Siemens: Mehr Arbeit oder gar keine

- Bei Siemens droht ein massiver Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen. Die Angaben von Belegschaft und Konzern gehen dabei weit auseinander. Um das Schlimmste zu verhindern, sollen Mitarbeiter auf Lohn verzichten und länger arbeiten.

<P>So stehen im Inland mindestens 13 200 Stellen auf dem Spiel, fürchten Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann und IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer. Siemens spricht von 5000 konkret gefährdeten Arbeitsplätzen.</P><P>Personal und Gewerkschaft halten ihre höhere Schätzung sogar noch für zurückhaltend, weil Siemens auch in der Entwicklung Kosten sparen wolle und dies noch nicht eingerechnet sei. Zu den 5000 Stellen in der Siemens AG, deren Gefährdung das Management einräumt, kommen nach Berechnung der Betroffenen weitere gut 8000 Arbeitsplätze bei den Tochtergesellschaften VDO, Bosch Siemens Hausgeräte, Osram und SBS.</P><P>Die Konzernleitung habe mitgeteilt, dass nur eine drastische Absenkung der Arbeitskosten den Kahlschlag teilweise verhindern könne. Demnach sollen Siemensianer in Sparten mit internationalen Kostennachteilen auf 20 bis 30 % ihres Gehalts verzichten und künftig wöchentlich 40 statt bisher 35 Stunden arbeiten. Neugebauer wertete das als Erpressung. Beide betonten jedoch Gesprächsbereitschaft und wollen Vorschläge zum Erhalt möglichst aller Arbeitsplätze vorlegen. "Bei der 40-Stunden-Woche sehe ich aber keinen Verhandlungsspielraum", schränkte der Betriebsratschef ein.</P><P>Die Siemens-Belegschaft hält entgegen Beteuerungen des Managements ganze Standorte für gefährdet. Betroffen seien zunehmend auch Ingenieurstätigkeiten. "Siemens fühlt sich anonymen Kapitalgebern mehr verpflichtet als den Menschen und dem Staatswesen, dem es seine heutige Position zu verdanken hat", kritisiert Heckmann. Der Konzern sei angesichts von zwölf Milliarden Euro Barreserven kein krisengebeutelter Mittelständler, wetterte Neugebauer.</P><P>Von Pierer spiele den "Arbeitszeitrambo" für die Arbeitgeber, obwohl alle Siemens-Vertreter jüngst die Tarifverträge gebilligt hätten. Bei den Betroffenen schwanke die Stimmung zwischen Enttäuschung und Wut, sagte Heckmann. Bei flexibleren Arbeitszeiten wolle man mit sich reden lassen. Schon jetzt gebe es bei Siemens teilweise eine Sieben-Tage-Woche.</P><P>Das Management sieht die Pläne weniger dramatisch. Zur Hälfte seien Stellen wegen hiesiger Kostennachteile von Verlagerungen bedroht, zur anderen Hälfte von fundamentalen Veränderungen der Technologie oder Märkte, sagte Siemens-Sprecher Eberhard Posner. </P><P>Eine Verlagerung könne durch längere und flexiblere Arbeitszeiten sowie andere Kostensenkung verhindert werden. In zwei nordrhein-westfälischen Telefonwerken betrage die Kostenlücke im Vergleich zum Standort Ungarn rund 30 %. Es habe erste Erfolge gegeben, sagte ein Siemens-Sprecher. So sei in Bocholt die Verlagerung von 224 Stellen nach Ungarn verhindert worden, weil Mitarbeiter Kostensenkungen akzeptiert hätten. </P><P>Nur durch Wachstum und Innovation seien dagegen weitere 2500 Stellen in der Netzwerk- und Eisenbahnsparte und dem Bereich Energieübertragung zu retten. Hier sind unter anderem die Standorte Nürnberg und Bruchsal betroffen.</P>

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