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Siemens - Geschichte, Aktie und Tätigkeitsfelder

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Das Schriftzug-Logo des deutschen Industriekonzerns Siemens
Das Schriftzug-Logo des deutschen Industriekonzerns Siemens © Daniel Karmann / dpa

Auf fast zweihundert Jahre Geschichte kann Siemens zurückblicken. Der DAX-Konzern ist eines der ersten multinationalen deutschen Unternehmen und hat sich im Laufe seines Bestehens regelmäßig neu ausgerichtet.

Berlin/München – Siemens steht für die Vielfalt und die Potenziale deutscher Technologie. Der international agierende Mischkonzern ist mit verschiedenen Sparten im deutschen Leitindex DAX vertreten und steht für agile Strategien und die Ausrichtung an den Bedürfnissen der Zukunft.

Siemens: Geschichte schreiben mit Elektrotechnik

Als der Ingenieur Werner Siemens 1847 den Grundstein für das Unternehmen legte, war noch nicht abzusehen, welche Bereiche und Sparten der heutige Mischkonzern einmal einschließen würde. Das Fundament von Siemens war die damals zukunftsweisende Kommunikation mithilfe von Telegraphen. Hier lag der Geschäftsschwerpunkt, neben Werner Siemens gehörte der Feinmechaniker Johann Halske zu den Gründungsmitgliedern.

Die frühesten Räumlichkeiten bestanden aus kaum mehr als einer kleinen Werkstatt, doch dank der gefragten Technologie-Produkte nicht nur für Telegraphen, sondern auch für die damals im Auf- und Ausbau befindlichen Bahnanlagen wuchs das Unternehmen schnell. Vierzig Jahre später wurde Werner Siemens für seine Lebensleistung geadelt.

Frühe Standorte im Ausland

Die Expansion von Siemens begann schon recht früh – was das Unternehmen zu einem der ersten deutschen „Multinationals“ macht. 1863 entstand die erste Auslandsniederlassung im britischen Woolwich, wo Kabel hergestellt wurden, in England firmierte das Unternehmen als Siemens Brothers & Co. Zwanzig Jahre später expandierte die Firma nach Russland, ebenfalls mit einem Kabelwerk in St. Petersburg, und 1892 entstand die japanische Siemens & Halske Japan Agency.

Weniger erfolgreich war der Versuch, in den USA Fuß zu fassen, denn die dort in einer deutsch-amerikanischen Kooperation geschaffene Fabrik, mit der man plante, die Bedarfe der US-amerikanischen Eisenbahngesellschaften zu bedienen, brannte 1894, nur zwei Jahre nach ihrer Fertigstellung, vollständig aus. Die Unternehmensexpansion führte dazu, dass Siemens unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg in 49 Ländern vertreten war.

Mit kluger Strategie durch zwei Weltkriege

Beide Weltkriege und auch die Weltwirtschaftskrise von 1929 gingen nicht spurlos an Siemens vorüber, doch schon während der 1930er Jahre begann das Unternehmen mit der Erweiterung der Geschäftsbereiche über elektrotechnische Lösungen hinaus. Hinzu kamen:

Das Unternehmen boomte auch deshalb, weil die Auftragslage infolge der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft sehr gut war. Rechtzeitig zum Kriegsende bereitete sich die Geschäftsführung durch die Aufteilung der deutschen Produktion auf mehrere Standorte auf die erwartete Niederlage vor. So entging Siemens einer Zerschlagung, die anderen Großkonzernen zuteil wurde. Die ausländischen Standorte gingen allerdings verloren.

Siemens: Zukunftsorientierte Sparten heute

Das erste Jahrhundert des Bestehens von Siemens war geprägt durch strategische Übernahmen und Fusionen. Bereits in den Anfangsjahren des Unternehmens entstanden so die Siemens-Schuckertwerke und Siemens-Reiniger-Werke neben der ursprünglichen Siemens & Halske AG. Ab 1966 wurden diese drei Sektoren zur heutigen Siemens AG zusammengeschlossen, größere Übernahmen in den Wirtschaftswunderjahren umfassen neben der Zuse KG, wegweisend für Informatik, auch den Leuchtmittelhersteller Osram. Der Zusammenschluss mit Bosch sorgte für übergreifende Marktabdeckung bei Elektro- und Haushaltsgeräten.

Ab den 1980er Jahren änderte man diese Politik – nun sollte Siemens durch die Aufspaltung in einzelne Sparten agiler und flexibler werden. Auf diese Weise sollte das Unternehmen besser auf die sich wandelnde und zunehmend internationale Wirtschaftswelt reagieren können. Dadurch entstanden insgesamt fünfzehn Sparten, die zentral verwaltet wurden. Zu ihnen gehören Kommunikationssysteme, Automatisierungs- und Sicherungstechnologien, Medizintechnik, Schalt- und Anlagentechnik, Halbleiterherstellung und Energieerzeugung und angeschlossene Services. Auch die wichtigen Segmente Verkehr und Automobiltechnik erhielten ein hohes Maß an Autonomie.

