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Siemens: Chefs steht Abwatschen durch die Aktionäre bevor

- München -­ Morgen ist ein Tag, an dem sich mancher in der Siemens-Chefetage wohl lieber krank melden würde. Dem Führungszirkel um Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und den Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld steht auf der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle ein ganztägiges Verbal-Abwatschen durch die Aktionäre bevor. Die im Schmiergeld-Skandal gipfelnde Affären-Serie sorgt für Unmut der Anleger. Und der könnte für manchen Siemensianer peinlich werden.

Milliardengewinn, rasantes Wachstum und erhöhte Dividende ­ die meisten technischen Daten bei Siemens stimmen aus Aktionärssicht. Nach diversen Aufregern im Konzern ist trotzdem mit angespannter Atmosphäre auf der Hauptversammlung zu rechnen. Die Pleite der ehemaligen Siemens-Handy-sparte ein Jahr nach der Abgabe an den taiwanischen BenQ-Konzern dürfte ­ mit Ausnahme der Belegschaftsaktionäre ­ nicht viele Anleger aufregen. Unter Rendite-Gesichtspunkten dürfte mancher eher ein Auge darauf werfen, wie viel Siemens für die Auffanglösung seiner Ex-Mitarbeiter ausgibt.

Schwerer wiegt da schon die 30-prozentige Erhöhung der Vorstandsbezüge, die nicht nur ein Aufreger an sich, sondern für Aktionäre auch schnell Anlass zur Kosten-Nutzen-Analyse in der Chefetage ist.

Der Stimmungstöter schlechthin ist die Affäre um Schmiergelder und schwarze Kassen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro. Der Skandal hat zwar den Aktienkurs von Siemens kaum beeinträchtigt, aber das zuvor schon angegriffene Ansehen des Konzerns und seiner Führungskräfte weiter demoliert.

Wie auf jeder Hauptversammlung steht die Entlastung des Spitzenpersonals durch die Eigentümer an. Dieses Zeichen der (Un-)Zufriedenheit mit der Arbeit der Chefs hat zwar rechtlich keine Bedeutung, wird aber als Geste beachtet. Ähnlich wie bei Wahlen von Parteivorsitzenden gilt dabei alles andere als eine Zustimmung nahe 100 Prozent als Blamage. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt mit Thomas Ganswindt und dem früheren Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger gegen zwei ehemalige Vorstände des Konzerns. Der jetzige Finanzchef Joe Kaeser und Vorstand Rudi Lamprecht sollen von Zeugen belastet worden sein. Angesichts der außergewöhnlichen Situation hat man entschieden, die Vorstände und Aufsichtsräte einzeln zu entlasten. Die Abstimmung über Ganswindt und Neubürger wird aufgeschoben, bis die Affäre aufgeklärt ist. Die anderen müssen sich jedoch dem Votum stellen. Und das könnte schlecht aussehen.

Sowohl die Schutzgemeinschaft der Kapitanleger als auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Verein der Belegschaftsaktionäre haben angekündigt, sämtlichen Siemens-Vorständen die Entlastung zu verweigern. Die DSW rät dem Aufsichtsrat, den Vertrag von Konzernchef Klaus Kleinfeld, der im September ausläuft, nicht vorzeitig zu verlängern. Und die Aufsichtsräte selbst sind kaum besser angeschrieben bei den Kleinanlegern. Heinrich von Pierer steht besonders schlecht da. Die Machenschaften um schwarze Kassen reichen überwiegend in seine Amtszeit als Vorstandschef zurück. Jetzt soll er als Aufsichtsratsvorsitzender eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung spielen. Diese Verwicklung halten Aktionärsschützer für untragbar. Auch ihm drohen zahlreiche Gegenstimmen bei der Entlastung.

Der Vorteil der Siemens-Funktionäre ist, dass die Kleinanleger nur einen winzigen Teil des Kapitals darstellen. Ihre Stimmen gehen meist unter. Größerer Druck könnte entstehen, wenn auch Fondsgesellschaften die Entlastung verweigern. Doch die größten von ihnen halten ihr Abstimmungsverhalten bis morgen geheim.

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