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In Staaten wie Kanada sind Bilder aus Gründen der Chancengleichheit bei Bewerbungen bereits verboten, sagte die Siemens-Personalchefin. Foto: Sophie Mono/Symbolbild

Siemens-Personalchefin findet Bewerbungsfotos überflüssig

Welchen Bewerber nimmt eine Firma für eine offene Stelle? Natürlich den besten, könnte man meinen. Doch Personalverantwortliche könnten sich bei ihrer Entscheidung in die Irre leiten lassen, etwa von Bildern. Warum also nicht weg mit den Porträts im Business-Look, fragt eine Top-Managerin.

Gerlingen (dpa) – Fotos in Job-Bewerbungen sind aus Sicht der Siemens-Personalchefin Janina Kugel überflüssig. Es gebe das Risiko, dass Firmenverantwortliche auf Basis solcher Bilder beeinflusst würden und dadurch nicht die richtigen Personalentscheidungen träfen, sagte Kugel in Gerlingen.

Sie verwies auf das Problem unbewusster Denkmuster (Englisch: Unconscious Bias), wenn also etwa Punkertypen als unseriös oder Ältere als technikfern eingeordnet würden. "Ganz eindeutig ist es wissenschaftlich bewiesen, dass ein Foto einen Rückschluss auf eine Qualifizierung beinhaltet, wenngleich das natürlich nicht unbedingt richtig ist", sagte Kugel.

In manchen Staaten wie Kanada sind Fotos in Bewerbungen bereits verboten. In Europa bewege man sich bei dem Thema hingegen "nicht ganz so schnell", sagte Kugel. Ihre Firma erwäge, Fotos komplett aus dem Bewerbungsprozess zu nehmen. "Wir sind auf jeden Fall in der Diskussion, auch das abzuschaffen." An die Adresse potenzieller Siemens-Bewerber sagte sie: "Bewerben Sie sich auch gerne ohne Foto."

Bei Bosch ist man jedoch anderer Auffassung. "Ohne Fotos würde sich nichts gravierend ändern", sagte Bosch-Personalchef Christoph Kübel und verwies auf entsprechende Untersuchungen von Baden-Württembergs Landesregierung. Man nehme in Deutschland Bewerbungen mit und ohne Bilder. "Wir stellen sicher, dass wir nicht nach Fotos auswählen."

Siemens-Managerin Kugel stellte Zwischenergebnisse der Netzwerk-Initiative "Chefsache" vor, in der Siemens, Bosch, das Verteidigungsministerium, die Caritas und weitere Institutionen unter anderem Erfahrungen zur Frauenförderung austauschen. Im Kern geht es um die Beseitigung von Vorurteilen, um Mitarbeiter fair zu behandeln.

Ein Online-Training zum "Unconscious Bias" soll ab kommender Woche dabei helfen, Kenntnisse zum Problem unbewusster Denkmuster zu vertiefen - es ist dann auf www.chefsache.de für jedermann verfügbar. "Jeder Einzelne sollte sich bewusst werden, in welchen Situationen er sich selbst von unbewussten Denkmustern bei seinen Entscheidungen im Alltag leiten lässt", sagte Bosch-Arbeitsdirektor Kübel.

Neu dabei in dem "Chefsache"-Netzwerk sind die Lufthansa, EnBW und der Tüv Rheinland. Die Schirmherrschaft in der vor etwa einem Jahr gestarteten Initiative hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Im Bundeskanzleramt ist im Oktober eine Konferenz des Netzwerks geplant, zu der Merkel einlädt.

Internetseite des Netzwerks Chefsache

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