Konzernumbau nach der Jahrtausendwende

Die grundlegende Umgestaltung von Siemens, die zunächst ab 2008 eine Aufgliederung in die vier Sektoren Energie, Infrastruktur, Gesundheitswesen und Industrie vorsah, ist eine konsequente Weiterentwicklung der ursprünglich rund 15 Sparten des Unternehmens. In den 2010er Jahren begann man mit formalen Ausgründungen, die beispielsweise bei der Mobilitäts-Sparte als Siemens Mobility in der Form einer GmbH erfolgten.

Die Healthcare-Sparte hingegen ging als Siemens Healthineers an die Börse, und der Energiebereich wurde unter dem Firmennamen Siemens Energy zur Aktiengesellschaft. Vom Halbleiterbau, der unter dem Firmennamen Infineon ausgelagert wurde, trennte sich Siemens 2006, die Computer-Sparte in Kooperation mit Fujitsu wurde ebenfalls aufgegeben. Auch in Zukunft darf man erwarten, dass das Unternehmen flexibel auf einen Wandel seines Geschäftsumfelds und neue Anforderungen an Mobilitäts- und Versorgungslösungen reagieren wird.

Siemens: Unternehmen und Vorstand im Wandel

Der Vorstand von Siemens bzw. die Führung des Unternehmens lag bis zum Ersten Weltkrieg fast vollständig in den Händen der Familie Siemens. Neben dem Firmengründer und dessen beiden Söhnen gehörte Werner Siemens’ Bruder Carl zu den Treibern der Expansion. Die Familie Siemens behielt ihren Einfluss auf das Unternehmen noch bis ins Jahr 1981, seit 1956 jedoch in Form des Aufsichtsratsvorsitzes.

Die Geschäftsführung gab man nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Hand, umso mehr mit dem Umbau von Siemens, der den CEOs der einzelnen Divisionen weitgehende Freiheiten unter der Kontrolle des Vorstands ließ. Bei allen unternehmerischen Erfolgen von Siemens und seinen Tochterfirmen sollte nicht unerwähnt bleiben, dass einzelne Mitglieder des Vorstands bzw. der Vorstand als Ganzes immer wieder Vorwürfen ausgesetzt waren, unter anderem im Zuge der Korruptionsaffäre um Schmiergelder, die ab 2008 ans Licht kam, aber auch aufgrund von Preisabsprachen oder des Umgehens von Sanktionen etwa gegen Iran oder Russland.

Siemens: Verschiebung zugunsten der Standorte im Ausland

Heute ist die Siemens AG, samt ihren zum Teil börsennotierten Tochterfirmen, ein erfolgreicher Mischkonzern, der sich von seiner ursprünglichen Fokussierung auf Elektrotechnik gelöst hat und ein breites Spektrum von Produkten und Services vorweisen kann. Die werden überwiegend weltweit erzeugt – nur noch rund ein Drittel der Beschäftigten im Unternehmen (86.000 im Jahr 2021) sind in der Bundesrepublik ansässig.

Zwar hat Siemens über hundertzwanzig Standorte allein in Deutschland, ist darüber hinaus jedoch in 190 Ländern weltweit präsent, und das mit Produktionsstätten, Büros und Repräsentanzen. Daher hat sich auch die Mitarbeiterzahl überwiegend ins Ausland verlagert, im Jahr 2020 waren es 203.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, ein Jahr später schon 217.000 Personen an den Auslandsstandorten.

Siemens: Mehr als nur eine Aktie im DAX 40

Von der flexiblen Unternehmensführung und wiederholten Umbauten profitiert vor allem die Aktie von Siemens. Die Aktie der Siemens AG können Anleger schon seit 1899 börslich handeln, mit der Neuaufstellung und Ausgründung einzelner Sparten kamen die Aktien der Siemens Healthineers und der Siemens Energy hinzu.

Aktionäre schätzen die Performance der Aktie und des Konzerns. So erzielte die Siemens AG während des Corona-Jahres 2020 einen Umsatz von insgesamt 57 Milliarden Euro und Gewinne von mehr als 4 Milliarden Euro – nach Steuern.

Siemens Energy und Siemens Healthineers

Überdies kann Siemens mit Aktien gleich in verschiedenen Bereichen punkten: Der Mischkonzern gehört einerseits mit der Aktie des Hauptunternehmens zu den Titeln der ersten Stunde im deutschen Aktien-Leitindex DAX, ist also seit dem Start am 1. Juli 1988 gelistet – und kann nun, nach der Erweiterung auf den neuen DAX 40 im September 2021 gleich drei Positionen beanspruchen.

Auch die Medizintechnik-Sparte und die Siemens Energy haben den Sprung in den DAX vollzogen. Das bedeutet, dass sie über die Anforderungen der Deutschen Börse an mittelgroße Unternehmen hinausgewachsen sind und zu den neuen Größen der deutschen Industrielandschaft gehören.

Damit ist bei Siemens gleich ein mehrfacher Aktienkauf möglich, und Investoren, die sich für ihr Portfolio an Megatrends wie der Versorgung alternder Gesellschaften oder der Energiewende orientieren, bietet Siemens ebenfalls eine Anlaufstelle.

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