altlasten negativ auf den Gewinn ausgewirkt. Der Konzern musste auf Primetals Technologies, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Mitsubishi, wegen der schwachen Stahlkonjunktur 138 Millionen Euro abschreiben. Während sich der Auftragseingang im vierten Quartal sehr gut entwickelt hat, schrumpfte der Gewinn deshalb entsprechend von 1,5 Milliarden Euro auf 1,0 Milliarden Euro.

Radikaler Umbau verordnet

Kaeser hat dem Konzern einen radikalen Umbau verordnet, um Siemens profitabler zu machen – inklusive Personalabbau. Weltweit fallen 13 100 Arbeitsplätze weg, davon 5100 in Deutschland. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schlugen die Restrukturierungskosten mit 804 Millionen Euro zu Buche.

Zum Fortgang des Personalabbaus an den deutschen Standorten äußerte sich Kaeser am Donnerstag nicht. Er betonte stattdessen, dass Siemens weltweit aktuell 348 000 Mitarbeiter beschäftige, 10.000 mehr als im Vorjahr. Der Zuwachs erklärt sich allerdings vor allem mit den Übernahmen der US-Energietechnikfirma Dresser-Rand und Rolls-Royce Energy. In Deutschland ist die Zahl der Beschäftigten um 2000 auf 114.000 an rund 300 Standorten gesunken. Die meisten Beschäftigten hat Siemens im Großraum Nürnberg-Erlangen-Fürth (rund 45 000), gefolgt von Berlin mit etwa 11.500 Mitarbeitern und dem Hauptsitz in München (rund 9000 Mitarbeiter).

Dividende soll auf 3,50 Euro steigen

Die Dividende für Aktionäre soll um 20 Cent auf 3,50 Euro steigen, kündigte Kaeser an. Es wäre die zweite Erhöhung in Folge, nachdem die Dividende in den drei Jahren zuvor konstant bei drei Euro gelegen hatte. Zudem ist ein erneutes Aktienrückkaufprogramm über 3 Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren geplant.

Siemens will außerdem 2,2 Milliarden Euro Erfolgsbeteiligung an seine Mitarbeiter ausschütten. Dazu kommen 200 Millionen Euro, die in einen Teilhabefonds einbezahlt werden. Der Fonds wurde im vergangenen Jahr aufgelegt. „Sobald 400 Millionen Euro im Pool sind, wird das Geld in Form von Aktien an die Mitarbeiter ausgezahlt“, erklärt Kaeser. Nur an Mitarbeiter außerhalb des Managements, versteht sich.

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