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Die neue Siemens-Konzernzentrale entsteht momentan am Wittelsbacherplatz in München – ein klares Bekenntnis des Konzerns zum Standort München.

Neue Konzernzentrale

Wo das Siemens-Herz schlägt

München - In München hat der Weltkonzern an Präsenz verloren. Bayern bleibt aber das Kraftzentrum von Siemens, mit neuer Konzernzentrale und Gehirn an der Isar.

Die Globalisierung und diverse Umbauten haben Siemens in den vergangenen Jahren zu einem bisweilen entrückten Weltkonzern gemacht. Längst arbeiten mehr Beschäftigte jenseits deutscher Grenzen (250 000) als innerhalb (119 000). Vor allem am Firmensitz München, der einmal größter Standort war, muss man mittlerweile genauer hinsehen. Gerade 9150 Siemensianer gibt es hier noch, vor allem in der gerade neu entstehenden Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz, in Forschung und Entwicklung sowie im Vertrieb.

Für Rudolf Martin Siegers bleibt Bayern dennoch das Kraftzentrum des Traditionskonzerns. Er ist Vertriebschef für Deutschland. Als solcher hat er sein Büro zwar in Berlin. Das industrielle Herz von Siemens schlage allerdings in der fränkischen Metropolregion Nürnberg, betont er. Mit rund 46 000 Beschäftigten ist das heute der größte Standort in Deutschland. Dort sind auch die Zentralen von drei der vier operativen Sektoren, zuständig für das globale Geschäft mit Energie, Industrie und Medizintechnik. Von München aus wird mit „Infrastruktur und Städte“ nur der jüngste der vier Sektoren gemanagt.

Vor allem den fränkischen Siemens-Standorten ist zu verdanken, dass gut jeder zweite von Deutschlands Siemensianern seinen Job in Bayern hat. Wichtig bleibe der Heimatmarkt auch wegen seiner Leitfunktion und als Schaufenster für das weltweite Geschäft, sagt Olaf Rathjen als der für die Region Bayern zuständige Siemens-Manager. Als Beispiel nennt er das virtuelle Kraftwerk München, das seit einem Jahr sechs Blockheizkraftwerksmodule, fünf Wasserkraftanlagen und eine Windanlage im Stadtgebiet softwarebasiert zu einer Einheit zusammenschaltet. Pilotcharakter habe das, vor allem für die Energiewende, wo viele kleine Energieerzeuger unter ein funktionierendes Energiemanagement gebracht werden müssen. Auch die Münchner U- und Straßenbahnen hätten einen solchen Leitcharakter. In Nürnberg hat Siemens zudem die erste fahrerlose U-Bahn auf den Weg gebracht, die demnächst auch in Paris fahren soll.

Speziell die Energiewende würde Siemens gern dynamischer vorexerzieren. „Voriges Jahr wurde aber nicht ein großes Energiewendeprojekt am deutschen Markt vergeben“, bedauert Siegers. Zuletzt sei mit Aufträgen für einen Windpark und ein Gaskraftwerk wieder Bewegung in die Sache gekommen. Aber der erhoffte Schub steht politisch bedingt noch aus.

Bayern und Deutschland sind für Siemens nicht nur ein Experimentierfeld, sondern auch eine wichtige Beschaffungsquelle, sagen die beiden Manager. Für 12,4 Milliarden Euro hat Siemens zuletzt per annum bei Zulieferern eingekauft.

Wohin die Reise demnächst geht, verraten Siegers und Rathjen nicht. Denn erneut steht der Konzern vor wichtigen Weichenstellungen. Firmenchef Peter Löscher hat ein Sparprogramm verordnet, das bis 2014 rund 6,3 Milliarden Euro bringen muss. Die Hälfte davon soll der Einkauf beisteuern. Ob das die Beschaffung aus Deutschland drosselt, lassen die Manager offen. Gleiches gilt für die Zahl der Stellen, die gestrichen werden. Gewerkschafter fürchten, dass rund 10 000 Arbeitsplätze in Gefahr sind. Im Herbst will Löscher die Spekulationen beenden. Vorher wollen auch Siegers und Rathjen das heiße Eisen nicht anfassen.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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