Siemens macht in der Krise Fortschritte

Gewinn klettert: - München - ­ Siemens will seinen Kfz-Zulieferer VDO an die Börse bringen. Zugleich steht ein großer Zukauf an. Die Gewinne werden von einer Kartellstrafe belastet.

Der wegen schwarzer Kassen und Kartellvergehen in die Kritik geratene Technologiekonzern Siemens ergreift geschäftlich die Initiative. Unternehmenschef Klaus Kleinfeld will den rund zehn Milliarden Euro umsetzenden Geschäftsbereich VDO, einen führenden Automobilzulieferer, an die Börse bringen und die Automatisierungssparte durch einen Milliardenzukauf stärken.

VDO sitzt in Schwalbach im Taunus und beschäftigt global 53\x0f000 Frauen und Männer. An der hoch profi-tablen Sparte, die im vorigen Geschäftsjahr 2005/06 rund 669 Millionen Euro Betriebsgewinn verbucht hatte, werde Siemens mindestens ein Viertel der Anteile abgeben, aber die Mehrheit behalten, erklärten Kleinfeld und Siemens-Finanzchef Joe Kaeser am Rande der Hauptversammlung. Die weiteren Details seien noch offen. Offenbar plant Siemens aber noch für dieses Jahr den Teilverkauf von VDO, der dem Mutterkonzern einige Milliarden Euro in die Kassen spülen dürfte. "Ein Börsengang eröffnet VDO mehr Flexibilität und Wachstumschancen", meinte Kleinfeld. Die Sparte könne so auch sich bietende Chancen bei der voranschreitenden Konsolidierung der Kfz-Zuliefermärkte besser nutzen.

Die durch den VDO-Teilverkauf zufließenden Gelder sind indessen schon verplant. Für 2,7 Milliarden Euro erwirbt Siemens nämlich die US-Softwarefirma UGS, die Computerprogramme für industrielle Fertigung herstellt, und gliedert sie in den Siemens-Bereich Automatisierungstechnik ein. Damit könne man dieses Geschäft als Trendsetter in eine neue Dimension heben, meinte Kleinfeld. UGS setzte mit seinen 7300 Beschäftigten zuletzt bei 185 Millionen Euro Betriebsgewinn per anno rund eine Milliarde Euro um. Mit Automatisierung setzte Siemens 2005/06 knapp 13 Milliarden Euro um und beschäftigte dort global fast 71 000 Menschen. Der Bereich war mit über 1,5 Milliarden Euro Betriebsgewinn zuletzt eine sprudelnde Geldquelle.

Zunehmend profitabel ist Siemens im laufenden Geschäftsjahr 2006/07, das Anfang Oktober endet, indessen nur noch in operativer Hinsicht. Denn ein soeben von der EU verhängtes Bußgeld über rund 420 Millionen Euro für illegale Preisabsprachen im Siemens-Geschäftsbereich Energieerzeugung hat im Auftaktquartal den Überschuss des Gesamtkonzerns um 16 Prozent auf 788 Millionen Euro gedrosselt. Bereinigt um diesen einmaligen Sondereffekt, haben aber fast alle elf Geschäftsbereiche ihre operativen Gewinne gesteigert. Auf dieser Basis legten die Profite verglichen mit dem Vorjahresquartal konzernweit um die Hälfte auf 1,6 Milliarden Euro zu. Erstmals seit langem schreibt kein Geschäftsbereich rote Zahlen.

Auch die zuvor drei Jahre lang defizitäre IT-Dienstleistungssparte SBS kam jetzt in die Gewinnzone. Noch liegen allerdings vier Geschäftsbereiche unter den von Kleinfeld für Mitte 2007 vorgegebenen Margenzielen. Das werde sich im zweiten Quartal ändern, versprach der Konzernchef. Die Umsätze stiegen indessen konzernweit im ersten Quartal 2006/07 um sechs Prozent auf 19,1 Milliarden Euro.

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