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Siemens: Millionen-Altlasten schockieren die Börse

München - Siemens sorgt für neue Hiobsbotschaften. Wegen Missmanagements sind Großprojekte in drei Geschäftsfeldern aus dem Ruder gelaufen. Das belastet die Gewinne mit mindestens 900 Millionen Euro.

Bislang waren die Probleme von Siemens auf schwarze Kassen und Korruptionsfälle beschränkt. Nun trifft ein neuer Tiefschlag das operative Geschäft des Münchner Technologieriesen. Völlig überraschend musste der Konzern für seine Geschäfte mit Kraftwerken, Zügen und IT-Dienstleistungen eine Art Offenbarungseid leisten und allein für das bis Ende März laufende Quartal unerwartete Belastungen von 900 Millionen Euro eingestehen. "Was hier vor uns liegt, ist die Aufarbeitung der Vergangenheit", sagte der seit Mitte des Vorjahrs amtierende Siemens-Chef Peter Löscher in München.

Siemens habe sich in den drei Krisenherden bei Großprojekten verkalkuliert und müsse in den nächsten Monaten eventuell weitere Dämpfer für das Ergebnis verkraften, gestand Finanzchef Joe Kaeser. Einerseits sei der Großteil der Belastungen bereits erfasst. Andererseits beträfen die jetzt genannten Summen ausschließlich das Projektgeschäft. Gelder für zusätzlich geplante strukturelle Änderungen, um ähnliche Hiobsbotschaften für die Zukunft auszuschließen, seien in den 900 Millionen Euro noch nicht enthalten.

An der ohnehin wegen der Finanzmarktkrise abstürzenden Börse ging die Siemens-Aktie nach diesem Eingeständnis auf Talfahrt. Das Papier verlor in der Spitze knapp 19 Prozent und notierte teilweise unter 65 Euro. Der Konzern verlor bis Börsenschluss 13,9 Milliarden Euro an Wert und war für ein Drittel aller Dax-Verluste des Tages verantwortlich. Demonstrativ kauften Löscher und Kaeser für insgesamt 3,5 Millionen Euro 50 000 beziehungsweise 3000 Aktien-Titel des eigenen Unternehmens - mit privaten Mitteln.

Die unverhoffte Gewinnwarnung zeige, dass die von ihm zum Jahreswechsel verordnete Neuorganisation von Siemens "überfällig" gewesen sei, betonte Löscher. "Die Dinge liegen nun schonungslos offen", sagte er. Das Wort Managementfehler nahm der neue Obersiemensianer zwar nicht in den Mund. Die von ihm gelieferten Details beschreiben aber ein solches Versagen des früheren Führungspersonals. Zwei Drittel der nun ermittelten Lasten betreffen das Geschäft mit fossilen Kraftwerken, lange eine der wichtigsten Gewinnquellen von Siemens, gestand der seit kurzem verantwortliche Manager Wolfgang Dehen. Bei einer noch andauernden Durchleuchtung des Bereichs habe man "kritische" Großprojekte identifiziert, die teils aus den Jahren 2004 und 2005 stammen. Die Schieflage sei entstanden durch Mängel bei Kalkulation und Risikomanagement, fehlende Ingenieure, stockende Zulieferungen und steigende Rohstoffkosten. "Wir haben uns übernommen, die Kapazitätsgrenzen überschritten und nicht ordentlich gearbeitet", räumte Dehen ein.

Das Kraftswerksgeschäft habe nun "ein größeres Ergebnisproblem" und steuere auf noch sieben bis neun Prozent Gewinnmarge zu. Zielwert sind zehn bis 14 Prozent. Technische Schwierigkeiten gebe es nicht, betonte Dehen. Er will das Kraftwerksgeschäft neu ausrichten, was keinen Stellenabbau bedeute.

Die zweite Siemens-Baustelle ist mit dem Bahngeschäft eine altbekannte. Für vorerst 200 Mio. Euro neue Ergebnisbelastung sorgen dort die Straßenbahn vom Typ Combino, eine massive Verzögerung beim Transrapid in China sowie weitere Einzelprojekte, gab der neuerdings dafür zuständige Sektorchef Heinrich Hiesinger zu. Dritter Brandherd ist der kürzlich unter hohem Stellenabbau sanierte IT-Dienstleister SIS, bei dem nun neue Kosten in Höhe von mindestens 100 Mio. Euro anfallen. Auch dafür ist ein gefloppter Großauftrag verantwortlich.

Analysten gingen mit Siemens hart ins Gericht. Aufträge zu kalkulieren, für genug qualifiziertes Personal zu sorgen und Zulieferketten zu sichern, sei ureigenste Managementaufgabe, kritisierte ein Börsianer. Ein anderer verlangte die Trennung vom seit Jahren kriselnden Bahngeschäft. Auch SIS sei im Konzernverbund ein Fremdkörper. Löscher reagierte auf diese Anregungen vorerst nicht. Er ließ auch offen, ob die Gewinnziele für das bis Oktober laufende Geschäftsjahr 07/08 und das Folgejahr noch gelten. Siemens will die Gewinne bislang jeweils doppelt so stark steigern wie die Umsätze.

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