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Grüne Hoffnung: In Umwelttechnologien wie der Windkraft sieht Siemens besonderes Wachstums-Potenzial.

Siemens: Ein Konzern sieht grün

Die weltweiten Konjunkturprogramme sollen für Siemens ein Milliardengeschäft werden. Große Hoffnungen setzt der Münchner Konzern insbesondere auf Umwelttechnologien. Doch Protektionismus könnte die Pläne gefährden.

Mit Konjunkturprogrammen, wie es sie noch nie gab, haben Regierungen aus aller Welt auf die Wirtschaftskrise geantwortet. Insgesamt zwei Billionen Euro – etwa so viel wie das gesamte deutsche Steueraufkommen in vier Jahren – sollen die Konjunktur wieder in Schwung bringen. Rund 700 Milliarden Euro davon haben die Regierungen laut Siemens für öffentliche Infrastrukturprojekte eingeplant (der Rest sind zum Beispiel Steuererleichterungen).

Zieht man davon Vorhaben ab, die für das Münchner Unternehmen nicht relevant sind – etwa Straßen- oder Brückenbau –, bleiben 150 Milliarden Euro übrig. Und davon will Siemens entsprechend seinem Weltmarktanteil ein Zehntel einheimsen – also Aufträge im Wert von 15 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon soll auf Umwelttechnologien entfallen. „Siemens ist grün und wird noch grüner“, kündigte Vorstandschef Peter Löscher gestern an.

Der Konzern verdient derzeit jeden vierten Euro mit Produkten, die er als grün klassifiziert. Dazu zählt das Unternehmen erneuerbare Energien wie Windkraft, Umwelttechnologien wie Wasseraufbereitung, aber auch Gasturbinen oder Computertomographen, wenn diese als besonders energiesparend eingeordnet werden. Bis 2011 soll dieses Geschäft von zuletzt 19 Milliarden Euro auf 25 Milliarden Euro pro Jahr zunehmen. „Mittel- und langfristig werden die grünen Märkte deutlich überdurchschnittlich wachsen“, prognostizierte Löscher. „Wir sehen gigantische Wachstumschancen für grüne Technologien.“ Deshalb investiere man rund eine Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung entsprechender Produkte. Es würden auch neue, hochqualifizierte Arbeitsplätze in diesem Bereich entstehen.

Auch das Projekt Desertec, das auf die Stromerzeugung für Europa mittels Solarkraftwerken in der nordafrikanischen Wüste zielt, spiele in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Siemens ist an dem Projekt maßgeblich beteiligt. Als Problem gilt dabei insbesondere die Stromübertragung über die weite Distanz von Afrika nach Europa. Doch Siemens sei gerüstet, dies zu realisieren, betonte Löscher: „Das ist genau unsere Kragenweite.“

Bis Siemens mit dem Wüstenstrom-Projekt Geld verdient, wird es aber noch einige Zeit dauern. Und auch die weltweiten Konjunkturmaßnahmen werden erst im Lauf der nächsten drei Jahre wirken, erwartet das Unternehmen. „Die Programme laufen gerade an, die Ausschreibungen werden realisiert“, sagte Löscher. Damit hat nun eine kritische Phase begonnen.

Von den für Siemens relevanten Infrastrukturprojekten im Wert von 150 Milliarden Euro entfallen gerade mal fünf Milliarden auf Deutschland. Viel interessanter sind China (25 Milliarden) und die USA (85 Milliarden). Doch gerade in diesen Staaten könnte der deutsche Industriegigant ein Opfer von nationalem Protektionismus werden, der heimische Anbieter bevorzugt.

Das Unternehmen will von entsprechenden Befürchtungen nichts wissen. Finanzchef Joe Kaeser erklärte etwa: „Wir gehen davon aus, dass die amerikanische Regierung die besten nimmt.“ Doch ganz so überzeugt ist man wohl nicht davon. Löscher betonte zumindest, dass Siemens trotz seiner deutschen Wurzeln ein „Local Global Player“ (ein vor Ort verankerter Weltkonzern) sei. In China beschäftige man rund 40 000 Chinesen, in den USA habe man seit den 70er-Jahren fast 70 000 Jobs geschaffen – „vorwiegend für US-Bürger“.

von Dominik Müller

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