Siemens droht Milliarden-Strafe - Hoffnung auf baldige Aufklärung

München - Der Druck auf Siemens durch die Korruptionsaffäre erhöht sich: Nach Medienberichten halten inzwischen Aufsichtsratsmitglieder des Industriekonzerns selbst eine Strafe in Höhe von bis zu vier Milliarden Euro nicht mehr für ausgeschlossen, schreibt die WirtschaftsWoche.

Bislang habe laut internen Quellen bei Siemens die Hoffnung überwogen, mit der Zahlung von einer Milliarde Euro davonzukommen. Zugrunde liege der neuen Schätzung die Annahme, dass die amerikanische Börsenaufsicht SEC und das US- Justizministerium bei der Strafbemessung den Faktor drei einsetzten: Je nachdem, ob sich die gesamten zurzeit verdächtigen 1,3 Milliarden Euro tatsächlich als Schmiergelder erwiesen, käme so ein Betrag von bis zu vier Millionen Euro zustande, heißt es in dem Bericht.

Unterdessen könnte die Aufklärung der Schmiergeldaffäre bei dem Münchner Konzern nach Darstellung von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme im Frühjahr in den Grundzügen abgeschlossen sein. Laut der "Welt am Sonntag" hofft Cromme, bis dahin ein umfassendes Dossier der Siemens-Ermittler der US-Kanzlei Debevoise zu erhalten. Er habe von den Ermittlern neue "substanzielle und gravierende Hinweise" erhalten, die die Aufklärung enorm voranbringen könnten, sagte Cromme der Zeitung. Cromme sagte, die Schmiergeldzahlungen seien keine Einzelfälle gewesen. Stattdessen habe es eine systematische Korruption gegeben, die auch dem Aufsichtsrat verheimlicht worden sei.

Der frühere Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" zugegeben, auf einen intern frühzeitig geäußerten Schmiergeldverdacht unzureichend reagiert zu haben. Das tue ihm sehr leid, habe Neubürger während seiner Vernehmungen bei der Münchner Staatsanwaltschaft gesagt. Die Justiz ermittle gegen Neubürger wegen Beihilfe zur Untreue, Verstoßes gegen das Aktiengesetz und Steuerhinterziehung. Im Verlauf mehrerer Vernehmungen habe der ehemalige Finanzvorstand eingeräumt, Hinweisen vom November 2003 auf Bestechung von Amtsträgern in Nigeria nicht ausreichend und konsequent nachgegangen zu sein, berichtete das Blatt. Der frühere Siemens-Manager sitzt inzwischen in den Aufsichtsräten von BMW und der ProSiebenSat1 Media AG. Er sehe keinen Anlass, diese Mandate ruhen zu lassen, teilte er über seinen Anwalt der "SZ" mit.

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