Siemens-Chef sieht alle Sparten voll auf Kurs

Trotz Schmiergeldaffäre: - München - Die aktuelle Schmiergeldaffäre ist nach Einschätzung von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld keine Belastung für das Geschäft von Deutschlands größtem Elektrokonzern. "Das hat keine Auswirkungen aufs operative Geschäft", sagte Kleinfeld. Zwar werde der Konzern in Problemregionen notfalls auch einmal auf Aufträge verzichten.

"Doch besteht die gute Chance, das an anderer Stelle auszugleichen." Finanzielle Auswirkungen in Form von möglichen Straf- oder Schadenersatzzahlungen seien momentan ebenso wenig absehbar wie ein Ende der Affäre.

Die Korruptionsaffäre erschüttert Siemens seit Monaten. Siemens geht gegenwärtig davon aus, dass möglicherweise bis zu 420 Millionen Euro in schwarze Kassen geflossen seien. Das Unternehmen tue alles für eine umfassende Aufklärung der Vorfälle.

Operativ sieht sich Siemens ohnehin voll auf Kurs. "Dies gilt auch für die im Frühjahr angepeilten Margenziele der Bereiche", sagte Kleinfeld. Bereits im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres seien alle Bereiche profitabel gewesen. "Im Hinblick auf die endgültige Zielerreichung im April sind wir gut unterwegs." Dies gelte auch für das lange defizitäre IT-Geschäft.

Nach dem erfolgreichen Umbau durch das Programm "Fit 4 More", bei dem auch das bisher größte Geschäftsfeld Kommunikation aufgelöst und neu geordnet werde, soll es keinen Stillstand geben, kündigte Kleinfeld an. "Es gibt auf jeden Fall ein neues Programm." Dieses solle im April vorgestellt werden.

Kleinfeld hatte vor knapp zwei Jahren versprochen, dass spätestens im Frühjahr 2007 alle Bereiche die Renditeziele erreichen, die ursprünglich schon sein Vorgänger Heinrich von Pierer den Sparten verordnet hatte. Kleinfeld hatte auch sein persönliches Schicksal mit diesem Ziel verknüpft. Nun sei Siemens weitgehend umstrukturiert. "Die Neuausrichtung haben wir in weiten Teilen abgearbeitet."

Die nächsten großen Schritte sind noch das Telekom-Gemeinschaftsunternehmen mit der finnischen Nokia sowie der geplante Börsengang des Autozulieferers Siemens VDO. Kleinfeld äußerte sich nicht zu Spekulationen, ob auch ein Komplettverkauf von Siemens VDO theoretisch vorstellbar sei. Siemens verfolge weiter das Ziel des Börsengangs und wolle die Mehrheit behalten.

Weitere Veränderungen im Konzern schloss Kleinfeld trotz der Kritik nach der Pleite der abgespaltenen Handy-sparte BenQ Mobile nicht aus. Kleinfeld: "Wir brauchen hohe Gewinne, um die relativ hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu stemmen."

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