Siemens: "Bis zu 130 000 Jobs werden ausgelagert"

- Zwar hat Siemens-Chef Heinrich von Pierer den Gerüchten widersprochen, sein Unternehmen werde 10 000 Stellen aus Deutschland abziehen. Doch die Tendenz bleibt: Deutsche Hightech-Unternehmen werden zigtausende Arbeitsplätze in Billiglohnländer auslagern - mit "dramatischen Folgen" warnt Dirk Buchta von der Unternehmensberatung A.T.Kearney, die eine Studie zur Abwanderung von Arbeitsplätzen in der Informationstechnologie erstellt hat.

Auslagerungs-Pläne gibt es viele, konkrete Zahlen fast keine. Wie groß wird die Job-Abwanderung tatsächlich sein?<BR><BR>Dirk Buchta: Wir rechnen damit, dass in den nächsten drei Jahren bis zu 130 000 IT-Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen werden. Als Ziele kommen Osteuropa, Indien und China in Frage.<BR><BR>Wie sind Sie auf diese Zahl gekommen?<BR><BR>Buchta: Wir orientieren uns an der Realität in den USA. Dort gehen 20 Prozent der IT-Budgets ins Ausland. In Deutschland liegen wir noch deutlich unter 5 Prozent. Dieser Anteil wird sich auf das amerikanische Niveau steigern.<BR><BR>Welche Auswirkungen hat das auf die deutsche Volkswirtschaft?<BR><BR>Buchta: Die Effekte werden dramatisch sein. Denn diese Arbeitsplätze kommen nicht wieder. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Auslagerung für viele Unternehmen wichtig. Sonst können sie nicht konkurrenzfähig bleiben. Aber volkswirtschaftlich ist das problematisch. Auch Finanzbuchhaltungen oder Call-Center werden rund um die Welt verlagert werden.<BR><BR>Wie kann dieser Entwicklung entgegengesteuert werden?<BR><BR>Buchta: Man muss im internationalen Wettbewerb entweder deutlich billiger oder deutlich cleverer sein. In beiden Dimensionen sehe ich Deutschland nicht in einer Spitzenrolle. Hier ist die Politik gefordert, etwa durch eine Senkung der Lohnnebenkosten und Flexibilisierung den Abstand zu anderen Ländern wenigstens zu verringern.<BR><BR>Das Gespräch führte Dominik Müller.<BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Minister: Neues Tierwohl-Siegel nicht zum Nulltarif zu haben
Agrarminister Schmidt nutzt die Bühne der Grünen Woche, um sein Tierwohl-Label vorzustellen. Es soll den Tieren, aber auch Bauern und Fleischkonsumenten helfen. Doch …
Minister: Neues Tierwohl-Siegel nicht zum Nulltarif zu haben
WLAN im Zug gefordert - Bahn verspricht stabilere Telefonate 
Berlin - Erst kostenloses Internet, bald auch Spielfilme. Die Bahn löst Versprechen für mehr Komfort beim Reisen ein - bisher aber vor allem im ICE. Jetzt muss der …
WLAN im Zug gefordert - Bahn verspricht stabilere Telefonate 
Markenrechte von Schlecker sollen verkauft werden
Düsseldorf - Schlecker will seine Markenrechte verkaufen. Das Insolvenzverfahren der Drogeriekette läuft noch. Die Verhandlungen dürften noch ein paar Jahre in Anspruch …
Markenrechte von Schlecker sollen verkauft werden
Gegenwind für Mays Brexit-Kurs in Davos
In Davos wirbt Premierministerin May für Großbritannien als Wirtschaftsstandort mit guten Handelsbeziehungen in alle Welt. Doch für ihren Brexit-Kurs gibt es auch …
Gegenwind für Mays Brexit-Kurs in Davos

Kommentare