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Die Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz in München: Der Konzern rechnet mit einer Strafe in Höhe von einer Milliarde Euro.

Siemens erwartet eine Milliarde Euro Strafe

München - Der Elektrokonzern Siemens stellt sich wegen des Schmiergeld-Skandals auf Strafen in Höhe von rund einer Milliarde Euro ein.

In dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/08 werde im Zusammenhang mit dem angestrebten Vergleich mit Behörden in Deutschland und in den USA eine Rückstellung in dieser Höhe gebucht, teilte die Siemens AG am Mittwoch in München mit. Damit nannte das Unternehmen erstmals eine konkrete Summe für mögliche Strafzahlungen. "Der Betrag basiert auf der Einschätzung des Stands der Gespräche mit den Behörden in Deutschland und in den USA durch das Unternehmen", hieß es. Den Stand der noch laufenden Verfahren werde man über die Mitteilung hinaus nicht weiter kommentieren.

Siemens steht seit vielen Monaten mit der mächtigen US- Börsenaufsicht SEC in Verhandlungen über den milliardenschweren Schmiergeld-Skandal. Außerdem laufen weiter Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München in mehreren Bereichen des Unternehmens. In dem Skandal geht es um 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen, die zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein sollen. Die Aufarbeitung des Skandals hat Siemens angesichts von Strafen, Beraterkosten und Gewinnabschöpfung bisher rund 1,4 Milliarden Euro gekostet, weitere 500 Millionen Euro wurden durch Steuernachzahlungen fällig.

In der Vergangenheit war spekuliert worden, dass allein die SEC eine Strafe von mehreren Milliarden Euro gegen das Unternehmen verhängen könnte. Aus dem Unternehmensumfeld verlautete nun, die Verhandlungen mit den Behörden seien "auf der Zielgeraden, aber noch nicht am Ziel". Die rund eine Milliarde Euro seien ein "ungefährer" Wert, der zugleich zeige, in welche Richtung es gehe.

Die Rückstellung über rund eine Milliarde Euro kommt noch zu den rund drei Milliarden Euro hinzu, die Siemens als Belastungen aus dem tiefgreifenden Konzernumbau einkalkuliert hat. Die Buchung hat auch einen steuerlichen Hintergrund: Zu Beginn des Geschäftsjahres hatte Siemens unterm Strich knapp 6,5 Milliarden Euro Gewinn aus dem Verkauf der Autozuliefer-Tochter VDO an Continental gemacht. Je höher die Belastungen nun im Schlussquartal sind, desto niedriger fällt die Steuerquote im Gesamtjahr aus. Aus dem Unternehmensumfeld hieß es zudem, mit der Rückstellung sei ein "sauberer Start ins nächste Jahr" angestrebt.

Siemens-Chef Peter Löscher will den Konzern nach eigenen Worten mit dem Umbau für die Konjunkturabkühlung "wetterfest" machen. Allein durch milliardenschwere Sparpläne in Vertrieb und Verwaltung, die mit dem Abbau tausender Arbeitsplätze einhergehen, erwartet das Unternehmen Belastungen von 800 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro. Dazu gehören beispielsweise Aufwendungen für Abfindungen und für die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Hinzu kommen unter anderem Kosten für den Stellenabbau in der Verkehrstechnik und im Gesundheitssektor.

dpa

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