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Berlin: Schriftzug an der Hauptverwaltung von Siemens am Siemensdamm im Bezirk Spandau. Foto: Wolfgang Kumm

Konzept für Berlin

Siemens plant Zukunftscampus

Siemens will nach dem Vorbild des kalifornischen Silicon Valley einen Innovationscampus schaffen. Für den Standort Berlin gibt es bereits ein Konzept. Doch ist offen, ob die deutsche Hauptstadt den Zuschlag erhält.

Berlin (dpa) - Der Technologiekonzern Siemens plant ein großes Innovationszentrum und will dafür 500 bis 600 Millionen Euro investieren.

Der "Zukunftscampus" könnte in der Berliner Siemensstadt entstehen - oder der Standort wird mit einer Ausschreibung weltweit gesucht, wie am Freitag aus Unternehmenskreisen verlautete. Entsprechende Pläne würden derzeit im Siemens-Konzernvorstand diskutiert.

Auf dem Campus sollen Büros, Forschungslabors und Hightech-Produktionsanlagen untergebracht werden. Es sollen Start-up-Firmen angesiedelt werden, als deren Unterstützer sich Siemens versteht, außerdem soll Platz sein für Projektarbeit mit Wissenschaftlern und anderen Kreativen. So heißt es nach den Angaben aus Unternehmenskreisen in dem Konzept.

Geplant sei auch der Bau von Wohnungen für Studenten und andere Mieter. Aus dem Industriegelände soll nach den Vorstellungen von Siemens innerhalb von rund zehn Jahren ein modernes Stadtviertel werden, Raum für Freizeit und Erholung inbegriffen. Der Siemens-Vorstand will nun mit dem Berliner Senat über das Projekt ins Gespräch kommen.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zeigte sich erfreut über die die Idee eines Zukunftscampus. Siemens zeige damit, "dass Berlin ein starker Standort für moderne Industrie, Innovation und Digitalisierung ist". Begrüßenswert sei auch die geplante Weiterentwicklung der Siemensstadt zu einem lebendigen Stadtquartier. Der CDU-Wirtschaftsexperte Christian Gräff sprach von einer "historischen Chance für den Standort Berlin". Der Senat müsse jetzt alles daran setzen, dass Siemens sein Vorhaben umsetzen könne.

Für den Standort Berlin sprächen die historische Bedeutung als Gründungsort des Unternehmens, die vorhandenen Flächen und die Industriearchitektur in Siemensstadt, die Nähe zur Start-up-Szene sowie die Hochschulen der Bundeshauptstadt, hieß es in Unternehmenskreisen. Derzeit sei aber fraglich, ob Berlin den Zuschlag erhalten werde.

Hintergrund ist offensichtlich das zuletzt schwierige Verhältnis zwischen der Geschäftsführung und dem Berliner Senat. Nach langem politischen Streit lehnten Senat und Bezirk Mitte Juli den Wunsch von Siemens endgültig ab, in einem denkmalgeschützten Ensemble an der Museumsinsel seine Hauptstadtrepräsentanz bauen zu dürfen. Im November hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD)  Pläne zum Stellenabbau bei Siemens als "nicht hinnehmbar" kritisiert.

Die Konzernzentrale befindet sich in München, aber Berlin ist mit derzeit 11 700 Mitarbeitern der größte Siemens-Standort. Falls der Campus in Berlin entsteht, hat Siemens schon konkrete Vorstellungen über die Aufteilung des Geländes an der Nonnendammallee in Spandau: Das Innovationszentrum soll insgesamt 940 000 Quadratmeter umfassen. Das Schaltwerk (erbaut 1926-28) und das Dynamowerk (1903-06), beides Baudenkmäler, werden dem Konzept zufolge als Produktionsstätten eingebunden. Auf der Fläche dazwischen, rund 350 000 Quadratmetern, sind Wohnhäuser, Einrichtungen von Universitäten, Parkplätze, ein Hotel, eine Schule und Einzelhändler geplant.

Siemens erwartet vom Land Berlin im Gegenzug Zugeständnisse wie erweiterte Baurechte auf dem Gelände und eine "konstruktive Handhabung" des Denkmalschutzes bei Umbauten. Zudem müsse die Infrastruktur verbessert werden, etwa die Verkehrsverbindung zum künftigen Hauptstadtflughafen und die Ausstattung mit Breitband-Internet.

In Erlangen errichtet Siemens bereits seit Ende 2016 einen Campus, in dem die über die Stadt verteilten Firmenstandorte konzentriert werden. Bis zum Jahr 2020 sollen im Süden der mittelfränkischen Universitätsstadt acht neue Bürogebäude und drei Parkhäuser entstehen.

Siemens-Pressemitteilungen

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