Siemens: Nach Gewinneinbruch droht verschärfter Stellenabbau

- München - Siemens korrigiert nach neuerlichen Nackenschlägen die Gewinnprognosen nach unten. Dem Personal droht verschärfter Stellenabbau. Drei Verlustsparten stehen vor gravierenden Einschnitten.

Siemens verschärft nach dem überraschenden Auftauchen neuer Verlustbereiche seinen Sanierungskurs. Das bedeute neuen Stellenabbau und die Abgabe unprofitabler Geschäfte, kündigte Konzernchef Klaus Kleinfeld im Zwischenbericht an. Nach diesem brach von April bis Juni der Gewinn nach Steuern unerwartet um ein Viertel auf 625 Millionen Euro ein.

Nicht eingerechnet ist dabei die defizitäre Handy-Sparte, die an den asiatischen Konzern BenQ abgegeben wird. Mit Mobiltelefonen, die noch bis zum Ende des Geschäftsjahres 2004/05 im Oktober die Bilanz belasten, haben die Bayern im dritten Quartal nochmals 236 Millionen Euro Defizit hinnehmen müssen. Schlimmer ist aber, dass der bedeutendste Hochtechnologie-Bereich im Konzern, Communications, mit 70 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht ist. Auch im Geschäft mit Logistik- und Bestückungsautomaten habe Siemens mit 49 Millionen Euro Quartalsverlust einen "herben Rückschlag" verkraften müssen, räumte Kleinfeld ein.

Das größte Defizit wies das Dauersorgenkind SBS mit 109 Millionen Euro Verlust aus. Der IT-Dienstleister werde unprofitables PC-Wartungsgeschäft im Umfang von bis zu 1,2 Milliarden Euro Umsatz an einen Partner abgeben, kündigte Kleinfeld an. Das entspricht einem Viertel des gesamten Bereichs. Im verbleibenden Geschäft streiche SBS erneut Stellen, wobei der Umfang offen ist. Das Management trete in Verhandlungen mit den Betriebsräten, um den Abbau möglichst gering zu halten.

In der Sparte wurden zuletzt immer wieder Arbeitsplätze gestrichen und Geschäftsteile verkauft. Für Logistik- und Kommunikationsgeschäft werde bis Ende August ein neues Konzept erarbeitet, sagte Kleinfeld. Schon jetzt sei aber klar, dass Siemens das schwächelnde Geschäft mit Industrielogistik "nicht in bisheriger Form fortführen" wird. Hier belasten Verlustaufträge. Ob dafür auch Manager veranwortlich gemacht werden, ließ Kleinfeld offen. "Leistung zählt", meinte er allerdings. Zu personellen Veränderungen gekommen ist es bereits im Bereich Communications, wo Siemens beim Verkauf von Kommunikationsnetzen für Firmen und Telekomkonzerne schwächelt und ein Manager ins Ausland versetzt wurde. Dieser Mammut-Bereich ist für den Konzern von entscheidender Bedeutung, weil er ein Viertel aller Umsätze beisteuert.

Wegen dieser Nackenschläge senkt Siemens nun die Gewinnprognose für 2004/05. Ohne das Handy-Geschäft (siehe auch Kasten) "wollen wir ein Ergebnis erzielen, das dem des Vorjahres entspricht", kündigte Kleinfeld nun an. Die Wachstumsziele werden nach neun Monaten der Periode 2004/05 mit acht Prozent höheren Auftragseingängen auf 61 Milliarden Euro und um fünf Prozent auf 54 Milliarden Euro gestiegenen Umsätzen erreicht, sagte Kleinfeld. Auch künftig wolle Siemens mit fünf Prozent etwa doppelt so schnell wachsen wie die Weltwirtschaft.

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