+
Liefert überraschend gute Zahlen: Siemens-Chef Joe Kaeser. Foto: Tobias Hase

Siemens kündigt Aktionären ein starkes Jahr an

Die Digitalisierung der Industrie und die Nachfrage nach Zügen und Medizintechnik lassen bei Siemens die Kasse klingeln. Bei Anlegern sorgt Konzernchef Kaeser damit für gute Laune.

München (dpa) - Mit einem Feuerwerk guter Nachrichten hat Siemens seine Aktionäre überrascht.

Auftragseingang, Umsatz und Gewinn sind im ersten Quartal kräftig gestiegen. Vorstandschef Joe Kaeser hob vor der Hauptversammlung am Dienstag in München zudem die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr auf mindestens 5,3 Milliarden Euro an.

Die Börse reagierte begeistert: Der Aktienkurs von Europas größtem Elektronikkonzern stieg bis zum Nachmittag um mehr als 9 Prozent.

"Wir sind sehr gut ins Geschäftsjahr gestartet", und dank der vollen Auftragsbücher werde es trotz der sich weiter eintrübenden Weltwirtschaft "ein vergleichsweise gutes Jahr für Siemens" werden, sagte Kaeser auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns.

Der Konzernumbau sei weitgehend abgeschlossen, das Projekt- und Risikomanagement sei besser geworden, die Sonderbelastungen seien gesunken. Das Industriegeschäft laufe wieder sehr profitabel: "Wir nähern uns wieder an die Konkurrenz an." Das besonders profitable Geschäft mit der Digitalisierung von Fabriken - einer der neuen Tragpfeiler von Siemens - entwickle sich dank der starken Nachfrage aus Europa hervorragend und werde sich ab April beleben.

Um dieses Geschäftsfeld weiter zu stärken, übernimmt Siemens jetzt für 970 Millionen Dollar die New Yorker Software-Firma CD-adapco. Mit den Programmen könnten zum Beispiel Auto- oder Flugzeughersteller Strömungen entlang der Karosserie oder der Tragfläche simulieren und die Entwicklungszeit um ein Drittel verkürzen, sagte Kaeser. Mit der Übernahme baue Siemens seine Führungsrolle bei der industriellen Digitalisierung weiter aus.

Einer der Wachstumsträger 2016 werde die Zugsparte sein. "Sie steht heute blendend da", sagte Kaeser und verwies auf Aufträge von der Berliner S-Bahn, der algerischen Bahn und den in Aussicht stehenden Großauftrag der iranischen Bahn. In der Medizintechnik - im ersten Quartal der größte Gewinnbringer - sei "Siemens heute das Maß aller Dinge", wie der Vergleich mit der Konkurrenz zeige, sagte Kaeser.

Selbst der Ölpreisverfall macht Siemens noch wenig Sorgen. Grundsätzlich steige die Nachfrage nach Öl, deshalb habe die Ölindustrie ihre Investitionen nur verschoben, sagte Kaeser.

Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Das gleiche das schwache Neugeschäft zum Teil aus. Siemens hatte mit dem Zukauf des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand Milliarden in die Ölzulieferindustrie investiert.

Im ersten Quartal schoss der Konzerngewinn um 42 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro hoch, wie der Konzern bereits am Montagabend mitgeteilt hatte. Im Vorjahr hatten Sonderfaktoren das Ergebnis belastet. Der Auftragseingang stieg um ein Viertel auf 22,8 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro, auch dank Rückenwind durch den schwachen Euro.

Nach mehreren Quartalen des organischen Umsatzrückgangs habe Siemens nun "die Trendwende eingeleitet". "Ich gehe davon aus, dass wir diese Trendwende im zweiten Quartal deutlich verstärken", sagte Kaeser. Das organische Umsatzwachstum - also die Steigerung der Erlöse aus eigener Kraft ohne Zukäufe - werde im Gesamtjahr größer sein als im ersten Geschäftsquartal: "Ich glaube, das ist eine sichere Wette."

Börseninfo Siemens

Website Siemens

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BASF führt Gespräche mit größtem Konkurrenten in Deutschland
Nach zuletzt bekundetem Interesse an Bayer, hat BASF jetzt Gespräche über eine Fusion des Öl- und Gasgeschäfts mit Dea bestätigt. Diese seien jedoch noch offen.
BASF führt Gespräche mit größtem Konkurrenten in Deutschland
Aus für Küchenbauer Alno - Pfullendorf unter Schock
Kein Investor will den Küchenbauer Alno übernehmen, damit ist das Ende besiegelt. Am Sitz in Pfullendorf strahlt die Sonne - doch für die verbliebenen Mitarbeiter ist es …
Aus für Küchenbauer Alno - Pfullendorf unter Schock
BASF prüft Fusion des Öl- und Gasgeschäfts mit Dea
Bei der Fusionswelle in der Chemieindustrie hat BASF lange abseits gestanden. Das hat sich geändert. Nachdem das Unternehmen Interesse an Teilen von Bayer bekundet hat, …
BASF prüft Fusion des Öl- und Gasgeschäfts mit Dea
Extra am „Black Friday“ ruft Verdi zum Streik bei Amazon auf
In der Schnäppchen-Woche rund um die Aktionstage „Black Friday“ und „Cyber Monday“ hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten an mehreren Amazon-Standorten zum Streik …
Extra am „Black Friday“ ruft Verdi zum Streik bei Amazon auf

Kommentare