Siemens: "Mitarbeiter haben sich bereichert" - kein SEC-Durchbruch

München/Washington - Im Korruptionsskandal bei Siemens hat der zuständige Vorstand Peter Solmssen sündigen Mitarbeitern persönliche Bereicherung vorgeworfen.

Es sei ein Mythos, dass die Beschäftigten nur im Interesse des Unternehmens zu handeln glaubten, sagte Solmssen der "Zeit". "Natürlich haben sie davon profitiert. Sie haben Boni bekommen und Gehaltserhöhungen, sie wurden befördert." Die Täter hätten ihre Zahlen mit dem Einsatz von Schmiergeld erreicht. "Selbstverständlich haben sie sich bereichert."

Am Montag hatte sich Solmssen gemeinsam mit Konzernchef Peter Löscher und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme zu einem ersten Spitzengespräch mit der mächtigen US-Börsenaufsicht SEC getroffen. Wegen der Korruptionsaffäre könnte die SECeine Milliardenstrafe gegen Siemens verhängen. Konkrete Ergebnisse gab es nach dem Gespräch noch nicht. Bei Siemens sind in den vergangenen Jahren 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden und vermutlich größtenteils im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. Löscher, Cromme und Solmssen betonten gegenüber der SEC, wieviel der Konzern bereits unternommen habe, damit sich eine solche Affäre nicht wiederholt. So wurden die Kontrollmechanismen verschärft und zahlreiche Führungskräfte ausgetauscht. Am Dienstag gab das Unternehmen eine weitere personelle Konsequenz bekannt:Der Chef von Siemens Griechenland muss seinen Hut nehmen. Zu Details wollte sich der Konzern nicht äußern. In Griechenland hatte es unter anderem Ermittlungen gegen den dortigen Ex-Chef der Kommunikationssparte Com gegeben, in der die Korruptionsaffäre ihren Anfang genommen hatte. Die Verhandlungen mit der SEC sollen im neuen Jahr fortgesetzt werden.

Zu den Inhalten der Verhandlungen am Montag in Washington wollte sich Siemens nicht äußern. "Es war ein gutes Gespräch und Auftakt für einen weiteren, direkten Dialog", sagte ein Sprecher. Bisher haben sich bei Siemens intern über 200 Mitarbeiter mit vertraulichen Informationen gemeldet. Einige Informanten seien bereits amnestiert worden, sagte Solmssen. Das bedeutet, dass der Konzern bei reuigen Sündern auf Schadenersatzansprüche verzichtet und keine gravierenden Sanktionen - wie zum Beispiel eine Kündigung -verhängt. "Es haben sich uns Mitarbeiter anvertraut, die in diese Systeme hineingezwungen wurden", sagte Solmssen. Der Chefjustiziar und Anti-Korruptions-Vorstand wies die These entschieden zurück, dass sich in manchen Regionen ohne Schmiergeld keine Geschäfte machen lassen. "Man muss nur lernen, Nein zu sagen." Beim großen Konkurrenten General Electric gebe es keine systematische Korruption. "Sauberkeit ist ein Wettbewerbsvorteil. Der Kunde weiß, dass dort keine nützlichen Aufwendungen in die Preise gehen."

dpa

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