Siemens und EADS hoffen auf Milliarden-Auftrag für Digitalfunk

- München - Um markige Worte sind deutsche Innenpolitiker nie verlegen. Doch wenn sie Nachhilfe in innerer Sicherheit brauchen, müssen sie nach Kasachstan schauen. Selbst dort gibt es ein digitales Polizeifunknetz. In Deutschland ist der abhörsichere Behördenfunk bisher ein frommer Wunsch. Jetzt könnte Bewegung in die Pläne kommen.

<P>Nächste Woche machen die Ministerpräsidenten den Digitalfunk zur Chefsache. Um die Kosten wird hart gerungen, weil Bundes- und Landesbehörden ebenso wie kommunale Feuerwehren den gleichen Standard bekommen sollen. Derzeit wollen die Länder höchstens 50 bis 66 % zahlen, der Bund verlangt 75 bis 90 %.</P><P>Drei aussichtsreiche Systeme gibt es. Hinter "Tetrapol" steckt EADS Telecom, realisiert etwa in Frankreich und Tschechien. "Tetra" machen Unternehmen wie Motorola, T-Systems, Siemens und Nokia etwa in England, Nordeuropa und Polen. Vodafone bietet mit "GSM BOS" Funk auf Basis des Handynetzes. Bewegung kann ein Wechsel hinter den Kulissen bringen. Siemens plane den Schulterschluss mit EADS, heißt es in Konzernkreisen. Man sei bereits in Ministerien aufgetreten und habe Rückendeckung der Staatsregierung. "Das wäre für Bayern ein industriepolitischer Coup", sagt ein Beteiligter. Den Süd-Ländern wird nachgesagt, Tetrapol zu bevorzugen, der Norden tendiert zu Tetra.</P><P>Offiziell wird die Euphorie gebremst. Es habe ein Gespräch gegeben, heißt es im Münchner Innenministerium, aber "von unserer Seite keine Festlegung". Siemens bestätigt keinen Seitenwechsel. Bisher sehe man sich als Konkurrenten. Aber "wer mit wem zusammengeht, daran kann sich einiges ändern, wenn die Ausschreibung läuft", deutet ein Sprecher an. EADS Telecom gibt sich ausdrücklich "offen für eine Kooperation".<BR><BR>Die Zusammenarbeit hat sich bewährt. In der Schweiz installierten Siemens und die EADS Tetrapol gemeinsam erfolgreich. In Österreich wurde das Konkurrenzmodell Tetra, ebenfalls mit Siemens als Beteiligtem, zu einem Reinfall.<BR>Bei der Finanzierung hoffen die Konzerne auf eine schnelle Einigung, damit die Aufträge ausgeschrieben werden können. Bisher werde zwischen Bund und Ländern um die Milliarden gepokert, heißt es hinter vorgehaltener Hand: "Wer zuerst zwinkert, hat verloren."<BR><BR>Bisher sind die Sicherheits- und Rettungskräfte die Verlierer des Pokers. Ihr analoger, verrauschter und abgehörter Funk, technologisch dem Rauchzeichen näher als dem Telefon, muss nun wohl noch bis über 2006 hinaus herhalten. Entgegen den Versprechungen der deutschen Innenpolitik dürfte sich bis zur Fußball-WM kein flächendeckendes Funknetz realisieren lassen, allenfalls Insellösungen sind denkbar.<BR><BR></P>

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