Siemens: Korruptionsskandal kostet 1,8 Milliarden

München - Die Staatsanwaltschaft München hat ihre Ermittlungen im Skandal um schwarze Kassen bei Siemens ausgeweitet. Beim Unternehmen ist schon jetzt ein Milliardenschaden entstanden. Deshalb prüft Siemens Klagen gegen ehemalige Vorstände und Mitarbeiter.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat inzwischen sechs von elf früheren Bereichen des Konzerns im Visier, wie ein Sprecher der Behörde dieser Zeitung bestätigte. Neben dem Kommunikationsgeschäft und der Energieübertragung sind dies die Bereiche Energieerzeugung, Transport, Medizintechnik und die IT-Sparte SIS. Dort haben sich auch die internen Ermittler - die von Siemens betraute US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton - umgesehen und "in nahezu allen untersuchten Geschäftsbereichen und in zahlreichen Ländern Belege für Fehlverhalten im Hinblick auf in- und ausländische Anti-Korruptionsvorschriften gefunden", wie Siemens mitteilte.

Zwischen 1999 und 2006 habe es "nicht nur direkte Korruptionsvorfälle, sondern vielfach auch Verletzungen von Vorschriften, die sich auf die internen Kontrollen" beziehen, gegeben. Zuletzt habe die Untersuchung insbesondere der Arbeit des aktuellen und ehemaligen Vorstands gegolten. Während es keine belastenden Informationen über das Gremium in seiner neuen Besetzung - ohne den ausscheidenden Medizintechnik-Chef Erich Reinhardt - gebe, drohen den Ex-Vorständen um Heinrich von Pierer Konsequenzen.

Der Aufsichtsrat lässt Ansprüche - also Schadensersatzklagen - gegen ehemalige Vorstände ebenso wie Mitarbeiter prüfen. Gegen wen sich diese richten, ließ das Unternehmen offen. Hierzu seien "konkrete Schlussfolgerungen derzeit noch nicht möglich und Konsequenzen für Einzelpersonen noch nicht entscheidungsreif".

Es habe unterschiedliche Arten und Grade von Wissen, Handlungen oder Unterlassungen früherer Vorstände gegeben, teilte Siemens mit. Man sehe "ein weites Spektrum und mannigfache Schattierungen" zwischen korrektem Verhalten, Abschieben von Verantwortung, Nicht-Reaktion bis zur Mitwirkung an regelwidrigen Aktivitäten. Dabei seien "große Unterschiede in Bezug auf die Dauer der Zugehörigkeit zum Gremium und die Verantwortungsbereiche von Einzelpersonen gegeben, die mit zu berücksichtigen" seien.

Für den Münchner Konzern ist durch den Korruptionsskandal ein immenser Schaden entstanden. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres haben externe Berater wie die US-Kanzlei Debevoise & Plimpton 175 Millionen Euro gekostet. Insgesamt belaufen sich die Kosten für Aufklärung, Steuernachzahlungen und Bußgelder bislang auf 1,8 Milliarden Euro. Dabei steht eine Strafe der US-Börsenaufsicht SEC noch aus. Diese kann ebenfalls einen Milliardenbetrag ausmachen.

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